Horst Walther

My near philosophical musings about the world in general its problems and possible ways out.

2026-04-01

Was wäre, wenn Europa der Schweiz beiträte?


Ein politisches Gedankenexperiment zum 1. April

Ich nutze die Mehrdeutigkeit dieses Datums, das einen Freiraum  für allerlei unwahre Nachrichten, Witze und Provokationen bietet, um hier eine kühne, aber logisch überzeugende Utopie zu entwerfen.

Dieser Beitrag stellt eine gewagte Hypothese auf - und behandelt sie ernsthaft: Könnte die langjährige Erfahrung der Schweiz mit mehrsprachigem Föderalismus, dezentraler Legitimität, Neutralität und gesellschaftlichem Zusammenhalt Europa ein verfassungsrechtliches und geopolitisches Modell für die Zukunft bieten? 1

Eine listige Frage verlangt nach einer ehrlichen Antwort

Am 1. April mag man verzeihen, wenn das eher Unwahrscheinliche in Betracht gezogen wird. Doch manche Unwahrscheinlichkeiten offenbaren tiefere Wahrheiten, als es der nüchterne Realismus zulassen würde. Was wäre, wenn Europa – zersplittert, zögerlich und strategisch abhängig – sich nicht als ein Imperium oder technokratische bürokratische Integration, sondern als ein Modell wiederentdecken würde, das sich bereits in seiner Mitte bewährt hat? 2

Der Vorschlag mag zunächst absurd klingen: nicht „die Vereinigten Staaten von Europa“, nicht eine zentralisierte Republik, sondern ein kontinentaler Bundesstaat nach dem Vorbild der Schweiz. Und je mehr man über Europas Dilemmata der Legitimität, strategischen Abhängigkeit, sprachlichen Vielfalt und regionalen Diversität nachdenkt, desto weniger trivial erscheint dieses Gedankenexperiment 3.

Warum die Schweiz gegründet wurde: Ein Staatenbund gegen die Macht

Die Schweiz entstand nicht als idealistische Predigt für Toleranz. Sie entstand als Überlebensstrategie. Im Jahr 1291 schlossen die Waldkantone Uri, Schwyz und Unterwalden einen Verteidigungspakt, der Frieden, gegenseitige Hilfe und rechtliche Selbstverteidigung in einer strategisch exponierten Alpenregion gewährleisten sollte 4. Das Motiv war sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Natur: Die Kontrolle über die Alpenverkehrswege, vor allem den Gotthardkorridor, machte die lokale Autonomie zu einer Frage existenzieller Bedeutung 5.

Warum geschah das? Und, wie konnte diese unwahrscheinliche Vereinbarung trotz gewaltiger dynastischer Widerstände, insbesondere gegen die habsburgischen Ambitionen, Erfolg haben? Mehrere Faktoren spielten zusammen. Generell erschwerte die Geografie Eroberungen. Die Wahrnehmung, gemeinsam Bedrohungen ausgesetzt zu sein, förderte die Solidarität untereinander. Die lokalen Eliten hatten allen Grund zur Kooperation, ohne dab ei ihre Autonomie aufzugeben. Und die Eidgenossenschaft war pragmatisch: Sie forderte nur das Notwendige ein – gegenseitige Unterstützung, grundsätzliche Friedfertigkeit und gemeinsame Verteidigung –, aber keine vollständige Verschmelzung 6.

  • Das gut zu verteidigende gebirgige Gelände begünstigte die lokalen Verteidiger.
  • Gemeinsamer äußerer Druck führte zu dauerhaftem inneren Zusammenhalt.
  • Die politische Zusammenarbeit blieb begrenzt und war daher akzeptabel.
  • Wirtschaftliche Anreize bestärkten den Willen, die Autonomie zu wahren.

In moderner analytischer Sprache ausgedrückt, entstand die Schweiz als ein dezentraler Sicherheitspakt kleiner politischer Gemeinschaften, die unter asymmetrischen Machtverhältnissen ihre Selbstverwaltung bewahren wollten.

Wie die Schweiz bis heute überlebte? 

Warum die Schweiz überlebte: Neutralität, Gleichgewicht und innerer Zusammenhalt

Die Beständigkeit der Schweiz ist vielleicht noch bemerkenswerter als ihre Entstehung. Jahrhundertelang von größeren, reicheren und oft militärisch stärkeren Nachbarn umgeben, überlebte sie dennoch, passte sich an und gedieh schließlich sogar . Diese Widerstandsfähigkeit ruhte auf drei miteinander verbundenen Säulen: der Neutralität, einem innerem Gleichgewicht und auf tiefer lokaler Legitimität 7.

Die 1815 formell anerkannte Neutralität war kein Ausdruck von Schwäche, sondern eine ausgeklügelte Überlebensstrategie. Die Schweiz signalisierte, dass sie nicht als Sprungbrett für Großmachtkonflikte dienen würde, gleichzeitig aber genügend militärische Glaubwürdigkeit bewahren konnte, um leichtfertige Aggressoren bazuschrecken 8.

Im Inland schaffte die Schweiz die Vielfalt nicht ab, sondern institutionalisierte sie. Deutsch-, Französisch-, Italienisch- und Rätoromanischsprachige Bevölkerungsgruppen wurden nicht in ein einheitliches, homogenes Schema gepresst. Auch religiöse Konflikte wurden durch institutionelle Kompromisse eingedämmt, anstatt per Zwang beigelegt zu werden 9.Das Ergebnis war eine politische Kultur, in der der Pluralismus regierte und nicht geleugnet wurde.

Schließlich entwickelte die Schweiz durch lokale Selbstverwaltung und direkte demokratische Teilhabe eine ungewöhnlich starke Legitimationsgrundlage 9. Die Bürger wurden nicht einfach regiert, sondern immer wieder zur Mitbestimmung aufgefordert. Dieser Unterschied zu den meisten anderen Demokratien scheint besonders bedeutsam zu sein 10.

Transformation: Vom losen Staatenbund zum Bundesstaat

Die Geschichte der Schweiz ist keine Geschichte statischer Kontinuität. Sie hat ihre Form wieder und wieder verändert. Der alte Staatenbund des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit unterschied sich wesentlich vom 1848 gegründeten Bundesstaat. In der Zwischenzeit war geprägt durch Bündnisse, Expansionen, konfessionelle Konflikte, die napoleonischen Wirren, die Restauration und die Neugestaltung der Verfassung 11.

Der entscheidende Wendepunkt war das Jahr 1848. Nach dem Sonderbundskrieg wandelte sich die Schweiz von einem relativ lockeren Staatenbund zu einem modernen Bundesstaat mit gemeinsamen Institutionen, wobei die kantonale Souveränität weitgehend erhalten blieb. Dieser Balanceakt ist eine ihrer größten verfassungsrechtlichen Errungenschaften: ausreichend Einheitlichkeit, um nach außen handlungsfähig zu sein, und genug Dezentralität, um akzeptiert zu bleiben 12.

Europa hat versucht, ein ähnliches Problem zu lösen. Es strebte nach Einheit, ohne die Vielfalt abzuschaffen, und nach Koordination, ohne die lokalen Identitäten auszulöschen. Doch die Schweiz hat dieses Dilemma offensichtlich eleganter gelöst.  Sie knüpfte eine wirksamere politische Ordnung an ein stärkeres Subsidiaritätsprinzip und die Zustimmung des Volkes .

Warum die Schweiz ein Vorbild für Europa sein könnte

Die Schweiz ist für Europa nicht aufgrund ihrer Lage oder Größe wichtig, sondern weil sie zeigt, dass politische Einheit keine kulturelle Homogenität erfordert. Französische, deutsche, italienische und rätoromanische Gemeinschaften teilen sich einen Staat, ohne vorzugeben, identisch zu sein. Das ist für Europa offensichtlich relevant : Europa schwankte oft zwischen zwei schlechten Optionen: entweder einer bloß lockeren Zusammenarbeit oder einer Integration, die sich für die Bürger zu weit von ihrem Alltag entfernt anfühlt 13.

Schweizer ErfahrungMögliche europäische Relevanz
Mehrsprachiges Zusammenleben innerhalb eines StaatesEuropa braucht keine einheitliche Sprache oder einheitliche Kultur vor einer Vertiefung der politischen Union.
Starke kantonale AutonomieRegionale / lokale Selbstverwaltung könnte die Legitimität von Europa als Staat stärken.
Direkte demokratische InstrumenteBürger könnten direkt in verfassungsrechtliche und strategische Fragen einbezogen werden.
Neutralität mit VerteidigungsbereitschaftEuropa könnte eine strategische Autonomie ohne eine Abhängigkeit von externen Großmächten erreichen.

Die EU hat bereits Elemente konföderaler und föderaler Logik verwirklicht. Doch mangelt es ihr oft an emotionaler Legitimität und verfassungsrechtlicher Klarheit.

Die Schweiz legt nahe, dass dauerhafte Einheit weniger durch administrative Hierarchien als vielmehr durch einen überzeugenden Pakt zwischen Völkern und Regionen entsteht.

Steuert Europa auf eine Situation ähnlich der frühen Schweiz zu?

Hier gewinnt das Gedankenexperiment an politischer Brisanz. Europa befindet sich heute im Spannungsfeld zwischen Großmächten und konkurrierenden geopolitischen Intgeressen. Es ist wirtschaftlich stark, kulturell reich und normativ einflussreich, aber gleichzeitig strategisch zögerlich und militärisch abhängig 14.

Darin wird eine strukturelle Parallele sichtbar – keine Identität, sondern eine Parallele – zu der Situation, aus der die Schweiz ursprünglich hervorging. Damals suchten kleine Alpengemeinden Sicherheit und Autonomie in einem rauen Umfeld stärkerer und aggressiver Nachbarn. Heute haben viele Europäer zunehmend das Gefühl, dass auch der Kontinent eine geschlossenere politische Struktur benötigt, um nicht länger nur die Arena zu bleiben, in der andere Akteure ihre Rivalitäten austragen.

Es reicht! Wir wollen nicht zwischen den Supermächten zerrieben werden. Wir wollen nicht in die Kriege anderer Nationen hineingezogen werden. Wir wollen vertrauenswürdig, friedlich,  aber verteidigungsbereit, respektiert und politisch souverän sein.

Dieser Satz ist noch nicht Europas bürgerliches Credo. Wir können uns jedoch Bedingungen vorstellen, unter denen es dazu kommen könnte.

Die Vision: Europa als Föderation von Kantonen

Nehmen wir daher die scherzhafte Hypothese vom 1. April für einen Moment ernst. Stellen wir uns vor, die Völker Europas kämen zu dem Schluss, dass die bestehende Kombination aus nationaler Zersplitterung und supranationaler Technokratie unzureichend sei. Sie entschieden sich stattdessen für eine radikal föderale, basisdemokratische Neugründung.

In dieser Vision dezentralisieren sich die heutigen Staaten intern und formieren sich extern neu. Deutsche und österreichische Bundesländer, französische Départements, italienische Regionen, spanische autonome Gemeinschaften und vergleichbare Gebietskörperschaften auf dem gesamten Kontinent würden zu den effektiven Bausteinen einer neuen europäischen Föderation. Europa würde seine Regionen nicht abschaffen, sondern sie aufwerten 15.

Die daraus resultierende Ordnung würde nicht zu zentralisierten Imperium werden. Sie würde eher einer kontinentalen Schweiz ähneln:

  • ein gemeinsamer Rahmen für Außen- und Verteidigungspolitik,
  • eine weitaus stärkere lokale Autonomie,
  • verfassungsmäßige Mehrsprachigkeit,
  • Subsidiarität als Leitprinzip statt als Schlagwort,
  • sowie Instrumente der direkten Demokratie für wichtige strategische Fragen.

Utopisch? Gewiss. Aber vielleicht nicht utopischer, als es die Schweiz einst war.

Einwände – und warum sie ernst genommen werden müssen

Das vorgestellte Modell ist nicht gegen allerlei Einwände immun: Europa ist weitaus größer als die Schweiz. Seine Geschichte ist von Kriegen, imperialen Ansprüchen und nationalen Gedächtnissen belastet. Seine soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten ist größer. Externe Verpflichtungen, Bündnisse und institutionelle Unterschiede sind weitaus vielfältiger. Diese Einwände sind berechtigt und lassen sich nicht schlicht ignorieren 16.

Das Ziel eines ernsthaften politischen Essays ist es jedoch nicht, Machbarkeit mit Bedeutung zu verwechseln. Es geht nicht darum, zu fordern, dass Europa sich buchstäblich „der Schweiz anschließen“ möge - auch wenn das der effektivste Weg wäre. Wir sollten uns vielmehr fragen, ob die schweizerische Verfassungslogik – Föderalismus, Neutralität, lokale Legitimität und Einheit in Vielfalt – Lehren birgt, die Europa noch nicht ausreichend verinnerlicht hat.

Ein Aprilscherz mit strategischem Ziel

Große politische Umwälzungen beginnen oft mit intellektuellen Provokationen. Sie beginnen mit Fragen, die töricht klingen, weil sie die emotionalen Gewohnheiten ihrer Zeit in Frage stellen. Die Schweiz selbst war einst eine Utopie, ein unwahrscheinlicher Zusammenschluss kleiner, alpiner Gemeinden. Auch die Europäische Union wäre einst als Fantasie abgetan worden.

Was wäre, wenn ganz Europa der Schweiz beiträte?“ ist daher mehr als ein Aprilscherz. Es ist eine bewusste Provokation. Sie regt uns dazu an, uns zu fragen, ob die Zukunft Europas weniger von der Zielvorstellung abhängt, ein Superstaat zu werden, als vielmehr davon, eine auf wechselseitigem Vertrauen basierende Föderation selbstbewusster Völker – demokratisch, international respektiert, friedlich, verteidigungsbereit und strategisch autonom. Europa muss weder ein neues Rom noch eine Kopie Amerikas werden. Es sollte stattdessen einfach schweizerischer werden - und das ziemlich bald.

Endnoten

  1. Die einleitende Darstellung stützt sich auf gängige Erklärungen des schweizerischen Föderalismus und der Konsensdemokratie, insbesondere auf Linders Interpretation der Schweiz als eines Gemeinwesens, das durch institutionelle Gestaltung tiefgreifende kulturelle Vielfalt bewältigen kann.
  2. Zur umfassenderen verfassungsrechtlichen und historischen Besonderheit des schweizerischen Falls siehe den prägnanten historischen Überblick von Church und Head.
  3. Für den konzeptionellen Hintergrund von Nation und politischer Gemeinschaft bleibt Andersons Theorie der „imaginierten Gemeinschaften“ grundlegend.
  4. Die Bundesurkunde von 1291 wird gemeinhin als symbolischer Ausgangspunkt der Schweizerischen Eidgenossenschaft angesehen, auch wenn Historiker zu Recht auf die Komplexität der frühen Staatsbildung in der Schweiz hinweisen.
  5. Die strategische Bedeutung des Alpentransits, insbesondere der Gotthardroute, ist ein immer wiederkehrendes Thema in Darstellungen über die Anfänge des Schweizer Zusammenhalts. 
  6. Church und Head betonen den pragmatischen, auf Bündnissen basierenden und oft zufälligen Charakter der Schweizer Anfänge; Mythos und historischer Prozess müssen sorgfältig unterschieden werden. 
  7. Lijpharts Arbeiten zur Konsensdemokratie tragen dazu bei zu erklären, warum Machtteilung und Kompromissbereitschaft gespaltene Gesellschaften stabilisieren können. 
  8. Die Schweizer Neutralität wurde 1815 auf dem Wiener Kongress von den Großmächten anerkannt und entwickelte sich fortan zu einem prägenden Element der Schweizer Außenpolitik. 
  9. Zu religiösen und sprachlichen Anpassungen in der Schweiz siehe Linders Analyse des Konfliktmanagements in multikulturellen Kontexten. 
  10. Die direkte Demokratie in der Schweiz ist nicht nur eine institutionelle Kuriosität; sie ist von zentraler Bedeutung für die Schaffung von Legitimität und politischem Vertrauen. 
  11. Die napoleonische Intervention, die Helvetische Republik und die Ordnung nach 1815 sind allesamt entscheidende Übergangsphasen in der verfassungsrechtlichen Entwicklung der Schweiz. 
  12. The Constitution of 1848 is widely seen as the decisive founding moment of modern Switzerland as a federal state. 
  13. Die Bedeutung der Schweiz für Europa liegt weniger in der Nachahmung als vielmehr in der Analogie: Verschiedene Völker können einen Staat teilen, wenn die Institutionen genügend Vertrauen genießen. 
  14. Zum Argument, dass die geopolitische Lage Europas eine größere strategische Handlungsfähigkeit und Autonomie erfordert, siehe die aktuellen politischen Debatten rund um die „strategische Autonomie“ sowie die längere intellektuelle Geschichte Europas als eigenständige politische Zivilisation. 
  15. In Italien werden die wichtigsten subnationalen Einheiten als regioni (Regionen) bezeichnet. Der hier vorgestellte konzeptionelle Vorschlag nutzt die bestehenden territorialen Einheiten Europas als Bausteine für eine künftige föderale Ordnung. 
  16. Milwards klassische Interpretation ist eine heilsame Korrektur: Die europäische Integration hat die Nationalstaaten historisch gesehen ebenso gestärkt, wie sie über sie hinausging. 

Referenzen

Anderson, B. (2006). Imagined communities (Rev. ed.). Verso.

  • Grundlegende Theorie der Nationenbildung und kollektiven Identität. Nützlich für die Frage, ob ein europäisches bürgerliches „Volk“ jenseits bestehender nationaler Narrative entstehen könnte.

Church, C. H., & Head, R. C.(2013).Eine kurze Geschichte der Schweiz. Cambridge University Press.

  • Eine der zuverlässigsten kurzen wissenschaftlichen Darstellungen der Geschichte der Schweiz. Besonders wertvoll für die mittelalterlichen Ursprünge des Landes, seine Entwicklung zum Schweizer Bund und seinen Wandel im Jahr 1848.

Europäischer Rat für Auswärtige Beziehungen. (2021). Strategische Autonomie: Europas Weg nach vorn.

  • Politisch orientierte Quelle für die moderne Debatte über Europas geopolitische Selbstbehauptung, Verteidigungsbereitschaft und verringerte externe Abhängigkeit.

Lijphart, A. (2012). Demokratiemuster: Regierungsformen und ihre Leistungsfähigkeit in 36 Ländern (2. Aufl.). Yale University Press.

  • Klassisches Lehrbuch der vergleichenden Politikwissenschaft. Die Schweiz dient als wichtiges Beispiel für Konsensdemokratie und institutionelle Anpassung in pluralistischen Gesellschaften.

Linder, W. (2010). Schweizer Demokratie: Mögliche Lösungen für Konflikte in multikulturellen Gesellschaften (3. Aufl.). Palgrave Macmillan.

  • Linder stellt einen direkten Zusammenhang zwischen Schweizer Institutionen und der umfassenderen Herausforderung her, diverse Gemeinschaften innerhalb eines Gemeinwesens zu regieren.

Milward, A. S. (2000). Die europäische Rettung des Nationalstaats (2. Aufl.). Routledge.

  • Ein wichtiger Gegenpol. Milward argumentiert, dass die europäische Integration die Nationalstaaten nicht so sehr ersetzt, sondern vielmehr gestärkt und gerettet hat.

Steiner, G.(2004). Die Idee Europas. Nexus Institute.

  • Philosophische und kulturelle Reflexionen über Europas zivilisatorische Identität. Hilfreich für ein tieferes intellektuelles Verständnis.

Schweizer Bundeskanzlei. (2023). Die Schweizerische Eidgenossenschaft: Ein kurzer Leitfaden. Bundesverwaltung.

  • Eine maßgebliche institutionelle Übersicht der Schweizer Bundesbehörden, die als Grundlage für die Diskussion der aktuellen Strukturen im Essay dient.

What if All Europe Joined Switzerland?


A Political Thought Experiment for April 1st

Taking advantage of the ambiguity that this date offers for all manner of news items, jokes and provocations, I would like to set out here a bold but logically compelling utopia.

Hence this essay embraces a daring hypothesis, yet treats it with full seriousness: could Switzerland’s long experience of multilingual federalism, decentralised legitimacy, neutrality, and civic cohesion offer Europe a constitutional and geopolitical model for the future?1

A tricky question calls for an honest answer

On April 1st, one may be forgiven for entertaining the improbable. Yet some improbabilities reveal deeper truths than sober realism allows. What if Europe—fragmented, hesitant, and strategically dependent—were to rediscover itself not through empire, nor through technocratic bureaucratic integration, but through a model already tested at its very heart?2

The proposition sounds absurd on first hearing: not “the United States of Europe,” not a centralised republic, but rather a continental federation inspired by Switzerland. And yet the more one reflects on Europe’s dilemmas of legitimacy, strategic dependency, linguistic plurality, and regional diversity, the less frivolous the thought experiment appears.3

Why Switzerland Was Created: A Confederation Against Power

Switzerland did not begin as an idealistic sermon on tolerance. It began as a survival strategy. In 1291, the forest cantons of Uri, Schwyz, and Unterwalden entered into a defensive pact intended to preserve peace, mutual aid, and legal self-protection in a strategically exposed Alpine region.4 The motive was both political and economic: control over Alpine transit routes, above all the Gotthard corridor, made local autonomy a matter of existential importance.5

Why did this improbable arrangement succeed against formidable dynastic odds, particularly against Habsburg ambitions? Several factors converged. Geography made conquest difficult. Shared threat perception encouraged solidarity. Local elites had every reason to cooperate without surrendering their autonomy. And the confederation was pragmatic: it asked only for what was necessary—mutual support, basic peace, and common defence—not for total fusion.6

  • Defensible mountain terrain favoured the local defenders.
  • Shared external pressure generated durable internal cohesion.
  • Political cooperation remained limited and therefore acceptable.
  • Economic incentives reinforced the will to protect autonomy.

In modern analytical language, Switzerland emerged as a decentralised security compact among small political communities seeking to preserve self-rule under conditions of asymmetrical power.

Why Switzerland Persisted: Neutrality, Balance, and Internal Cohesion

Switzerland’s persistence is perhaps even more remarkable than its birth. Surrounded over the centuries by larger, richer, and often more militarily powerful neighbours, it nevertheless survived, adapted, and ultimately flourished. This endurance rested on three interlocking pillars: neutrality, internal balance, and deep local legitimacy.7

Neutrality, formally recognised in 1815, was not an expression of weakness but a sophisticated survival doctrine. Switzerland signalled that it would not serve as a springboard for great-power conflict, while simultaneously maintaining sufficient military credibility to deter easy coercion.8

At home, Switzerland did not abolish diversity. It institutionalised it. German-, French-, Italian-, and Romansh-speaking populations were not forced into a single homogenising mould. Religious conflict, too, was contained through institutional compromise rather than permanently settled through domination.9 The result was a political culture in which pluralism could be governed without being denied.

Finally, Switzerland developed an unusually strong basis of legitimacy through local self-government and direct democratic participation. Citizens were not merely ruled; they were repeatedly asked to decide. That difference matters.10

Transformation: From Loose Confederation to Federal State

Switzerland’s history is not one of static continuity. It repeatedly changed form. The old confederation of the late medieval and early modern period differed substantially from the federal state created in 1848. Between those moments lay alliance, expansion, confessional conflict, Napoleonic disruption, restoration, and constitutional reinvention.11

The key turning point was 1848. In the aftermath of the Sonderbund War, Switzerland moved from a relatively loose confederation toward a modern federal state with common institutions, while preserving substantial cantonal sovereignty. This balancing act is one of its greatest constitutional achievements: enough unity to act, enough decentralisation to remain legitimate.12

Europe has tried to solve a similar problem. It has sought unity without abolishing diversity, and coordination without extinguishing local identities. Yet Switzerland arguably solved this puzzle with greater elegance, because it tied political order to a much stronger principle of subsidiarity and popular consent.

Why Switzerland Could Be a Model for Europe

Switzerland matters to Europe not because it is large, but because it demonstrates that political unity does not require cultural homogeneity. French, German, Italian, and Romansh communities share a state without pretending to be identical. This is of obvious relevance to Europe, which has often oscillated between two bad options: either mere loose cooperation, or integration that feels too remote from ordinary citizens.13

Swiss ExperiencePossible European Relevance
Multilingual coexistence within one polityEurope need not wait for a single language or uniform culture before deepening political union
Strong cantonal autonomyRegional and local self-government could strengthen legitimacy across Europe
Direct democratic instrumentsCitizens could be drawn more directly into constitutional and strategic questions
Neutrality with defence readinessEurope could imagine strategic autonomy beyond dependency on external great powers

The EU already contains elements of confederal and federal logic, but it often lacks emotional legitimacy and constitutional clarity. Switzerland suggests that durable unity emerges less from administrative layering than from a convincing pact among peoples and places.

Is Europe Approaching a Situation Similar to Early Switzerland?

Here the thought experiment becomes politically sharp. Europe today finds itself squeezed between larger powers and competing geopolitical logics. It is economically formidable, culturally rich, and normatively influential, yet strategically hesitant and militarily dependent.14

This creates a structural parallel—not an identity, but a parallel—to the predicament from which Switzerland originally emerged. Then, small Alpine communities sought safety and autonomy in a harsh world of stronger neighbours. Today, many Europeans may increasingly feel that the continent, too, requires a more cohesive political form if it is not to remain merely the arena in which others pursue their rivalries.

Enough is enough. We do not want to be squeezed between the superpowers. We do not want to be pushed into other nation’s wars. We want to be peaceful, trusted, defence-ready, and politically sovereign.

That sentence is not yet Europe’s civic credo. But one can imagine conditions under which it might become one.

The Vision: Europe as a Federation of Cantons

Let us therefore take the April 1st hypothesis seriously for a moment. Imagine that Europe’s peoples conclude that the existing combination of national fragmentation and supranational technocracy is insufficient. They decide instead on a radically federal, bottom-up refoundation.

In this vision, today’s states devolve internally and recompose externally. German Bundesländer, Austrian Bundesländer, French départements, Italian regioni, Spanish autonomous communities, and comparable territorial units across the continent become the effective building blocks of a new European confederation.15 Europe would not abolish its regions; it would elevate them.

The resulting order would not resemble a centralised empire. It would resemble a continental Switzerland:

  • a common external and defence framework,
  • far stronger local autonomy,
  • constitutional multilingualism,
  • subsidiarity as an operative principle rather than a slogan,
  • and direct democratic instruments for major strategic questions.

Utopian? Certainly. But perhaps no more utopian than Switzerland once was.

Objections—and Why They Must Be Taken Seriously

The model is vulnerable to strong objections. Europe is vastly larger than Switzerland. Its histories of war, empire, and national memory weigh heavier. Its social and economic disparities are wider. External commitments, alliances, and institutional path dependencies are far more complex. These objections are real and cannot be waved aside.16

Yet the purpose of a serious political essay is not to confuse feasibility with significance. The point is not to predict that Europe will literally “join Switzerland” -  although this might be the most effective way. The point is to ask whether the Swiss constitutional logic—federalism, neutrality, local legitimacy, and unity through diversity—contains lessons that Europe has still not fully absorbed.

Finally: An April Fool’s Joke with Strategic Intent

Great political transformations often begin as intellectual impossibilities. They start as questions that sound foolish because they challenge the emotional habits of their age. Switzerland itself was once an improbable arrangement of alpine communities. The European Union, too, would once have been dismissed as fantasy.

What if all Europe joined Switzerland?” is therefore not merely a joke for April 1st. It is a disciplined provocation. It invites us to ask whether Europe’s future might depend less on becoming a superstate, and more on becoming a trusted federation of self-respecting peoples - peaceful, democratic, defence-ready, and strategically autonomous.

In that sense, the essay’s true argument is simple: Europe may not need to become a new Rome, nor a copy of America. It may need, instead, to become more Swiss.

Endnotes

  1. The introductory framing draws on standard accounts of Swiss federalism and consensus democracy, especially Linder’s interpretation of Switzerland as a polity capable of managing deep cultural diversity through institutional design. 
  2. On the broader constitutional and historical distinctiveness of the Swiss case, see Church and Head’s concise historical overview. 
  3. For the conceptual background on nationhood and political community, Anderson’s theory of “imagined communities” remains foundational. 
  4. The 1291 Federal Charter is commonly treated as the symbolic starting point of the Swiss Confederation, though historians rightly stress the complexity of early Swiss state formation. 
  5. The strategic significance of Alpine transit, especially the Gotthard route, is a recurring theme in accounts of early Swiss cohesion. 
  6. Church and Head emphasise the pragmatic, alliance-based, and often contingent nature of Swiss beginnings; myth and historical process must be carefully distinguished. 
  7. Lijphart’s work on consensus democracy helps explain why power-sharing and accommodation can stabilise divided societies. 
  8. Swiss neutrality was recognised by the major powers at the Congress of Vienna in 1815 and became a defining element of Swiss external posture thereafter. 
  9. On religious and linguistic accommodation in Switzerland, see Linder’s analysis of conflict management in multicultural settings. 
  10. Direct democracy in Switzerland is not merely an institutional curiosity; it is central to the production of legitimacy and political trust. 
  11. Napoleonic intervention, the Helvetic Republic, and the post-1815 settlement are all crucial transitional stages in Swiss constitutional development. 
  12. The Constitution of 1848 is widely seen as the decisive founding moment of modern Switzerland as a federal state. 
  13. Switzerland’s relevance to Europe lies less in imitation than in analogy: multiple peoples can share a state if institutions command sufficient trust. 
  14. For the argument that Europe’s geopolitical position requires greater strategic capacity and autonomy, see current policy debates around “strategic autonomy,” as well as the longer intellectual history of Europe as a distinct political civilisation. 
  15. In Italy, the principal subnational units are called regioni (regions). The speculative proposal here uses Europe’s existing territorial units as the building blocks of a future confederal order. 
  16. Milward’s classic interpretation is a salutary corrective: European integration historically strengthened nation-states as much as it transcended them. 

References

Anderson, B. (2006). Imagined communities (Rev. ed.). Verso.

  • Foundational theory of nation-building and collective identity. Useful for asking whether a European civic “people” could emerge beyond existing national narratives.

Church, C. H., & Head, R. C. (2013). A concise history of Switzerland. Cambridge University Press.

  • One of the most reliable short academic histories of Switzerland. Particularly valuable for the country’s medieval origins, confederal development, and transformation in 1848.

European Council on Foreign Relations. (2021). Strategic autonomy: Europe’s path forward.

  • Policy-oriented source for the modern debate on Europe’s geopolitical self-assertion, defence readiness, and reduced external dependency.

Lijphart, A. (2012). Patterns of democracy: Government forms and performance in thirty-six countries (2nd ed.). Yale University Press.

  • Classic comparative political science text. Switzerland serves as a major case for consensus democracy and institutional accommodation in plural societies.

Linder, W. (2010). Swiss democracy: Possible solutions to conflict in multicultural societies (3rd ed.). Palgrave Macmillan.

  • It directly connects Swiss institutions to the broader challenge of governing diverse communities within one polity.

Milward, A. S. (2000). The European rescue of the nation-state (2nd ed.). Routledge.

  • Essential counterpoint. Milward argues that European integration did not replace nation-states so much as reinforce and rescue them.

Steiner, G. (2004). The idea of Europe. Nexus Institute.

  • Philosophical and cultural reflection on Europe’s civilisational identity. Helpful for  a deeper intellectual understanding.

Swiss Federal Chancellery. (2023). The Swiss Confederation: A brief guide. Federal Administration.

  • Authoritative institutional overview from the Swiss federal authorities, useful for grounding the discussion of present-day structures.

2026-03-18

Über den Iran – Eine Betrachtung mit persönlichen Elementen

Der Iden des März gilt als der Tag, an dem Julius Caesar im Jahr 44 v. Chr. ermordet wurde. Caesar wurde während einer Senatssitzung erstochen. Laut Plutarch [1]hatte ein Seher vorhergesagt, dass Caesar am Iden des März Unheil widerfahren würde.

Noch bevor das verhängnisvolle Datum in diesem Jahr erreicht war, haben uns nicht weniger schicksalhafte Ereignisse heimgesucht. Ohne einen Seher zu bemühen zu müssen, waren die Zeichen an der Wand schon lange eine deutliche Warnung für alle, die nicht völlig blind waren. Diese katastrophalen Ereignisse, deren Epizentrum der Iran ist, haben sich seit langem angebahnt.

In seinen Memoiren schildert der pensionierte US-General Wesley Clark ein Gespräch [2],das seinen Angaben zufolge Ende 2001 im Pentagon stattfand. Ein höherer Offizier zeigte ihm ein Memo, in dem eine Strategie für “Regime Change Operationen” in sieben Ländern über einen Zeitraum von fünf Jahren skizziert wurde – beginnend mit dem Irak und fortgesetzt mit Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und schließlich dem Iran. Clark selbst kritisierte später den Irakkrieg und die gesamte interventionistische Strategie.

1 Die Iran-Falken

Die Liste der Iran-Hardliner ist jedoch länger und zieht sich wie Stacheldraht durch die US-Politik der letzten Jahrzehnte: 1990 → 2001 → 2003 → 2018 → heute.

Die offizielle US-Politik schwankte immer wieder zwischen Sanktionen, Zwangsmaßnahmen und Verhandlungen. Doch eine hartnäckige, kriegerische Gruppierung versuchte immer wieder, den Iran nicht als Verhandlungspartner, sondern als ein Regime darzustellen, das es zu zerschlagen, zu ersetzen oder nachhaltig zu schwächen gelte.

Einige der einflussreichsten Iran-Falken und ihre Rolle:

  • Lindsey Graham: Graham repräsentiert seit Langem den Hardliner-Flügel im US- Senat. In jüngsten offiziellen und öffentlichen Äußerungen plädierte er für eine Konfrontation mit dem iranischen Regime, betonte die Notwendigkeit, notfalls mit Gewalt einzugreifen. Er setzte seine eskalierende Rhetorik über die Zukunft Irans in den Jahren 2025–2026 fort. Damit ist er weniger ein technokratischer Verfechter von Sanktionen als vielmehr ein politischer Akteur, der auf erzwungene Eskalation setzt [3].
  • John Bolton: Bolton ist wohl das deutlichste zeitgenössische Beispiel eines erklärten Iran-Hardliners. Er hat wiederholt argumentiert, dass der Sturz des iranischen Regimes der effektivste Weg sei, die von ihm ausgehende Bedrohung zu beseitigen, und wird seit langem eher mit der Befürwortung eines Regimewechsels als mit Rüstungskontroll- oder Entspannungsansätzen in Verbindung gebracht [4].
  • Mike Pompeo: Pompeos Rolle war eine andere. Als Außenminister machte er maximalen Druck zur operativen Doktrin und nutzte Sanktionen und diplomatische Isolation als Instrumente extremen Zwangs. Ob dies einem erklärten Regimewechsel gleichkam, ist umstritten, doch seine Politik stärkte das Lager der Hardliner erheblich, indem sie umfassenden Druck auf den Iran zur normalen Washingtoner Grundhaltung machte [5].
  • Tom Cotton: Cotton gehört dem Flügel im Kongress an, der konsequent eine deutlich härtere Linie gegenüber dem Iran vertritt und weithin mit Sanktionen, Abschreckung und der Bereitschaft zu militärischen Optionen in Verbindung gebracht wird. Innerhalb des Netzwerks der Iran-Hardliner besteht seine Rolle darin, die im Kongress geforderte Linie politisch präsent zu halten und deren Abschwächung zu erschweren [6].
  • Benjamin Netanjahu, der nicht zu den klassischen Iran-Hardlinern zählt,ist – wie Analysten vielfach diskutieren – wohl der wichtigste Einflussfaktor der US-Außenpolitik. Er argumentiert seit Langem, dass Irans Atomprogramm eine existenzielle Bedrohung für Israel darstelle und fordert ein entschiedenes Vorgehen, um es zu stoppen. (Israels eigenes, zwar geheimes, aber dennoch wohlbekanntes Atomwaffenprogramm wurde hingegen als völlig gerechtfertigt angesehen.) Damit übte er einen beinahe magischen Einfluss auf die US-Entscheidungsträger aus. Israelische Lobbyarbeit spielte eine entscheidende Rolle dabei, die Vereinigten Staaten in Richtung Konfrontation zu drängen.

Die Falken hatten Erfolg, das grausame Spiel ist eröffnet. So wird der siebte Lauf des großen amerikanischen Fleischwolfs die Zerstörung des Nahen Ostens, wie wir ihn kannten, endgültig besiegeln – allerdings nur als Zwischenstopp auf dem Weg zu noch viel größeren und ambitioniertere Zielen.

2 Persien – Eine persönliche Beziehung

Man schrieb das Jahr 1970. Im hoffnungsvollen Alter von 18 Jahren, voller jugendlichem Optimismus, mit kaum zu zügelndem Wissensdrang und viel naiver Energie, war ich gerade aus der behüteten Welt des Gymnasiums entlassen worden.

Ich beschloss eine große Reise in den "Orient" zu unternehmen, über den ich so viel gelesen hatte. Da ich wider alle Erwartungen die Abiturprüfung mit einem recht passablen Ergebnis abgeschlossen hatte, bekam ich von meinen Eltern als Anerkennung einen 10 Jahre alten VW-Bus geschenkt.

Den baute ich mir zum Expeditionsfahrzeug um, versah seine Stirn mit den mit Hilfe von Klebebuchstaben mit dem Schriftzug "Hamburg - Kathmandu", gewann meine Freunde Bernd und Kurt für das große Abenteuer und fragte meine Freundin Regina, ob sie Lust auf eine kleine Reise nach Nepal hätte. Regina musste erst den Atlas konsultieren, hat dann, von Ängsten gepeinigt, die ganze Nacht lang geweint und am nächsten Morgen schließlich "Ja" gesagt.

Ich erinnere mich noch gut an den Augenblick als wir nach langen Tag- und Nacht-Fahrten die Grenze zum Iran passierten - wir betraten eine neue, eine andere Welt.

Das war spürbar.

Auf der langen Reise durch das, seit dem Völkermord an den Armeniern um 1919 verwüstete, Ost-Anatolien hatten die großen, blauen Straßenschilder mit der Aufschrift "Iran Hududu" am Rand der großen anatolischen Fernstraße im 10-km-Rythmus in uns die Hoffnung genährt, dass der unerwartete Unterricht im Slalom-Fahren um die vielfältigen Schlaglöcher möglicherweise bald sein Ende finden würde.

Und in der Tat, es war eine Offenbarung. Zwar waren die Iraner, anders als die eher bodenständigen Bewohner auf der türkischen Seite der Grenze, schon immer gut darin gewesen eine große Show zu veranstalten. Dennoch spürten wir intuitiv, dass da mehr war: der Hauch einer großen, Jahrtausende alten Kultur, deren staatliche Kraft mehrfach gebrochen und geschunden wurde, deren prägende Kultur aber alle Demütigungen von Ost und West überlebt hatte.

Dieses große Land empfing uns mit seinen weiten Tälern der Hochebene an deren Grunde, schon über weite Entfernungen hin sichtbare, opulent hell erleuchtete Städte lagen. Links und rechts der hier noch perfekten Highways lagen Dörfer aus verstreuten Lehmbauten, unter Pappeln als Charakterbaum geduckt, zwischen denen Nebelschwaden poetische Bilder zeichneten.

Unsere euphorische Grundstimmung fanden wir bald erwidert von der erwartungsvollen Offenheit und der unglaublichen Gastfreundschaft der Bevölkerung. Poesie lag nicht nur über dem Landschaftsbild. Wir haben gesehen, wie sich am Nachmittag Familien um das Radio versammelten, um den dort vorgetragenen Gedichten zu lauschen, an denen die persische Kultur so reich ist.

Diesen Schatz wollte ich mir erschließen. So habe ich Monate später, nach meiner Rückkehr nach Deutschland, das Studium der Iranistik als zweiten Hauptstudiengang neben der Chemie aufgenommen. Ich hatte das große Glück im kleinen Kreis von dem renommierten Shanameh-Experten Professor Djalal Khaleghi-Motlagh [7], einer lebenden Legende, unterrichtet zu werden. Wenig überraschend war das Ergebnis meiner Arbeiten schließlich das erste Deutsch-Persische Wörterbuch des alten Neu-Persisch basierend auf dem Glossar von Fritz-Wolff. Das Ergebnis ist online und hier (Horst Walthers Deutsch-Persisches Wörterbuch) [8] einzusehen.

Danach hat mich dieses faszinierende Land nicht mehr losgelassen. Auch weniger erfolgreiche Unternehmungen wie “Die große Rödelei[9] (The Great Boondoggle) haben ihre literarischen Spuren hinterlassen.

Mein letzter Besuch im Iran war 1979, in dem Jahr, als Schah Reza Pahlavi gestürzt wurde und Ayatollah Khomeini seine blutige Revolution begann.

Für freie Verpflegung und ein kleines Handgeld hatte ich in dreieinhalb Tagen einen nagelneuen BMW in abenteuerlicher Fahrt noch knapp vor dem festgelegten Termin, dem Nowruz-Fest, nach Tehran gefahren und war nun mit Bahn und Bus auf den Spuren der Zoroastrier im Land unterwegs.

Eine typische vorrevolutionäre Stimmung war überall im Land und durch sehr unterschiedliche Gesellschaftsschichten spürbar. Ich fühlte mich wiederholt an eine Situation von vor etwa 200 Jahren in Frankreich erinnert. Jede Person, mit der ich sprach – oder besser gesagt, die mit mir sprach, war aus einem anderen Grund und mit anderen Erwartungen für einen großem Umbruch.

Da war ein Muslim-Bruder aus Täbris, der bei Unruhen einen Verwandten verloren hatte, ein desertierter Rekrut, der wieder zu seinen Eltern nach Hause wollte und ein Kaufmann, dem die verbreitete Korruption das Leben schwer machte – die Liste ließe sich fortsetzen.

Erst später erfuhr ich, dass dies kein Zufall war, sondern ein wiederkehrendes Muster von Revolutionen.

Als junger Mann war ich fasziniert von der ungewöhnlichen Kombination aus fast unwirklicher Schönheit, Intelligenz, Selbstbewusstsein und Wissen der iranischen Frauen und Mädchen – und ein wenig frech waren sie auch.

Mit dem Ende der Nowruz-Feiertage am Sisda (dem 13.) musste ich zurück nach Teheran – alle anderen Feiertagsausflügler aber auch. Keine Chance, ein Ticket zu bekommen. Zum Glück war Trampen damals üblich – aber anders als bei uns. Normalerweise zahlte man, wenn man mitgenommen wurde, den üblichen Preis für ein Busfahrt. Dafür musste man aber auch nicht lange warten. So kam es, dass mich zwei Jetpiloten der iranischen Armee am Straßenrand in Shiraz auflasen. Es war eine ruhige und sachliche Angelegenheit mit diesen beiden pragmatischen Typen. Doch als unsere lockeren Gespräche auf die persische Poesie kamen, veränderte sich die Atmosphäre schlagartig. Es war, als hätte ich ihre sensible Seele berührt, die sich hinter ihrer professionellen Fassade verbarg. War von Fahrpreis die Rede gewesen? Nein, daran konnte sich niemand erinnern. Und da ihre Reise in Isfahan endete, vollbrachten sie noch das Wunder, mir ein Busticket nach Teheran zu besorgen. Natürlich luden sie mich unterwegs auch zum Essen ein.

3 Der Revolutionen unerbittliches Muster

Ähnliche Eindrücke, wie ich sie hatte, spiegeln die zentralen Erkenntnisse dreier Denker – zwei aus der Zeit der Französischen Revolution und ein zeitgenössischer –sie wider …

  • Revolutionen entstehen aus vielen zusammenwirkenden Ursachen und Missständen” (Edmund Burke 1790) [10],

  • Politische Allianzen entstehen oft eher durch gemeinsame Opposition als durch gemeinsame Ziele.” (Alexis de Tocqueville, 1856) [11]oder

  • Die Revolution war eine Koalition von Gruppen, die unterschiedliche Zukunftsvorstellungen hatten” (François Furet, 1978) [12]

Die Beweggründe waren völlig unterschiedlich, daher war kein harmonisches Ergebnis zu erwarten.

Eine bemerkenswert ähnliche, bekannte Formulierung stammt von Ervand Abrahamian, einem bedeutenden Historiker der iranischen Revolution: “Die Revolution brachte Gruppen mit sehr unterschiedlichen Ideologien und Erwartungen zusammen.[13]

Und genau das geschah. Und genau deshalb konnte es, wie bei den meisten Revolutionen, auch nicht gut enden.

Das allgemeine historische Muster sieht wie folgt aus:

  1. Viele Gruppen vereinen sich gegen ein Regime.

  2. Das Regime stürzt.

  3. Die Koalition zerfällt, weil jede Fraktion eine andere Revolution erwartet hat.

Historiker bezeichnen dieses Phänomen mitunter als “Dynamik revolutionärer Koalitionen”. Dieses Muster zeigte sich nicht nur in Frankreich und im Iran, sondern auch in der Russischen Revolution (1917) und der Ägyptischen Revolution von 2011. Über die gemeinsamen Muster von Revolutionen ließe sich noch viel mehr sagen. Es gibt dazu aufschlussreiche Forschungsergebnisse. Daher verdient dieses Thema einen eigenen Beitrag – aber später.

Und es sieht so aus, als könnte sich die Geschichte wiederholen. Erneut sind große Teile der iranischen Gesellschaft – aus gutem Grund, aber wieder mit sehr unterschiedlichen Erwartungen – äußerst unzufrieden mit ihrer repressiven Regierung. Die Erinnerung an die Operation Ajax ist fast zwangsläufig. Damals handelte es sich um eine von der CIA und Großbritannien geführte Operation, die am 19. August 1953 den demokratisch gewählten Premierminister Mohammad Mossadegh stürzte.

Ausgelöst durch Mossadeghs Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie, stellte der Staatsstreich die Macht des Schah Mohammad Reza Pahlavi wieder her und festigte die westliche Kontrolle über das iranische Öl. Der tiefe Unmut über die missachtete Iranische Souveränität, trug schließlich wesentlich zur Islamischen Revolution von 1979 bei.

4 Wird sich die Geschichte wiederholen?

Tatsächlich wird der Sohn des damaligen Schahs Reza Pahlavi von interessierten Kreisen als neuer Führer eines wiedereroberten Irans gehandelt. Diesmal würde er von CIA und Mossad eingesetzt, allerdings vermutlich erst nach der vollständigen Zerstörung dessen, was wir als Iran kennen. Nach 73 Jahren würde damit ein Superzyklus zu Ende gehen – und das Leid des iranischen Volkes unter neuer Führung weitergehen.

Und das wäre noch nicht einmal das schlimmste Szenario. Wie die Beispiele Somalia, Libyen, Irak und Syrien zeigen, könnte die Lage weitaus düsterer sein.

Libyen, das unter Muammar al-Gaddafi einen hohen Lebensstandard genoss, wo sich Frauen frei und gleichberechtigt bewegen konnten und wo das gesellschaftliche Leben (solange man nicht in Opposition zur Regierung stand) sicher und wirtschaftlich abgesichert war, ist heute ganz klar ein gescheiterter Staat, der von Warlords regiert wird und in dem Migranten, die die gefahrvolle Reise durch die Sahara überlebt haben, wegen ihrer Organe geschlachtet werden.

Irak und Syrien, die ihren Bürgern – ähnlich wie Libyen – einen hohen Lebensstandard mit Gleichberechtigung von Frauen und Männern garantieren konnten, sind in die dunkelsten Zeiten des Mittelalters zurückgefallen, geprägt von religiösem Sektierertum und einem niedrigen zivilisatorischen Niveau. Der Irak entging nur knapp einer Übernahme durch den sogenannten “Islamischen Staat”. Die hinterlassenen Narben werden wohl nie verheilen. Syrien, das nun von der Türkei kontrolliert wird, wurde de facto vom Islamischen Staat eingenommen. Damit scheint das Schicksal von 40 % der Bevölkerung: Alawiten, Kurden, Drusen und Christen besiegelt.

Nein, ich wage keine Prognose. Doch es dürfte klar sein, dass sich die Situation im Iran heute in vielerlei Hinsicht von der im Jahr 1953 unterscheidet. Die iranische Gesellschaft ist politisch tief gespalten, und das Vertrauen in die staatlichen Institutionen und untereinander hat erheblich nachgelassen.

Und es herrscht Krieg.

Es ist eine uralte, traurige Wahrheit: In Kriegszeiten steht das Volk geeint “wie ein Mann” hinter seiner Führung. Innenpolitische Differenzen werden bis nach dem Krieg aufgeschoben. Damit lässt sich gut, von Skandalen und schlechter Führungsleistung ablenken. Das gilt in diesem Fall für alle drei Hauptkriegsparteien: Israel, die USA und Iran.

5 Ein neuer Verrat bahnt sich an

Da der von den USA so dringend ersehnte “Regimewechsel” auf diesem Wege offensichtlich nicht zu erreichen ist, ruft Donald Trump nun die Kurden des Iran und des Irak auf, die US-Bemühungen im Iran zu unterstützen und bietet ihnen Hilfe an.

Abgesehen davon, dass es wie ein Akt der Verzweiflung klingt, wäre es kollektiver Selbstmord. Die Kurden in ihrer Region Rojava in Syrien haben gerade erst am eigenen Leib erfahren, wie solche Aktionen enden. Nachdem die Kurden ihre “Pflicht erfüllt” hatten, wurden sie der Türkei ausgeliefert, dem berüchtigten Schlächter der Kurden, Armenier und Griechen im eigenen Land.

Genau dieses Szenario dürfte sich nun wiederholen. Recep Tayyip Erdoğan hat vermutlich bereits von Donald Trump freie Hand erhalten, die Kurden im Iran zu unterwerfen und gleichzeitig einen Großteil des Landes seinem Reich einzuverleiben. Sein treuer Verbündeter in Aserbaidschan wartet schon länger darauf, die gleichnamige iranische Provinz zu integrieren. Das so entstehende Großreich der Turkvölker könnte dann endlich die Vision Mehmets II  von vor fast 600 Jahren verwirklichen: die islamische Eroberung Roms.

6 Zynismus und Heuchelei auf ihrem Höhepunkt

Ich habe die Illusionen, die die Islamische Revolution von 1979 befeuerten, selbst beobachten können. Und ich muss mich jetzt daran erinnern, wenn ich die Ausbrüche von Jubel und die Euphorie in Aufnahmen von Exil-Iranern im sicheren Ausland oder sogar im Iran sehe, wenngleich viele Zweifel an ihrer Echtheit bestehen.

Wieder einmal werden die Erwartungen bitter enttäuscht werden. Es ist keine “Hilfe unterwegs”, wie der “Friedenspräsident” [14]so großspurig versprochen hatte. Das war nichts als purer, menschenverachtender Zynismus.

Stattdessen fegen die vier apokalyptischen Reiter durch das Land – und vielleicht auch darüber hinaus – und bringen Verwüstung, Krieg, Hunger und Tod.

Niemand befreit ein Volk, indem er sein Land zerstört. Dem Welt-Hegemon geht es noch nicht einmal vorranging um den Iran, geschweige denn um dessen geschundenes Volk. Sein Ziel ist es, die aufstrebende Weltmacht China zu nieder zu ringen – und von innenpolitischen Streitigkeiten (wie den Epstein-Papieren) abzulenken.

Genau wie damals, als der Ruf ertönte: “Der Schah ist gestürzt”, so steht uns jetzt, nach “Khamenei ist tot”, das Schlimmste noch bevor.

Das nächste Kapitel der iranischen Geschichte wird jedoch nicht allein von ausländischen Mächten, dem Klerus oder der Protestbewegung geschrieben werden. Es wird aus dem Zusammenwirken all dieser Kräfte – interner und externer, historischer und unmittelbarer Art– hervorgehen”, kommentierte Mahjoob Zweiri, Akademiker und leitender politischer Analyst mit Spezialisierung auf Iran und Nahostpolitik.[15]

Mein verehrter Mentor, Professor Khaleghi-Motlagh, nutzte oft die Metapher des Qanats, jener historischen unterirdischen Wasserleitungen, um die persische Kultur zu beschreiben: ein verborgener, unterirdischer Strom uralter Weisheit, der in einer kargen Landschaft das Leben erhält und gelegentlich in Form eines Meisterwerks wie dem Shahnameh an die Oberfläche tritt. Vielleicht wird – wider alle Wahrscheinlichkeit - nach Jahrhunderten der Demütigung eine neue Zukunft für die iranischen Völker aus diesem verborgenen Untergrund emporsteigen.


[1] Plutarch, Parallelbiografien, Caesar 63

[2] Clark, WK (2003). Die Kunst, moderne Kriege zu gewinnen: Irak, Terrorismus und das amerikanische Imperium. New York: PublicAffairs.

  • In seinen Memoiren schildert der pensionierte US-General Wesley Clark ein Gespräch, das seinen Angaben zufolge Ende 2001, kurz nach den Anschlägen vom 11. September, im Pentagon stattfand. Laut Clark zeigte ihm ein höherer Offizier ein Memo, in dem eine Strategie für “Regimewechseloperationen” in sieben Ländern über einen Zeitraum von fünf Jahren skizziert wurde – beginnend mit dem Irak und fortgesetzt mit Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und schließlich dem Iran. Clark präsentiert diese Anekdote als Beleg für das strategische Denken, das in Teilen des US-Verteidigungsapparats in der Anfangsphase des “Kriegs gegen den Terror” vorherrschte, obwohl er selbst später den Irakkrieg und die gesamte interventionistische Strategie kritisierte.

[3] Graham, L. (2025). Rede im Senat zur Iran-Politik. US-Senat.

  • Senator Graham hat wiederholt argumentiert, dass dauerhafte Stabilität im Nahen Osten eine Konfrontation mit dem iranischen Regime und die Verhinderung seiner regionalen Vorherrschaft erfordere. In Reden vor dem Kongress und in Medienauftritten sprach er sich für harte Sanktionen, mögliche Militäraktionen und die Unterstützung Israels im Kampf gegen den Iran aus. Kommentatoren bezeichnen Graham häufig als einen der prominentesten Iran-Hardliner im Kongress.

[4] Bolton, JR (2015). Um Irans Bombe zu stoppen, muss man Iran bombardieren. The New York Times.

  • In diesem viel diskutierten Meinungsbeitrag argumentierte Bolton, Diplomatie und Sanktionen reichten nicht aus, um Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern, und schlug vor, Militärschläge gegen iranische Atomanlagen ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Bolton befürwortet seit Langem eine Strategie, die auf die Schwächung oder den Sturz des iranischen Regimes abzielt, und Analysten führen ihn oft als das deutlichste Beispiel eines Washingtoner Politikers an, der sich für einen Regimewechsel im Iran einsetzt.

[5] Pompeo, M. (2018). Nach dem Abkommen: Eine neue Iran-Strategie. US-Außenministerium.

  • Als US-Außenminister formulierte Pompeo die Politik des “maximalen Drucks” der Trump-Regierung gegenüber dem Iran, die umfassende Wirtschaftssanktionen und diplomatische Isolation beinhaltete. Obwohl er erklärte, das offizielle Ziel sei eine Verhaltensänderung des Irans und nicht der Sturz der Regierung, argumentieren viele Analysten, dass die Strategie außerordentlichen Druck auf das Regime ausübte und die politische Position der Hardliner, die einen Regimewechsel befürworten, stärkte.

[6] Cotton, T. (2015). Brief an die Führung der Islamischen Republik Iran. US-Senat.

  • Cotton erlangte in der Iran-Debatte Bekanntheit durch einen umstrittenen offenen Brief, in dem er warnte, dass jedes Atomabkommen mit den Vereinigten Staaten von einer zukünftigen Regierung rückgängig gemacht werden könnte. Seine öffentlichen Positionen betonen strikte Sanktionen, militärische Abschreckung und Skepsis gegenüber diplomatischen Gesprächen mit Teheran.

[7] Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut. (2025, 4. Dezember).Porträt eines Gelehrten: Djalal Khaleghi-Motlagh. Universität Hamburg.

  • Porträt eines Gelehrten: Djalal Khaleghi-Motlagh

  • Diese Ankündigung des Asien-Afrika-Instituts der Universität Hamburg präsentiert eine Gedenkveranstaltung zu Ehren des iranischen Gelehrten Djalal Khaleghi-Motlagh, der für seine kritische wissenschaftliche Edition des persischen Epos Šāhnāmabekannt ist. Im Rahmen der Veranstaltung wird ein Dokumentarfilm über sein Leben und seine Forschung uraufgeführt. Die Seite hebt Khaleghi-Motlaghs Beitrag zur persischen Literaturwissenschaft hervor und verdeutlicht das anhaltende akademische Interesse an Iranistik an deutschen Universitäten.

[8] Walther, Horst,(2003), persönliche Website, Horst Walthers Shahnameh Dictionary

  • Horst Walthers Shahnameh(شاهنامِه)-Wörterbuch

  • Auf ausdrückliche Ermunterung von Prof. Khaleghi-Motlagh erstellte ich 1975 dieses invertierte Glossar von Fritz Wolff. Fritz Wolff (1880–1943) war ein deutscher Shahnameh-Experte jüdischer Herkunft. Sein Werk, invertiert in deutsch-persischer Sortierung, sollte als Grundlage für ein deutsch-persisches Wörterbuch dienen. Hier wird es nun mit rund 25 Jahren Verspätung veröffentlicht. Es handelt sich um eine Rohfassung mit 21.937 Einträgen.

[9] Walther, Horst,(2003), persönliche Website, Die große Rödelei – Tagebuch einer missratenen Iran – Fahrt

  • Die Große Rödelei

  • Wie kam es eigentlich zu diesem Werk? Nun, immer wenn ich von einer längeren Reise zurückkam, wurde ich mit derselben unvermeidlichen Frage konfrontiert: “Na, wie war’s?” und dann: “Es muss a toll gewesen sein, erzähl uns davon!” In gewisser Weise war es das wahrscheinlich auch, und so erzählte ich und erzählte, zeigte Fotos und Souvenirs und erzählte noch mehr. Doch dann, mittendrin, gerade als ich die prägendsten Erlebnisse beschrieben hatte, wurde mir klar, dass ich über deren heutige Wirkung gesprochen hatte, nicht darüber, was mich eigentlich dort vor Ort tatgsächlich bewegt hatte. Was konnte man dagegen tun? Man müsste – man müsste unterwegs, ja, man musste einfach dort, direkt vor Ort, und alles, was einem auf dem Herzen lag, direkt in die Schreibmaschine tippen. Und genau das haben wir getan.

[10] Edmund Burke. (1790). Betrachtungen über die Revolution in Frankreich. London: J. Dodsley.

  • In seiner einflussreichen Kritik an der frühen Französischen Revolution argumentiert Burke, dass Revolutionen selten von einer einheitlichen Ideologie oder einem einzigen sozialen Interesse getrieben werden. Vielmehr entstehen sie aus dem Zusammenwirken vielfältiger Missstände und Bestrebungen verschiedener Gruppen. Seine Analyse verdeutlicht, wie sich reformorientierte Adlige, bürgerliche Politiker, Bauern, die sich feudalen Verpflichtungen widersetzten, und von wirtschaftlicher Not getriebene städtische Massen vorübergehend zur Unterstützung des revolutionären Umbruchs verbünden konnten. Burke nutzt diese Beobachtung, um zu warnen, dass solche Koalitionen von Natur aus instabil sind, da ihre Teilnehmer grundlegend unterschiedliche Ergebnisse von der Revolution erwarten.

[11] Tocqueville, A. de. (1896/1851). Erinnerungen (Souvenirs). London: Macmillan.

  • In seinen Memoiren über das revolutionäre und nachrevolutionäre politische Klima Frankreichs stellt Tocqueville fest, dass politische Bündnisse oft nicht aus gemeinsamen positiven Zielen, sondern aus der gemeinsamen Gegnerschaft zu einem gemeinsamen Feind entstehen. Diese Erkenntnis trägt dazu bei, zu erklären, wie sich sehr unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen – Adelige, bürgerliche Reformer, Bauern und städtische Radikale – trotz grundverschiedener Erwartungen an den Ausgang der Französischen Revolution vorübergehend hinter ihr vereinen konnten.

[12] François Furet. (1978). Penser la Révolution française [Interpretation der Französischen Revolution]. Paris: Gallimard. (Englische Übersetzung: Cambridge University Press, 1981).

  • In dieser wegweisenden Neuinterpretation der Französischen Revolution argumentiert Furet, dass die revolutionäre Bewegung anfänglich Akteure mit divergierenden politischen Erwartungen und sozialen Interessen vereinte. Anstatt eines einheitlichen revolutionären Projekts fungierte die Revolution als breite politische Koalition, deren Teilnehmer – bürgerliche Reformer, radikale Demokraten, Bauern und städtische Aktivisten – jeweils ihre eigene Zukunftsvision in den revolutionären Prozess einbrachten. Laut Furet erklären diese unvereinbaren Erwartungen die rasche Fragmentierung der revolutionären Politik und die Eskalation der Konflikte in den 1790er Jahren.

[13] Ervand Abrahamian. (1982). Iran zwischen zwei Revolutionen. Princeton University Press.

  • Abrahamian zeigt, dass die iranische Revolution anfänglich eine breite Anti-Schah-Koalition war, bestehend aus religiösen Netzwerken, säkularen Intellektuellen, marxistischen Organisationen, Studenten und Basarhändlern. Jede dieser Gruppen interpretierte die revolutionäre Bewegung anders und erwartete Ergebnisse, die von islamischer Herrschaft über sozialistische Transformation bis hin zu liberaler Demokratie reichten. Diese Vielfalt an Erwartungen erklärt die unmittelbaren, politischen Auseinandersetzungen, die dem Sturz des Schahs folgten.

[14] The New York Times. (28. Februar 2026). Trump, der selbsternannte “Friedenspräsident”, zieht in den Krieg, um einen Regimewechsel herbeizuführen. The New York Times.

  • https://www.nytimes.com/2026/02/28/us/politics/trump-peace-president-war.html

  • Diese Analyse untersucht den scheinbaren Widerspruch zwischen Donald Trumps langjährigem politischen Image als “Friedenspräsident” – eines Präsidenten, der die Beendigung internationaler Konflikte versprach – und seiner Entscheidung, im Februar 2026 größere Militäroperationen gegen den Iran einzuleiten. Der Artikel verortet diesen Konflikt im Kontext von Trumps umfassenderer außenpolitischer Strategie, einschließlich seiner früheren Behauptungen, er habe mehrere internationale Streitigkeiten beigelegt und verdiene Anerkennung als Friedensstifter. Er beleuchtet die politischen, strategischen und rhetorischen Spannungen zwischen den Antikriegsversprechen im Wahlkampf und der Realität des US-Militäreinsatzes im Nahen Osten. Der Beitrag dient als wichtige journalistische Quelle zur Dokumentation der aktuellen Debatten über die US-Außenpolitik und die Kriegsbefugnisse des Präsidenten im Jahr 2026, insbesondere im Kontext der eskalierenden Spannungen mit dem Iran.

15] Zweiri, M.(14. März 2026). Der iranische Moment: Ein Sprung ins Ungewisse. Al Jazeera.

  • https://www.aljazeera.com/opinions/2026/3/14/the-iranian-moment-a-leap-into-the-unknown

  • In diesem Meinungsbeitrag analysiert der Politikwissenschaftler Mahjoob Zweiri die historische und geopolitische Bedeutung der aktuellen Krise im Iran. Er argumentiert, dass sich das Land möglicherweise einem dritten tiefgreifenden politischen Umbruch seiner modernen Geschichte nähert. Er stellt frühere Phasen der iranischen Staatsentwicklung – wie die Pahlavi-Monarchie und die Islamische Republik – den Unsicherheiten gegenüber, die durch den aktuellen regionalen Konflikt und den internen Druck entstehen. Der Artikel verortet diese Entwicklungen in breiteren Debatten über staatliche Identität, regionale Machtdynamiken und Irans sich wandelndes Verhältnis zur internationalen Ordnung. Als Expertenkommentar in der Meinungsrubrik von Al Jazeera bietet der Beitrag eine interpretative Analyse anstelle einer neutralen Berichterstattung, liefert aber wertvolle Einblicke in die Perspektiven des Nahen Ostens auf die sich zuspitzende Krise.

2026-03-16

On Iran - A contemplation with personal elements

The Iden of March is known as the date on which Julius Caesar was assassinated in 44 BC. Caesar was stabbed to death at a meeting of the Senate. According to Plutarch [1], a seer had warned that harm would come to Caesar on the Ides of March.

Not even waiting for the ominous date, no less fateful events have befallen us. Without needing a seer, the writings on the wall had long been a stark warning to all who were not totally blind. These cataclysmic events, that are currently unfolding with Iran in the epi centre, were long time in the making.

In his memoir, retired U.S. Army General Wesley Clark recounts a conversation [2] he says occurred at the Pentagon in late 2001, when a senior officer showed him a memo outlining a proposed strategy of ”regime change operations” in seven countries over five years - starting with Iraq and continuing with Syria, Lebanon, Libya, Somalia, Sudan, and finally Iran. Clark himself later criticized the Iraq War and the broader interventionist strategy.

1 The Iran hawks

The list of Iran hawks, however, is longer and runs like barbed wire through US politics over the past few decades: 1990 → 2001 → 2003 → 2018 → today.

Formal U.S. policy has often oscillated between containment, coercion, and negotiation. But a persistent hawkish current has repeatedly tried to reframe Iran not as a state to bargain with, but as a regime to break, replace, or fatally weaken.

A few central Iran hawks and their role:

  • Lindsey Graham: Graham has long represented the senatorial hard-line camp. In recent official and public statements, he has argued for confronting the Iranian regime, stressed stopping it by force if needed, and in 2025–2026 continued to use highly escalatory rhetoric about Iran’s future. That makes him less a technocratic sanctions advocate than a political entrepreneur of coercive escalation [3].

  • John Bolton: Bolton is probably the clearest contemporary example of an explicit Iran hawk. He has repeatedly argued that toppling the Iranian regime is the most effective way to remove the threat it poses and has long been associated with regime-change advocacy rather than arms-control or détente approaches [4].

  • Mike Pompeo: Pompeo’s role was different. As Secretary of State, he made maximum pressure the operative doctrine, using sanctions and diplomatic isolation as instruments of extreme coercion. Whether that amounted to declared regime change is debated, but his policy architecture materially strengthened the hawkish camp by making comprehensive pressure on Iran the normal Washington baseline [5].

  • Tom Cotton: Cotton belongs to the congressional wing that consistently argues for a much harder line on Iran and is widely identified with sanctions, deterrence, and a willingness to support military options. In the ecosystem of Iran hawks, his role is to keep the congressional pressure line politically salient and difficult to moderate [6].

  • Not one of the "classic" Iran hawks Benjamin Netanyahu is, as widely discussed by analysts, probably the main influencer of US foreign politics. He has long argued that Iran’s nuclear program represents an existential threat to Israel and has advocated decisive action to stop it. (Israels own clandestine yet well-known nuclear weapon program in contrast was considered as completely justified.) Hereby he exerted an almost magical influence on US decision makers. Israeli lobbying played a decisive role in pushing the United States toward confrontation.

The hawks succeeded, the game is on. So, the 7th run of the great American Meat grinder will eventually finalise the destruction of the middle east as we knew it – however only as a stepping stone for much greater and even more desperate ambitions.

2 Persia – A personal relationship

I need to explain here, why my personal background prevents me from a cool eyed analysis of the current situation – although necessary.

The year was 1970. At the hopeful age of 18, brimming with youthful optimism, an almost uncontrollable thirst for knowledge, and a great deal of naive energy, I had just graduated from the sheltered world of high school.

I decided to embark on a grand journey to the "Orient," about which I had read so much. Since, against all odds, I had passed my final exams with a quite respectable result, my parents gave me a 10-year-old VW bus as a gift.

I converted it into an expedition vehicle, adorned its front with the words "Hamburg - Kathmandu" using adhesive letters, convinced my friends Bernd and Kurt to join me on this great adventure, and asked my girlfriend Regina if she'd like to take a short trip to Nepal. Regina first had to consult an atlas, then, tormented by anxieties, cried all night, and finally said "Yes" the next morning.

I still vividly remember the moment we crossed the border into Iran after long days and nights of driving – we were looking at a new, different world. It was palpable. During the long journey through eastern Anatolia, devastated since the Armenian Genocide of 1919, the large, blue road signs bearing the inscription "Iran Hududu" (Iran border) along the major Anatolian highway, spaced every 10 kilometres, had given us hope that our unexpected lessons in slalom driving around the uncounted potholes might soon be coming to an end.

And indeed, it was a revelation. While the Iranians, unlike the more down-to-earth inhabitants on the Turkish side of the border, had always been good at putting on a grand show, we intuitively sensed that there was more to it: the breath of a great, millennia-old culture whose state power had been repeatedly broken and undermined, but whose defining culture had survived all the humiliations inflicted by both East and West.

This vast country welcomed us with its wide valleys of the plateau, at the bottom of which lay opulently illuminated cities, already visible when still several hours of driving afar. To the left and right of the still pristine highways lay villages of scattered mud-brick buildings, huddled among poplars, their characteristic trees, between which wisps of fog painted poetic scenes.

Our initial euphoria was soon reciprocated by the expectant openness and incredible hospitality of the people. Poetry wasn't just reflected in the landscape. We saw families gathering around the radio in the afternoons to listen to the poems being recited, poems of which Persian culture is so rich.

I wanted to unlock this treasure. So, three months later, after returning to Germany, I began studying Iranian Studies as a second major alongside Chemistry. I was incredibly fortunate to be taught in a small group by the renowned Shahnameh expert, Professor Djalal Khaleghi-Motlagh [7], a ”living legend”. Unsurprisingly, the result of my work was the first German-Persian dictionary of Old Persian, based on Fritz Wolff's glossary. The result can be viewed online here [8].

After that, this fascinating country never let me go. Even less successful endeavours like "The Great Boondoggle" ("Die große Rödelei") [9] have left their literary mark. My genuine passion for the richness of the Persian language and its literature open doors. I was invited to Iranian families throughout the country, saw the free and vivid life behind thick sheltering mud walls.

As a young man, I was fascinated by the unusual combination of nearly unreal beauty, intelligence, self-confidence and knowledge of Iranian women and girls - and they were also a little cheeky - back then.

My last visit in Iran was in 1979, the year when Shah Reza Pahlavi was ousted and Ayatollah Khomeini began his bloody revolution.

In exchange for free meals and a small cash payment, I had driven a brand-new BMW to Tehran in an adventurous and not always safe journey over three and a half days, to arrive just before the set deadline, the Nowruz festival, and was now traveling by train and bus in the country following in the footsteps of the Zoroastrians.

With the end of the Nowruz holidays on Sisdah (the 13th) I had to head back to Tehran, as did everyone else. Do no chance to get a ticket. Luckily hitchhiking was common then – but different. Usually when you got a lift, the standard bus fare was charged. In exchange you needn’t wait for long. Hence two jet pilots from the Iranian army picked me up from the roadside in Shiraz. It was a cool sober business with these two no-nonsense guys. But when our casual talks came to Persian poetry the atmosphere completely changed. It was as if I had touched their soft soul hidden under a professional camouflage. Had there been talk of paying a fare? No, no one remembered that. And since their journey ended in Isfahan, they performed the miracle of getting me a bus ticket to Tehran. Of course, they also treated me to meals along the way.

During that time a typical pre-revolutionary atmosphere was palpable throughout the country and across various social classes. However, I was reminded of a situation in France some 200 years ago, as everyone I spoke to – or better, who spoke to me - had different reasons and expectations for a major upheaval. 

There was a Muslim Brotherhood member from Tabriz who had lost a relative in a recent unrest, a deserter recruit who just wanted to return home to his parents, and a merchant whose life was made difficult by widespread corruption, the list goes on. 

Only later did I learn that this was not a coincidence, but a recurring pattern of revolutions.

3 The cruel pattern of revolutions

Like the key insights of three Thinkers, two of the time of the French revolution and one more contemporary, reflect …

  • Revolutions arise from many converging causes and grievances” (Edmund Burke 1790) [10],

  • Political alliances often form through shared opposition rather than shared goals.” (Alexis de Tocqueville, 1856) [11] or

  • The Revolution was a coalition of groups expecting different futures.” (François Furet, 1978) [12]

… motivations were rather diverse and hence no harmonic outcome could have been expected.

A strikingly similar, well-known historian formulation comes from Ervand Abrahamian, a key historian of the Iranian Revolution: ”The revolution brought together groups with very different ideologies and expectations.” [13]

And that's exactly what happened. And that's precisely why, as with most revolutions, it couldn't end well. 

The general historical pattern is like follows:

  1. Many groups unite against a regime.

  2. The regime falls.

  3. The coalition fragments because each faction expected a different revolution.

Historians sometimes call this phenomenon ”revolutionary coalition dynamics.” This pattern appeared not only in France and Iran but also in the Russian Revolution (1917) or the Egyptian Revolution of 2011. Much more can be said about the common patterns of revolutions. There is insightful research available. So, this topic deserves a post on its own - later.

And it looks like history could repeat again. Once again, large segments of Iranian society are, for good reason but with highly diverse expectations, very dissatisfied with their repressive government. The similarities to the Operation Ajax are striking. That was a CIA and British-led operation that overthrew the democratically elected Prime Minister Mohammad Mosaddegh on August 19, 1953.

Prompted by Mossadegh's nationalization of Iran's oil industry, the coup d'état restored full power to Shah Mohammad Reza Pahlavi, solidifying Western control over Iranian oil and fostering deep resentment that contributed to the 1979 Islamic Revolution.

4 Will history repeat?

Indeed, the son of the then-Shah Reza Pahlavi is being touted as the new leader of a re-conquered Iran. This time, he would be installed by the CIA and Mossad, albeit after complete destruction of, what we know as Iran, only. After 73 years, a super cycle would thus come to a close - and the suffering of the Iranian people would continue under new auspices.

And that wouldn't even be the worst-case scenario. As the examples of Somalia, Libya, Iraq, and Syria show, the outlook could be much bleaker.

Libya, which under Muammar al-Gaddafi enjoyed a high standard of living, where women could move about freely and as equals, and where civic life (as long as one wasn't in opposition to the government) was safe and economically secure, is now clearly a failed state ruled by warlords, where migrants who have survived the perilous journey across the Sahara are slaughtered for their organs.

Iraq and Syria, which, like Libya, could guarantee their citizens a high standard of living, where women and men had equal rights, have regressed to the darkest Middle Ages, characterized by religious sectarianism and a low level of civilization. Iraq narrowly escaped a takeover by the so-called "Islamic State". The scars left behind will likely never heal. Syria, now controlled by Turkey, has been de facto taken over by the Islamic State. This has effectively sealed the fate of 40% of the population: Alawites, Kurds, Druze, and Christians.

No, I do not dare to make any prediction. But it should be clear that the situation in Iran today differs in many ways from 1953. The Iranian society is deeply politically divided, and trust in state institutions and among the population has eroded considerably.

And there is a war.

It is an age-old, sad truth: In times of war, the people stand united "as one" behind their leadership. Domestic political differences are postponed until after the war. This serves to distract from scandals and poor leadership performance. This applies in this case to all three main warring parties: Israel, the USA, and Iran.

5 A new betrayal in the making

Since the "regime change" so desperately desired by the US is clearly unattainable in this way, Donald Trump is now calling on the Kurds of Iran and Iraq to support US efforts in Iran and offering them assistance.

Besides, that it sounds like a move of desperation, should they do so, it would be suicide. The Kurds in their region of Rojava in Syria have just experienced first-hand how such actions will end. After the Kurds had "done their duty", they were handed over to Turkey, the notorious butcher of the Kurds, Armenians and Greeks.

This exact scenario would now be likely to repeat itself. Recep Tayyip Erdoğan has probably already received carte blanche from Donald Trump to also clean up the Kurds in Iran and, at the same time, annex a large part of Iran to his empire. His loyal brother in arms in Azerbaijan has been waiting for some time to incorporate the Iranian province of the same name. The resulting great empire of the Turkic peoples would then be able to finally implement Mehmet II's vision from nearly 600 years ago: the Islamic conquest of Rome.

6 Cynicism and hypocrisy at its peak

I experienced first-hand the illusions that fuelled the Islamic Revolution of 1979. And I must remind myself of them now, when I see the jubilant outbursts and euphoria in footages of exiled Iranians in safety abroad or even in Iran, albeit with many question marks regarding their authenticity.

Once again, expectations will be bitterly disappointed. There is no "help on the way," as the "peace president" [14] so grandly promised. That was nothing but pure, contemptuous cynicism.

Instead, the Four Horsemen of the Apocalypse are sweeping through the country - and perhaps beyond—bringing devastation, war, hunger, and death.

No one liberates a people by destroying their country. The global hegemon isn't even concerned about Iran, and certainly not about its tormented people. His aim is to defeat the rising world power China – and to distract from domestic political squabbles (the Epstein Papers).

Just as back then, when the cry went up, "The Shah has been overthrown," now, after "Khamenei is dead," the worst is yet to come.

However, ”Iran’s next chapter will not be written by foreign powers alone, or by the clerical establishment alone, or by the protest movement alone. It will emerge from the collision of all these forces — internal and external, historical and immediate.”, as Mahjoob Zweiri, Academic and senior political analyst specializing in Iran and Middle East Politics, commented. [15]

My esteemed Mentor, Professor Khaleghi-Motlagh, often used the metaphor of the Qanat to describe Persian culture: a hidden, underground stream of ancient wisdom that sustains life in a barren landscape, occasionally surfacing in the form of a masterpiece like the Shahnameh. Maybe – against all odds – after centuries of humiliation a new future for the Iranian peoples will emerge from the hidden underground.


[1] Plutarch, Parallel Lives, Caesar 63

[2] Clark, W. K. (2003). Winning modern wars: Iraq, terrorism, and the American empire. New York: PublicAffairs.

  • In this memoir, retired U.S. Army General Wesley Clark recounts a conversation he says occurred at the Pentagon in late 2001, shortly after the September 11 attacks. According to Clark, a senior officer showed him a memo outlining a proposed strategy of ”regime change operations” in seven countries over five years—starting with Iraq and continuing with Syria, Lebanon, Libya, Somalia, Sudan, and finally Iran. Clark presents the anecdote as evidence of the strategic thinking circulating in parts of the U.S. defence establishment in the early phase of the ”War on Terror,” though he himself later criticized the Iraq War and the broader interventionist strategy.

[3] Graham, L. (2025). Senate floor remarks on Iran policy. U.S. Senate.

  • Senator Graham has repeatedly argued that lasting stability in the Middle East requires confronting the Iranian regime and preventing it from achieving regional dominance. In congressional speeches and media appearances, he has advocated strong sanctions, potential military action, and support for Israel in confronting Iran. Commentators often classify Graham as one of the most prominent congressional ”Iran hawks.”

[4] Bolton, J. R. (2015). To stop Iran’s bomb, bomb Iran. The New York Times.

  • In this widely discussed op-ed, Bolton argued that diplomacy and sanctions were insufficient to prevent Iran from obtaining nuclear weapons and suggested that military strikes against Iranian nuclear facilities should be seriously considered. Bolton has long supported a strategy aimed at weakening or replacing the Iranian regime, and analysts often cite him as the clearest example of a Washington policy figure advocating regime change in Iran.

[5] Pompeo, M. (2018). After the deal: A new Iran strategy. U.S. Department of State.

  • As U.S. Secretary of State, Pompeo articulated the Trump administration’s ”maximum pressure” policy toward Iran, involving comprehensive economic sanctions and diplomatic isolation. While he stated that the official objective was to change Iranian behaviour rather than overthrow the government, many analysts argue that the strategy placed extraordinary pressure on the regime and strengthened the political position of hard-liners advocating regime change.

[6] Cotton, T. (2015). Letter to the leaders of the Islamic Republic of Iran. U.S. Senate.

  • Cotton gained prominence in the Iran debate through a controversial open letter warning that any nuclear agreement with the United States could be reversed by a future administration. His public positions emphasize strict sanctions, military deterrence, and skepticism toward diplomatic engagement with Tehran.

[7] Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut. (2025, December 4). Porträt eines Gelehrten: Djalal Khaleghi-Motlagh. Universität Hamburg.

  • Porträt eines Gelehrten: Djalal Khaleghi‑Motlagh

  • This announcement from the Asia-Africa Institute of the University of Hamburg presents a commemorative event honouring the Iranian scholar Djalal Khaleghi-Motlagh, noted for his critical scholarly edition of the Persian epic Šāhnāma. The event includes the premiere of a documentary film about his life and research. The page highlights Khaleghi-Motlagh’s contribution to Persian literary scholarship and illustrates the continuing academic engagement with Iranian studies within German universities.

[8] Walther, Horst, (2003), personal Web-site, Horst Walthers Shahnameh Dictionary

  • Horst Walthers Shahnameh(شاهنامِه)-dictionary

  • Strongly encouraged by Prof. Khaleghi-Motlagh I created this inverted glossary of Fritz Wolff in 1975. Fritz Wolff (1880-1943) was a German Shahnameh expert with Jewish roots. His opus inverted into a German to Persian sorting was meant to serve as a nucleus for a German to Persian dictionary. Here I it is published with some 25 years delay. It is a raw version with 21,937.

[9] Walther, Horst, (2003), personal Web-site, Die Große Rödelei - Tagebuch einer missratenen Iran – Fahrt

  • Die Große Rödelei

  • How did this work actually come about? Well, whenever I returned from a longer trip, I was confronted with the same inevitable question: "So, how was it?" and then: "It must have been fantastic, tell us about it!" In one of the many different senses of the word, it probably was fantastic, and so I talked and talked, showed pictures and presented souvenirs, and talked some more. But then, somewhere in the middle of it all, just when I had described the most impactful experiences, it struck me that I had been talking about the impact of them, not about what had actually moved me there. What could be done about that? One would have to—one would have to be on the road... yes, one would simply have to be there, right on the spot, typing everything fresh from the heart directly into the typewriter. And that's exactly what we did.

[10] Edmund Burke. (1790). Reflections on the Revolution in France. London: J. Dodsley.

  • In this influential critique of the early French Revolution, Burke argues that revolutions are rarely driven by a unified ideology or a single social interest. Rather, they emerge from the convergence of multiple grievances and aspirations among different groups. His analysis highlights how nobles seeking reform, bourgeois political actors, peasants resisting feudal obligations, and urban crowds motivated by economic distress could temporarily align in support of the revolutionary upheaval. Burke uses this observation to warn that such coalitions are inherently unstable because their participants expect fundamentally different outcomes from the revolution.

[11] Tocqueville, A. de. (1896/1851). Recollections (Souvenirs). London: Macmillan.

  • In his memoirs reflecting on the revolutionary and post-revolutionary political climate of France, Tocqueville observes that political alliances often arise not from common positive goals but from shared opposition to a common enemy. This insight helps explain how very different social groups—nobles, bourgeois reformers, peasants, and urban radicals—could temporarily unite behind the French Revolution despite fundamentally divergent expectations of its outcome.

[12] François Furet. (1978). Penser la Révolution française[Interpreting the French Revolution]. Paris: Gallimard. (English translation: Cambridge University Press, 1981).

  • In this landmark reinterpretation of the French Revolution, Furet argues that the revolutionary movement initially united actors with divergent political expectations and social interests. Rather than a single coherent revolutionary project, the Revolution functioned as a broad political coalition whose participants—bourgeois reformers, radical democrats, peasants, and urban militants—each projected their own vision of the future onto the revolutionary process. According to Furet, these incompatible expectations explain the rapid fragmentation of revolutionary politics and the escalation of conflict during the 1790s.

[13] Ervand Abrahamian. (1982). Iran Between Two Revolutions. Princeton University Press.

  • Abrahamian demonstrates that the Iranian Revolution was initially a broad anti-Shah coalition composed of religious networks, secular intellectuals, Marxist organizations, students, and bazaar merchants. Each group interpreted the revolutionary movement differently, expecting outcomes ranging from Islamic governance to socialist transformation or liberal democracy. This diversity of expectations explains the rapid political struggles that followed the fall of the Shah.

[14] The New York Times. (2026, February 28). Trump, the self-declared ”peace president,” goes to war seeking regime change. The New York Times.

  • https://www.nytimes.com/2026/02/28/us/politics/trump-peace-president-war.html

  • This news analysis examines the apparent contradiction between Donald Trump’s long-standing political branding as a ”peace president”—a leader who promised to end foreign conflicts—and his decision to initiate major military operations against Iran in February 2026. The article situates the conflict within Trump’s broader foreign-policy narrative, including earlier claims that he had ended several international disputes and deserved recognition as a peacemaker. It highlights the political, strategic, and rhetorical tensions between anti-war campaign promises and the realities of U.S. military engagement in the Middle East. The piece is useful as a primary journalistic source documenting contemporary debates about U.S. foreign policy and presidential war powers in 2026, particularly in the context of escalating tensions with Iran.

15] Zweiri, M. (2026, March 14). The Iranian moment: A leap into the unknown. Al Jazeera.

  • https://www.aljazeera.com/opinions/2026/3/14/the-iranian-moment-a-leap-into-the-unknown

  • In this opinion essay, political scientist Mahjoob Zweiri analyses the historical and geopolitical significance of the current crisis in Iran, arguing that the country may be approaching a third transformative political moment in its modern history. He contrasts earlier phases of Iranian state development—such as the Pahlavi monarchy and the Islamic Republic—with the uncertainties generated by the current regional conflict and internal pressures. The article situates these developments within broader debates about state identity, regional power dynamics, and Iran’s evolving relationship with the international order. As an expert commentary published in Al Jazeera’s opinion section, the piece provides interpretive analysis rather than neutral reporting but offers useful insight into Middle Eastern perspectives on the unfolding crisis.