Horst Walther

My near philosophical musings about the world in general its problems and possible ways out.

2026-03-18

Über den Iran – Eine Betrachtung mit persönlichen Elementen

Der Iden des März gilt als der Tag, an dem Julius Caesar im Jahr 44 v. Chr. ermordet wurde. Caesar wurde während einer Senatssitzung erstochen. Laut Plutarch [1]hatte ein Seher vorhergesagt, dass Caesar am Iden des März Unheil widerfahren würde.

Noch bevor das verhängnisvolle Datum in diesem Jahr erreicht war, haben uns nicht weniger schicksalhafte Ereignisse heimgesucht. Ohne einen Seher zu bemühen zu müssen, waren die Zeichen an der Wand schon lange eine deutliche Warnung für alle, die nicht völlig blind waren. Diese katastrophalen Ereignisse, deren Epizentrum der Iran ist, haben sich seit langem angebahnt.

In seinen Memoiren schildert der pensionierte US-General Wesley Clark ein Gespräch [2],das seinen Angaben zufolge Ende 2001 im Pentagon stattfand. Ein höherer Offizier zeigte ihm ein Memo, in dem eine Strategie für “Regime Change Operationen” in sieben Ländern über einen Zeitraum von fünf Jahren skizziert wurde – beginnend mit dem Irak und fortgesetzt mit Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und schließlich dem Iran. Clark selbst kritisierte später den Irakkrieg und die gesamte interventionistische Strategie.

1 Die Iran-Falken

Die Liste der Iran-Hardliner ist jedoch länger und zieht sich wie Stacheldraht durch die US-Politik der letzten Jahrzehnte: 1990 → 2001 → 2003 → 2018 → heute.

Die offizielle US-Politik schwankte immer wieder zwischen Sanktionen, Zwangsmaßnahmen und Verhandlungen. Doch eine hartnäckige, kriegerische Gruppierung versuchte immer wieder, den Iran nicht als Verhandlungspartner, sondern als ein Regime darzustellen, das es zu zerschlagen, zu ersetzen oder nachhaltig zu schwächen gelte.

Einige der einflussreichsten Iran-Falken und ihre Rolle:

  • Lindsey Graham: Graham repräsentiert seit Langem den Hardliner-Flügel im US- Senat. In jüngsten offiziellen und öffentlichen Äußerungen plädierte er für eine Konfrontation mit dem iranischen Regime, betonte die Notwendigkeit, notfalls mit Gewalt einzugreifen. Er setzte seine eskalierende Rhetorik über die Zukunft Irans in den Jahren 2025–2026 fort. Damit ist er weniger ein technokratischer Verfechter von Sanktionen als vielmehr ein politischer Akteur, der auf erzwungene Eskalation setzt [3].
  • John Bolton: Bolton ist wohl das deutlichste zeitgenössische Beispiel eines erklärten Iran-Hardliners. Er hat wiederholt argumentiert, dass der Sturz des iranischen Regimes der effektivste Weg sei, die von ihm ausgehende Bedrohung zu beseitigen, und wird seit langem eher mit der Befürwortung eines Regimewechsels als mit Rüstungskontroll- oder Entspannungsansätzen in Verbindung gebracht [4].
  • Mike Pompeo: Pompeos Rolle war eine andere. Als Außenminister machte er maximalen Druck zur operativen Doktrin und nutzte Sanktionen und diplomatische Isolation als Instrumente extremen Zwangs. Ob dies einem erklärten Regimewechsel gleichkam, ist umstritten, doch seine Politik stärkte das Lager der Hardliner erheblich, indem sie umfassenden Druck auf den Iran zur normalen Washingtoner Grundhaltung machte [5].
  • Tom Cotton: Cotton gehört dem Flügel im Kongress an, der konsequent eine deutlich härtere Linie gegenüber dem Iran vertritt und weithin mit Sanktionen, Abschreckung und der Bereitschaft zu militärischen Optionen in Verbindung gebracht wird. Innerhalb des Netzwerks der Iran-Hardliner besteht seine Rolle darin, die im Kongress geforderte Linie politisch präsent zu halten und deren Abschwächung zu erschweren [6].
  • Benjamin Netanjahu, der nicht zu den klassischen Iran-Hardlinern zählt,ist – wie Analysten vielfach diskutieren – wohl der wichtigste Einflussfaktor der US-Außenpolitik. Er argumentiert seit Langem, dass Irans Atomprogramm eine existenzielle Bedrohung für Israel darstelle und fordert ein entschiedenes Vorgehen, um es zu stoppen. (Israels eigenes, zwar geheimes, aber dennoch wohlbekanntes Atomwaffenprogramm wurde hingegen als völlig gerechtfertigt angesehen.) Damit übte er einen beinahe magischen Einfluss auf die US-Entscheidungsträger aus. Israelische Lobbyarbeit spielte eine entscheidende Rolle dabei, die Vereinigten Staaten in Richtung Konfrontation zu drängen.

Die Falken hatten Erfolg, das grausame Spiel ist eröffnet. So wird der siebte Lauf des großen amerikanischen Fleischwolfs die Zerstörung des Nahen Ostens, wie wir ihn kannten, endgültig besiegeln – allerdings nur als Zwischenstopp auf dem Weg zu noch viel größeren und ambitioniertere Zielen.

2 Persien – Eine persönliche Beziehung

Man schrieb das Jahr 1970. Im hoffnungsvollen Alter von 18 Jahren, voller jugendlichem Optimismus, mit kaum zu zügelndem Wissensdrang und viel naiver Energie, war ich gerade aus der behüteten Welt des Gymnasiums entlassen worden.

Ich beschloss eine große Reise in den "Orient" zu unternehmen, über den ich so viel gelesen hatte. Da ich wider alle Erwartungen die Abiturprüfung mit einem recht passablen Ergebnis abgeschlossen hatte, bekam ich von meinen Eltern als Anerkennung einen 10 Jahre alten VW-Bus geschenkt.

Den baute ich mir zum Expeditionsfahrzeug um, versah seine Stirn mit den mit Hilfe von Klebebuchstaben mit dem Schriftzug "Hamburg - Kathmandu", gewann meine Freunde Bernd und Kurt für das große Abenteuer und fragte meine Freundin Regina, ob sie Lust auf eine kleine Reise nach Nepal hätte. Regina musste erst den Atlas konsultieren, hat dann, von Ängsten gepeinigt, die ganze Nacht lang geweint und am nächsten Morgen schließlich "Ja" gesagt.

Ich erinnere mich noch gut an den Augenblick als wir nach langen Tag- und Nacht-Fahrten die Grenze zum Iran passierten - wir betraten eine neue, eine andere Welt.

Das war spürbar.

Auf der langen Reise durch das, seit dem Völkermord an den Armeniern um 1919 verwüstete, Ost-Anatolien hatten die großen, blauen Straßenschilder mit der Aufschrift "Iran Hududu" am Rand der großen anatolischen Fernstraße im 10-km-Rythmus in uns die Hoffnung genährt, dass der unerwartete Unterricht im Slalom-Fahren um die vielfältigen Schlaglöcher möglicherweise bald sein Ende finden würde.

Und in der Tat, es war eine Offenbarung. Zwar waren die Iraner, anders als die eher bodenständigen Bewohner auf der türkischen Seite der Grenze, schon immer gut darin gewesen eine große Show zu veranstalten. Dennoch spürten wir intuitiv, dass da mehr war: der Hauch einer großen, Jahrtausende alten Kultur, deren staatliche Kraft mehrfach gebrochen und geschunden wurde, deren prägende Kultur aber alle Demütigungen von Ost und West überlebt hatte.

Dieses große Land empfing uns mit seinen weiten Tälern der Hochebene an deren Grunde, schon über weite Entfernungen hin sichtbare, opulent hell erleuchtete Städte lagen. Links und rechts der hier noch perfekten Highways lagen Dörfer aus verstreuten Lehmbauten, unter Pappeln als Charakterbaum geduckt, zwischen denen Nebelschwaden poetische Bilder zeichneten.

Unsere euphorische Grundstimmung fanden wir bald erwidert von der erwartungsvollen Offenheit und der unglaublichen Gastfreundschaft der Bevölkerung. Poesie lag nicht nur über dem Landschaftsbild. Wir haben gesehen, wie sich am Nachmittag Familien um das Radio versammelten, um den dort vorgetragenen Gedichten zu lauschen, an denen die persische Kultur so reich ist.

Diesen Schatz wollte ich mir erschließen. So habe ich Monate später, nach meiner Rückkehr nach Deutschland, das Studium der Iranistik als zweiten Hauptstudiengang neben der Chemie aufgenommen. Ich hatte das große Glück im kleinen Kreis von dem renommierten Shanameh-Experten Professor Djalal Khaleghi-Motlagh [7], einer lebenden Legende, unterrichtet zu werden. Wenig überraschend war das Ergebnis meiner Arbeiten schließlich das erste Deutsch-Persische Wörterbuch des alten Neu-Persisch basierend auf dem Glossar von Fritz-Wolff. Das Ergebnis ist online und hier (Horst Walthers Deutsch-Persisches Wörterbuch) [8] einzusehen.

Danach hat mich dieses faszinierende Land nicht mehr losgelassen. Auch weniger erfolgreiche Unternehmungen wie “Die große Rödelei[9] (The Great Boondoggle) haben ihre literarischen Spuren hinterlassen.

Mein letzter Besuch im Iran war 1979, in dem Jahr, als Schah Reza Pahlavi gestürzt wurde und Ayatollah Khomeini seine blutige Revolution begann.

Für freie Verpflegung und ein kleines Handgeld hatte ich in dreieinhalb Tagen einen nagelneuen BMW in abenteuerlicher Fahrt noch knapp vor dem festgelegten Termin, dem Nowruz-Fest, nach Tehran gefahren und war nun mit Bahn und Bus auf den Spuren der Zoroastrier im Land unterwegs.

Eine typische vorrevolutionäre Stimmung war überall im Land und durch sehr unterschiedliche Gesellschaftsschichten spürbar. Ich fühlte mich wiederholt an eine Situation von vor etwa 200 Jahren in Frankreich erinnert. Jede Person, mit der ich sprach – oder besser gesagt, die mit mir sprach, war aus einem anderen Grund und mit anderen Erwartungen für einen großem Umbruch.

Da war ein Muslim-Bruder aus Täbris, der bei Unruhen einen Verwandten verloren hatte, ein desertierter Rekrut, der wieder zu seinen Eltern nach Hause wollte und ein Kaufmann, dem die verbreitete Korruption das Leben schwer machte – die Liste ließe sich fortsetzen.

Erst später erfuhr ich, dass dies kein Zufall war, sondern ein wiederkehrendes Muster von Revolutionen.

Als junger Mann war ich fasziniert von der ungewöhnlichen Kombination aus fast unwirklicher Schönheit, Intelligenz, Selbstbewusstsein und Wissen der iranischen Frauen und Mädchen – und ein wenig frech waren sie auch.

Mit dem Ende der Nowruz-Feiertage am Sisda (dem 13.) musste ich zurück nach Teheran – alle anderen Feiertagsausflügler aber auch. Keine Chance, ein Ticket zu bekommen. Zum Glück war Trampen damals üblich – aber anders als bei uns. Normalerweise zahlte man, wenn man mitgenommen wurde, den üblichen Preis für ein Busfahrt. Dafür musste man aber auch nicht lange warten. So kam es, dass mich zwei Jetpiloten der iranischen Armee am Straßenrand in Shiraz auflasen. Es war eine ruhige und sachliche Angelegenheit mit diesen beiden pragmatischen Typen. Doch als unsere lockeren Gespräche auf die persische Poesie kamen, veränderte sich die Atmosphäre schlagartig. Es war, als hätte ich ihre sensible Seele berührt, die sich hinter ihrer professionellen Fassade verbarg. War von Fahrpreis die Rede gewesen? Nein, daran konnte sich niemand erinnern. Und da ihre Reise in Isfahan endete, vollbrachten sie noch das Wunder, mir ein Busticket nach Teheran zu besorgen. Natürlich luden sie mich unterwegs auch zum Essen ein.

3 Der Revolutionen unerbittliches Muster

Ähnliche Eindrücke, wie ich sie hatte, spiegeln die zentralen Erkenntnisse dreier Denker – zwei aus der Zeit der Französischen Revolution und ein zeitgenössischer –sie wider …

  • Revolutionen entstehen aus vielen zusammenwirkenden Ursachen und Missständen” (Edmund Burke 1790) [10],

  • Politische Allianzen entstehen oft eher durch gemeinsame Opposition als durch gemeinsame Ziele.” (Alexis de Tocqueville, 1856) [11]oder

  • Die Revolution war eine Koalition von Gruppen, die unterschiedliche Zukunftsvorstellungen hatten” (François Furet, 1978) [12]

Die Beweggründe waren völlig unterschiedlich, daher war kein harmonisches Ergebnis zu erwarten.

Eine bemerkenswert ähnliche, bekannte Formulierung stammt von Ervand Abrahamian, einem bedeutenden Historiker der iranischen Revolution: “Die Revolution brachte Gruppen mit sehr unterschiedlichen Ideologien und Erwartungen zusammen.[13]

Und genau das geschah. Und genau deshalb konnte es, wie bei den meisten Revolutionen, auch nicht gut enden.

Das allgemeine historische Muster sieht wie folgt aus:

  1. Viele Gruppen vereinen sich gegen ein Regime.

  2. Das Regime stürzt.

  3. Die Koalition zerfällt, weil jede Fraktion eine andere Revolution erwartet hat.

Historiker bezeichnen dieses Phänomen mitunter als “Dynamik revolutionärer Koalitionen”. Dieses Muster zeigte sich nicht nur in Frankreich und im Iran, sondern auch in der Russischen Revolution (1917) und der Ägyptischen Revolution von 2011. Über die gemeinsamen Muster von Revolutionen ließe sich noch viel mehr sagen. Es gibt dazu aufschlussreiche Forschungsergebnisse. Daher verdient dieses Thema einen eigenen Beitrag – aber später.

Und es sieht so aus, als könnte sich die Geschichte wiederholen. Erneut sind große Teile der iranischen Gesellschaft – aus gutem Grund, aber wieder mit sehr unterschiedlichen Erwartungen – äußerst unzufrieden mit ihrer repressiven Regierung. Die Erinnerung an die Operation Ajax ist fast zwangsläufig. Damals handelte es sich um eine von der CIA und Großbritannien geführte Operation, die am 19. August 1953 den demokratisch gewählten Premierminister Mohammad Mossadegh stürzte.

Ausgelöst durch Mossadeghs Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie, stellte der Staatsstreich die Macht des Schah Mohammad Reza Pahlavi wieder her und festigte die westliche Kontrolle über das iranische Öl. Der tiefe Unmut über die missachtete Iranische Souveränität, trug schließlich wesentlich zur Islamischen Revolution von 1979 bei.

4 Wird sich die Geschichte wiederholen?

Tatsächlich wird der Sohn des damaligen Schahs Reza Pahlavi von interessierten Kreisen als neuer Führer eines wiedereroberten Irans gehandelt. Diesmal würde er von CIA und Mossad eingesetzt, allerdings vermutlich erst nach der vollständigen Zerstörung dessen, was wir als Iran kennen. Nach 73 Jahren würde damit ein Superzyklus zu Ende gehen – und das Leid des iranischen Volkes unter neuer Führung weitergehen.

Und das wäre noch nicht einmal das schlimmste Szenario. Wie die Beispiele Somalia, Libyen, Irak und Syrien zeigen, könnte die Lage weitaus düsterer sein.

Libyen, das unter Muammar al-Gaddafi einen hohen Lebensstandard genoss, wo sich Frauen frei und gleichberechtigt bewegen konnten und wo das gesellschaftliche Leben (solange man nicht in Opposition zur Regierung stand) sicher und wirtschaftlich abgesichert war, ist heute ganz klar ein gescheiterter Staat, der von Warlords regiert wird und in dem Migranten, die die gefahrvolle Reise durch die Sahara überlebt haben, wegen ihrer Organe geschlachtet werden.

Irak und Syrien, die ihren Bürgern – ähnlich wie Libyen – einen hohen Lebensstandard mit Gleichberechtigung von Frauen und Männern garantieren konnten, sind in die dunkelsten Zeiten des Mittelalters zurückgefallen, geprägt von religiösem Sektierertum und einem niedrigen zivilisatorischen Niveau. Der Irak entging nur knapp einer Übernahme durch den sogenannten “Islamischen Staat”. Die hinterlassenen Narben werden wohl nie verheilen. Syrien, das nun von der Türkei kontrolliert wird, wurde de facto vom Islamischen Staat eingenommen. Damit scheint das Schicksal von 40 % der Bevölkerung: Alawiten, Kurden, Drusen und Christen besiegelt.

Nein, ich wage keine Prognose. Doch es dürfte klar sein, dass sich die Situation im Iran heute in vielerlei Hinsicht von der im Jahr 1953 unterscheidet. Die iranische Gesellschaft ist politisch tief gespalten, und das Vertrauen in die staatlichen Institutionen und untereinander hat erheblich nachgelassen.

Und es herrscht Krieg.

Es ist eine uralte, traurige Wahrheit: In Kriegszeiten steht das Volk geeint “wie ein Mann” hinter seiner Führung. Innenpolitische Differenzen werden bis nach dem Krieg aufgeschoben. Damit lässt sich gut, von Skandalen und schlechter Führungsleistung ablenken. Das gilt in diesem Fall für alle drei Hauptkriegsparteien: Israel, die USA und Iran.

5 Ein neuer Verrat bahnt sich an

Da der von den USA so dringend ersehnte “Regimewechsel” auf diesem Wege offensichtlich nicht zu erreichen ist, ruft Donald Trump nun die Kurden des Iran und des Irak auf, die US-Bemühungen im Iran zu unterstützen und bietet ihnen Hilfe an.

Abgesehen davon, dass es wie ein Akt der Verzweiflung klingt, wäre es kollektiver Selbstmord. Die Kurden in ihrer Region Rojava in Syrien haben gerade erst am eigenen Leib erfahren, wie solche Aktionen enden. Nachdem die Kurden ihre “Pflicht erfüllt” hatten, wurden sie der Türkei ausgeliefert, dem berüchtigten Schlächter der Kurden, Armenier und Griechen im eigenen Land.

Genau dieses Szenario dürfte sich nun wiederholen. Recep Tayyip Erdoğan hat vermutlich bereits von Donald Trump freie Hand erhalten, die Kurden im Iran zu unterwerfen und gleichzeitig einen Großteil des Landes seinem Reich einzuverleiben. Sein treuer Verbündeter in Aserbaidschan wartet schon länger darauf, die gleichnamige iranische Provinz zu integrieren. Das so entstehende Großreich der Turkvölker könnte dann endlich die Vision Mehmets II  von vor fast 600 Jahren verwirklichen: die islamische Eroberung Roms.

6 Zynismus und Heuchelei auf ihrem Höhepunkt

Ich habe die Illusionen, die die Islamische Revolution von 1979 befeuerten, selbst beobachten können. Und ich muss mich jetzt daran erinnern, wenn ich die Ausbrüche von Jubel und die Euphorie in Aufnahmen von Exil-Iranern im sicheren Ausland oder sogar im Iran sehe, wenngleich viele Zweifel an ihrer Echtheit bestehen.

Wieder einmal werden die Erwartungen bitter enttäuscht werden. Es ist keine “Hilfe unterwegs”, wie der “Friedenspräsident” [14]so großspurig versprochen hatte. Das war nichts als purer, menschenverachtender Zynismus.

Stattdessen fegen die vier apokalyptischen Reiter durch das Land – und vielleicht auch darüber hinaus – und bringen Verwüstung, Krieg, Hunger und Tod.

Niemand befreit ein Volk, indem er sein Land zerstört. Dem Welt-Hegemon geht es noch nicht einmal vorranging um den Iran, geschweige denn um dessen geschundenes Volk. Sein Ziel ist es, die aufstrebende Weltmacht China zu nieder zu ringen – und von innenpolitischen Streitigkeiten (wie den Epstein-Papieren) abzulenken.

Genau wie damals, als der Ruf ertönte: “Der Schah ist gestürzt”, so steht uns jetzt, nach “Khamenei ist tot”, das Schlimmste noch bevor.

Das nächste Kapitel der iranischen Geschichte wird jedoch nicht allein von ausländischen Mächten, dem Klerus oder der Protestbewegung geschrieben werden. Es wird aus dem Zusammenwirken all dieser Kräfte – interner und externer, historischer und unmittelbarer Art– hervorgehen”, kommentierte Mahjoob Zweiri, Akademiker und leitender politischer Analyst mit Spezialisierung auf Iran und Nahostpolitik.[15]

Mein verehrter Mentor, Professor Khaleghi-Motlagh, nutzte oft die Metapher des Qanats, jener historischen unterirdischen Wasserleitungen, um die persische Kultur zu beschreiben: ein verborgener, unterirdischer Strom uralter Weisheit, der in einer kargen Landschaft das Leben erhält und gelegentlich in Form eines Meisterwerks wie dem Shahnameh an die Oberfläche tritt. Vielleicht wird – wider alle Wahrscheinlichkeit - nach Jahrhunderten der Demütigung eine neue Zukunft für die iranischen Völker aus diesem verborgenen Untergrund emporsteigen.


[1] Plutarch, Parallelbiografien, Caesar 63

[2] Clark, WK (2003). Die Kunst, moderne Kriege zu gewinnen: Irak, Terrorismus und das amerikanische Imperium. New York: PublicAffairs.

  • In seinen Memoiren schildert der pensionierte US-General Wesley Clark ein Gespräch, das seinen Angaben zufolge Ende 2001, kurz nach den Anschlägen vom 11. September, im Pentagon stattfand. Laut Clark zeigte ihm ein höherer Offizier ein Memo, in dem eine Strategie für “Regimewechseloperationen” in sieben Ländern über einen Zeitraum von fünf Jahren skizziert wurde – beginnend mit dem Irak und fortgesetzt mit Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und schließlich dem Iran. Clark präsentiert diese Anekdote als Beleg für das strategische Denken, das in Teilen des US-Verteidigungsapparats in der Anfangsphase des “Kriegs gegen den Terror” vorherrschte, obwohl er selbst später den Irakkrieg und die gesamte interventionistische Strategie kritisierte.

[3] Graham, L. (2025). Rede im Senat zur Iran-Politik. US-Senat.

  • Senator Graham hat wiederholt argumentiert, dass dauerhafte Stabilität im Nahen Osten eine Konfrontation mit dem iranischen Regime und die Verhinderung seiner regionalen Vorherrschaft erfordere. In Reden vor dem Kongress und in Medienauftritten sprach er sich für harte Sanktionen, mögliche Militäraktionen und die Unterstützung Israels im Kampf gegen den Iran aus. Kommentatoren bezeichnen Graham häufig als einen der prominentesten Iran-Hardliner im Kongress.

[4] Bolton, JR (2015). Um Irans Bombe zu stoppen, muss man Iran bombardieren. The New York Times.

  • In diesem viel diskutierten Meinungsbeitrag argumentierte Bolton, Diplomatie und Sanktionen reichten nicht aus, um Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern, und schlug vor, Militärschläge gegen iranische Atomanlagen ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Bolton befürwortet seit Langem eine Strategie, die auf die Schwächung oder den Sturz des iranischen Regimes abzielt, und Analysten führen ihn oft als das deutlichste Beispiel eines Washingtoner Politikers an, der sich für einen Regimewechsel im Iran einsetzt.

[5] Pompeo, M. (2018). Nach dem Abkommen: Eine neue Iran-Strategie. US-Außenministerium.

  • Als US-Außenminister formulierte Pompeo die Politik des “maximalen Drucks” der Trump-Regierung gegenüber dem Iran, die umfassende Wirtschaftssanktionen und diplomatische Isolation beinhaltete. Obwohl er erklärte, das offizielle Ziel sei eine Verhaltensänderung des Irans und nicht der Sturz der Regierung, argumentieren viele Analysten, dass die Strategie außerordentlichen Druck auf das Regime ausübte und die politische Position der Hardliner, die einen Regimewechsel befürworten, stärkte.

[6] Cotton, T. (2015). Brief an die Führung der Islamischen Republik Iran. US-Senat.

  • Cotton erlangte in der Iran-Debatte Bekanntheit durch einen umstrittenen offenen Brief, in dem er warnte, dass jedes Atomabkommen mit den Vereinigten Staaten von einer zukünftigen Regierung rückgängig gemacht werden könnte. Seine öffentlichen Positionen betonen strikte Sanktionen, militärische Abschreckung und Skepsis gegenüber diplomatischen Gesprächen mit Teheran.

[7] Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut. (2025, 4. Dezember).Porträt eines Gelehrten: Djalal Khaleghi-Motlagh. Universität Hamburg.

  • Porträt eines Gelehrten: Djalal Khaleghi-Motlagh

  • Diese Ankündigung des Asien-Afrika-Instituts der Universität Hamburg präsentiert eine Gedenkveranstaltung zu Ehren des iranischen Gelehrten Djalal Khaleghi-Motlagh, der für seine kritische wissenschaftliche Edition des persischen Epos Šāhnāmabekannt ist. Im Rahmen der Veranstaltung wird ein Dokumentarfilm über sein Leben und seine Forschung uraufgeführt. Die Seite hebt Khaleghi-Motlaghs Beitrag zur persischen Literaturwissenschaft hervor und verdeutlicht das anhaltende akademische Interesse an Iranistik an deutschen Universitäten.

[8] Walther, Horst,(2003), persönliche Website, Horst Walthers Shahnameh Dictionary

  • Horst Walthers Shahnameh(شاهنامِه)-Wörterbuch

  • Auf ausdrückliche Ermunterung von Prof. Khaleghi-Motlagh erstellte ich 1975 dieses invertierte Glossar von Fritz Wolff. Fritz Wolff (1880–1943) war ein deutscher Shahnameh-Experte jüdischer Herkunft. Sein Werk, invertiert in deutsch-persischer Sortierung, sollte als Grundlage für ein deutsch-persisches Wörterbuch dienen. Hier wird es nun mit rund 25 Jahren Verspätung veröffentlicht. Es handelt sich um eine Rohfassung mit 21.937 Einträgen.

[9] Walther, Horst,(2003), persönliche Website, Die große Rödelei – Tagebuch einer missratenen Iran – Fahrt

  • Die Große Rödelei

  • Wie kam es eigentlich zu diesem Werk? Nun, immer wenn ich von einer längeren Reise zurückkam, wurde ich mit derselben unvermeidlichen Frage konfrontiert: “Na, wie war’s?” und dann: “Es muss a toll gewesen sein, erzähl uns davon!” In gewisser Weise war es das wahrscheinlich auch, und so erzählte ich und erzählte, zeigte Fotos und Souvenirs und erzählte noch mehr. Doch dann, mittendrin, gerade als ich die prägendsten Erlebnisse beschrieben hatte, wurde mir klar, dass ich über deren heutige Wirkung gesprochen hatte, nicht darüber, was mich eigentlich dort vor Ort tatgsächlich bewegt hatte. Was konnte man dagegen tun? Man müsste – man müsste unterwegs, ja, man musste einfach dort, direkt vor Ort, und alles, was einem auf dem Herzen lag, direkt in die Schreibmaschine tippen. Und genau das haben wir getan.

[10] Edmund Burke. (1790). Betrachtungen über die Revolution in Frankreich. London: J. Dodsley.

  • In seiner einflussreichen Kritik an der frühen Französischen Revolution argumentiert Burke, dass Revolutionen selten von einer einheitlichen Ideologie oder einem einzigen sozialen Interesse getrieben werden. Vielmehr entstehen sie aus dem Zusammenwirken vielfältiger Missstände und Bestrebungen verschiedener Gruppen. Seine Analyse verdeutlicht, wie sich reformorientierte Adlige, bürgerliche Politiker, Bauern, die sich feudalen Verpflichtungen widersetzten, und von wirtschaftlicher Not getriebene städtische Massen vorübergehend zur Unterstützung des revolutionären Umbruchs verbünden konnten. Burke nutzt diese Beobachtung, um zu warnen, dass solche Koalitionen von Natur aus instabil sind, da ihre Teilnehmer grundlegend unterschiedliche Ergebnisse von der Revolution erwarten.

[11] Tocqueville, A. de. (1896/1851). Erinnerungen (Souvenirs). London: Macmillan.

  • In seinen Memoiren über das revolutionäre und nachrevolutionäre politische Klima Frankreichs stellt Tocqueville fest, dass politische Bündnisse oft nicht aus gemeinsamen positiven Zielen, sondern aus der gemeinsamen Gegnerschaft zu einem gemeinsamen Feind entstehen. Diese Erkenntnis trägt dazu bei, zu erklären, wie sich sehr unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen – Adelige, bürgerliche Reformer, Bauern und städtische Radikale – trotz grundverschiedener Erwartungen an den Ausgang der Französischen Revolution vorübergehend hinter ihr vereinen konnten.

[12] François Furet. (1978). Penser la Révolution française [Interpretation der Französischen Revolution]. Paris: Gallimard. (Englische Übersetzung: Cambridge University Press, 1981).

  • In dieser wegweisenden Neuinterpretation der Französischen Revolution argumentiert Furet, dass die revolutionäre Bewegung anfänglich Akteure mit divergierenden politischen Erwartungen und sozialen Interessen vereinte. Anstatt eines einheitlichen revolutionären Projekts fungierte die Revolution als breite politische Koalition, deren Teilnehmer – bürgerliche Reformer, radikale Demokraten, Bauern und städtische Aktivisten – jeweils ihre eigene Zukunftsvision in den revolutionären Prozess einbrachten. Laut Furet erklären diese unvereinbaren Erwartungen die rasche Fragmentierung der revolutionären Politik und die Eskalation der Konflikte in den 1790er Jahren.

[13] Ervand Abrahamian. (1982). Iran zwischen zwei Revolutionen. Princeton University Press.

  • Abrahamian zeigt, dass die iranische Revolution anfänglich eine breite Anti-Schah-Koalition war, bestehend aus religiösen Netzwerken, säkularen Intellektuellen, marxistischen Organisationen, Studenten und Basarhändlern. Jede dieser Gruppen interpretierte die revolutionäre Bewegung anders und erwartete Ergebnisse, die von islamischer Herrschaft über sozialistische Transformation bis hin zu liberaler Demokratie reichten. Diese Vielfalt an Erwartungen erklärt die unmittelbaren, politischen Auseinandersetzungen, die dem Sturz des Schahs folgten.

[14] The New York Times. (28. Februar 2026). Trump, der selbsternannte “Friedenspräsident”, zieht in den Krieg, um einen Regimewechsel herbeizuführen. The New York Times.

  • https://www.nytimes.com/2026/02/28/us/politics/trump-peace-president-war.html

  • Diese Analyse untersucht den scheinbaren Widerspruch zwischen Donald Trumps langjährigem politischen Image als “Friedenspräsident” – eines Präsidenten, der die Beendigung internationaler Konflikte versprach – und seiner Entscheidung, im Februar 2026 größere Militäroperationen gegen den Iran einzuleiten. Der Artikel verortet diesen Konflikt im Kontext von Trumps umfassenderer außenpolitischer Strategie, einschließlich seiner früheren Behauptungen, er habe mehrere internationale Streitigkeiten beigelegt und verdiene Anerkennung als Friedensstifter. Er beleuchtet die politischen, strategischen und rhetorischen Spannungen zwischen den Antikriegsversprechen im Wahlkampf und der Realität des US-Militäreinsatzes im Nahen Osten. Der Beitrag dient als wichtige journalistische Quelle zur Dokumentation der aktuellen Debatten über die US-Außenpolitik und die Kriegsbefugnisse des Präsidenten im Jahr 2026, insbesondere im Kontext der eskalierenden Spannungen mit dem Iran.

15] Zweiri, M.(14. März 2026). Der iranische Moment: Ein Sprung ins Ungewisse. Al Jazeera.

  • https://www.aljazeera.com/opinions/2026/3/14/the-iranian-moment-a-leap-into-the-unknown

  • In diesem Meinungsbeitrag analysiert der Politikwissenschaftler Mahjoob Zweiri die historische und geopolitische Bedeutung der aktuellen Krise im Iran. Er argumentiert, dass sich das Land möglicherweise einem dritten tiefgreifenden politischen Umbruch seiner modernen Geschichte nähert. Er stellt frühere Phasen der iranischen Staatsentwicklung – wie die Pahlavi-Monarchie und die Islamische Republik – den Unsicherheiten gegenüber, die durch den aktuellen regionalen Konflikt und den internen Druck entstehen. Der Artikel verortet diese Entwicklungen in breiteren Debatten über staatliche Identität, regionale Machtdynamiken und Irans sich wandelndes Verhältnis zur internationalen Ordnung. Als Expertenkommentar in der Meinungsrubrik von Al Jazeera bietet der Beitrag eine interpretative Analyse anstelle einer neutralen Berichterstattung, liefert aber wertvolle Einblicke in die Perspektiven des Nahen Ostens auf die sich zuspitzende Krise.

2026-03-16

On Iran - A contemplation with personal elements

The Iden of March is known as the date on which Julius Caesar was assassinated in 44 BC. Caesar was stabbed to death at a meeting of the Senate. According to Plutarch [1], a seer had warned that harm would come to Caesar on the Ides of March.

Not even waiting for the ominous date, no less fateful events have befallen us. Without needing a seer, the writings on the wall had long been a stark warning to all who were not totally blind. These cataclysmic events, that are currently unfolding with Iran in the epi centre, were long time in the making.

In his memoir, retired U.S. Army General Wesley Clark recounts a conversation [2] he says occurred at the Pentagon in late 2001, when a senior officer showed him a memo outlining a proposed strategy of ”regime change operations” in seven countries over five years - starting with Iraq and continuing with Syria, Lebanon, Libya, Somalia, Sudan, and finally Iran. Clark himself later criticized the Iraq War and the broader interventionist strategy.

1 The Iran hawks

The list of Iran hawks, however, is longer and runs like barbed wire through US politics over the past few decades: 1990 → 2001 → 2003 → 2018 → today.

Formal U.S. policy has often oscillated between containment, coercion, and negotiation. But a persistent hawkish current has repeatedly tried to reframe Iran not as a state to bargain with, but as a regime to break, replace, or fatally weaken.

A few central Iran hawks and their role:

  • Lindsey Graham: Graham has long represented the senatorial hard-line camp. In recent official and public statements, he has argued for confronting the Iranian regime, stressed stopping it by force if needed, and in 2025–2026 continued to use highly escalatory rhetoric about Iran’s future. That makes him less a technocratic sanctions advocate than a political entrepreneur of coercive escalation [3].

  • John Bolton: Bolton is probably the clearest contemporary example of an explicit Iran hawk. He has repeatedly argued that toppling the Iranian regime is the most effective way to remove the threat it poses and has long been associated with regime-change advocacy rather than arms-control or détente approaches [4].

  • Mike Pompeo: Pompeo’s role was different. As Secretary of State, he made maximum pressure the operative doctrine, using sanctions and diplomatic isolation as instruments of extreme coercion. Whether that amounted to declared regime change is debated, but his policy architecture materially strengthened the hawkish camp by making comprehensive pressure on Iran the normal Washington baseline [5].

  • Tom Cotton: Cotton belongs to the congressional wing that consistently argues for a much harder line on Iran and is widely identified with sanctions, deterrence, and a willingness to support military options. In the ecosystem of Iran hawks, his role is to keep the congressional pressure line politically salient and difficult to moderate [6].

  • Not one of the "classic" Iran hawks Benjamin Netanyahu is, as widely discussed by analysts, probably the main influencer of US foreign politics. He has long argued that Iran’s nuclear program represents an existential threat to Israel and has advocated decisive action to stop it. (Israels own clandestine yet well-known nuclear weapon program in contrast was considered as completely justified.) Hereby he exerted an almost magical influence on US decision makers. Israeli lobbying played a decisive role in pushing the United States toward confrontation.

The hawks succeeded, the game is on. So, the 7th run of the great American Meat grinder will eventually finalise the destruction of the middle east as we knew it – however only as a stepping stone for much greater and even more desperate ambitions.

2 Persia – A personal relationship

I need to explain here, why my personal background prevents me from a cool eyed analysis of the current situation – although necessary.

The year was 1970. At the hopeful age of 18, brimming with youthful optimism, an almost uncontrollable thirst for knowledge, and a great deal of naive energy, I had just graduated from the sheltered world of high school.

I decided to embark on a grand journey to the "Orient," about which I had read so much. Since, against all odds, I had passed my final exams with a quite respectable result, my parents gave me a 10-year-old VW bus as a gift.

I converted it into an expedition vehicle, adorned its front with the words "Hamburg - Kathmandu" using adhesive letters, convinced my friends Bernd and Kurt to join me on this great adventure, and asked my girlfriend Regina if she'd like to take a short trip to Nepal. Regina first had to consult an atlas, then, tormented by anxieties, cried all night, and finally said "Yes" the next morning.

I still vividly remember the moment we crossed the border into Iran after long days and nights of driving – we were looking at a new, different world. It was palpable. During the long journey through eastern Anatolia, devastated since the Armenian Genocide of 1919, the large, blue road signs bearing the inscription "Iran Hududu" (Iran border) along the major Anatolian highway, spaced every 10 kilometres, had given us hope that our unexpected lessons in slalom driving around the uncounted potholes might soon be coming to an end.

And indeed, it was a revelation. While the Iranians, unlike the more down-to-earth inhabitants on the Turkish side of the border, had always been good at putting on a grand show, we intuitively sensed that there was more to it: the breath of a great, millennia-old culture whose state power had been repeatedly broken and undermined, but whose defining culture had survived all the humiliations inflicted by both East and West.

This vast country welcomed us with its wide valleys of the plateau, at the bottom of which lay opulently illuminated cities, already visible when still several hours of driving afar. To the left and right of the still pristine highways lay villages of scattered mud-brick buildings, huddled among poplars, their characteristic trees, between which wisps of fog painted poetic scenes.

Our initial euphoria was soon reciprocated by the expectant openness and incredible hospitality of the people. Poetry wasn't just reflected in the landscape. We saw families gathering around the radio in the afternoons to listen to the poems being recited, poems of which Persian culture is so rich.

I wanted to unlock this treasure. So, three months later, after returning to Germany, I began studying Iranian Studies as a second major alongside Chemistry. I was incredibly fortunate to be taught in a small group by the renowned Shahnameh expert, Professor Djalal Khaleghi-Motlagh [7], a ”living legend”. Unsurprisingly, the result of my work was the first German-Persian dictionary of Old Persian, based on Fritz Wolff's glossary. The result can be viewed online here [8].

After that, this fascinating country never let me go. Even less successful endeavours like "The Great Boondoggle" ("Die große Rödelei") [9] have left their literary mark. My genuine passion for the richness of the Persian language and its literature open doors. I was invited to Iranian families throughout the country, saw the free and vivid life behind thick sheltering mud walls.

As a young man, I was fascinated by the unusual combination of nearly unreal beauty, intelligence, self-confidence and knowledge of Iranian women and girls - and they were also a little cheeky - back then.

My last visit in Iran was in 1979, the year when Shah Reza Pahlavi was ousted and Ayatollah Khomeini began his bloody revolution.

In exchange for free meals and a small cash payment, I had driven a brand-new BMW to Tehran in an adventurous and not always safe journey over three and a half days, to arrive just before the set deadline, the Nowruz festival, and was now traveling by train and bus in the country following in the footsteps of the Zoroastrians.

With the end of the Nowruz holidays on Sisdah (the 13th) I had to head back to Tehran, as did everyone else. Do no chance to get a ticket. Luckily hitchhiking was common then – but different. Usually when you got a lift, the standard bus fare was charged. In exchange you needn’t wait for long. Hence two jet pilots from the Iranian army picked me up from the roadside in Shiraz. It was a cool sober business with these two no-nonsense guys. But when our casual talks came to Persian poetry the atmosphere completely changed. It was as if I had touched their soft soul hidden under a professional camouflage. Had there been talk of paying a fare? No, no one remembered that. And since their journey ended in Isfahan, they performed the miracle of getting me a bus ticket to Tehran. Of course, they also treated me to meals along the way.

During that time a typical pre-revolutionary atmosphere was palpable throughout the country and across various social classes. However, I was reminded of a situation in France some 200 years ago, as everyone I spoke to – or better, who spoke to me - had different reasons and expectations for a major upheaval. 

There was a Muslim Brotherhood member from Tabriz who had lost a relative in a recent unrest, a deserter recruit who just wanted to return home to his parents, and a merchant whose life was made difficult by widespread corruption, the list goes on. 

Only later did I learn that this was not a coincidence, but a recurring pattern of revolutions.

3 The cruel pattern of revolutions

Like the key insights of three Thinkers, two of the time of the French revolution and one more contemporary, reflect …

  • Revolutions arise from many converging causes and grievances” (Edmund Burke 1790) [10],

  • Political alliances often form through shared opposition rather than shared goals.” (Alexis de Tocqueville, 1856) [11] or

  • The Revolution was a coalition of groups expecting different futures.” (François Furet, 1978) [12]

… motivations were rather diverse and hence no harmonic outcome could have been expected.

A strikingly similar, well-known historian formulation comes from Ervand Abrahamian, a key historian of the Iranian Revolution: ”The revolution brought together groups with very different ideologies and expectations.” [13]

And that's exactly what happened. And that's precisely why, as with most revolutions, it couldn't end well. 

The general historical pattern is like follows:

  1. Many groups unite against a regime.

  2. The regime falls.

  3. The coalition fragments because each faction expected a different revolution.

Historians sometimes call this phenomenon ”revolutionary coalition dynamics.” This pattern appeared not only in France and Iran but also in the Russian Revolution (1917) or the Egyptian Revolution of 2011. Much more can be said about the common patterns of revolutions. There is insightful research available. So, this topic deserves a post on its own - later.

And it looks like history could repeat again. Once again, large segments of Iranian society are, for good reason but with highly diverse expectations, very dissatisfied with their repressive government. The similarities to the Operation Ajax are striking. That was a CIA and British-led operation that overthrew the democratically elected Prime Minister Mohammad Mosaddegh on August 19, 1953.

Prompted by Mossadegh's nationalization of Iran's oil industry, the coup d'état restored full power to Shah Mohammad Reza Pahlavi, solidifying Western control over Iranian oil and fostering deep resentment that contributed to the 1979 Islamic Revolution.

4 Will history repeat?

Indeed, the son of the then-Shah Reza Pahlavi is being touted as the new leader of a re-conquered Iran. This time, he would be installed by the CIA and Mossad, albeit after complete destruction of, what we know as Iran, only. After 73 years, a super cycle would thus come to a close - and the suffering of the Iranian people would continue under new auspices.

And that wouldn't even be the worst-case scenario. As the examples of Somalia, Libya, Iraq, and Syria show, the outlook could be much bleaker.

Libya, which under Muammar al-Gaddafi enjoyed a high standard of living, where women could move about freely and as equals, and where civic life (as long as one wasn't in opposition to the government) was safe and economically secure, is now clearly a failed state ruled by warlords, where migrants who have survived the perilous journey across the Sahara are slaughtered for their organs.

Iraq and Syria, which, like Libya, could guarantee their citizens a high standard of living, where women and men had equal rights, have regressed to the darkest Middle Ages, characterized by religious sectarianism and a low level of civilization. Iraq narrowly escaped a takeover by the so-called "Islamic State". The scars left behind will likely never heal. Syria, now controlled by Turkey, has been de facto taken over by the Islamic State. This has effectively sealed the fate of 40% of the population: Alawites, Kurds, Druze, and Christians.

No, I do not dare to make any prediction. But it should be clear that the situation in Iran today differs in many ways from 1953. The Iranian society is deeply politically divided, and trust in state institutions and among the population has eroded considerably.

And there is a war.

It is an age-old, sad truth: In times of war, the people stand united "as one" behind their leadership. Domestic political differences are postponed until after the war. This serves to distract from scandals and poor leadership performance. This applies in this case to all three main warring parties: Israel, the USA, and Iran.

5 A new betrayal in the making

Since the "regime change" so desperately desired by the US is clearly unattainable in this way, Donald Trump is now calling on the Kurds of Iran and Iraq to support US efforts in Iran and offering them assistance.

Besides, that it sounds like a move of desperation, should they do so, it would be suicide. The Kurds in their region of Rojava in Syria have just experienced first-hand how such actions will end. After the Kurds had "done their duty", they were handed over to Turkey, the notorious butcher of the Kurds, Armenians and Greeks.

This exact scenario would now be likely to repeat itself. Recep Tayyip Erdoğan has probably already received carte blanche from Donald Trump to also clean up the Kurds in Iran and, at the same time, annex a large part of Iran to his empire. His loyal brother in arms in Azerbaijan has been waiting for some time to incorporate the Iranian province of the same name. The resulting great empire of the Turkic peoples would then be able to finally implement Mehmet II's vision from nearly 600 years ago: the Islamic conquest of Rome.

6 Cynicism and hypocrisy at its peak

I experienced first-hand the illusions that fuelled the Islamic Revolution of 1979. And I must remind myself of them now, when I see the jubilant outbursts and euphoria in footages of exiled Iranians in safety abroad or even in Iran, albeit with many question marks regarding their authenticity.

Once again, expectations will be bitterly disappointed. There is no "help on the way," as the "peace president" [14] so grandly promised. That was nothing but pure, contemptuous cynicism.

Instead, the Four Horsemen of the Apocalypse are sweeping through the country - and perhaps beyond—bringing devastation, war, hunger, and death.

No one liberates a people by destroying their country. The global hegemon isn't even concerned about Iran, and certainly not about its tormented people. His aim is to defeat the rising world power China – and to distract from domestic political squabbles (the Epstein Papers).

Just as back then, when the cry went up, "The Shah has been overthrown," now, after "Khamenei is dead," the worst is yet to come.

However, ”Iran’s next chapter will not be written by foreign powers alone, or by the clerical establishment alone, or by the protest movement alone. It will emerge from the collision of all these forces — internal and external, historical and immediate.”, as Mahjoob Zweiri, Academic and senior political analyst specializing in Iran and Middle East Politics, commented. [15]

My esteemed Mentor, Professor Khaleghi-Motlagh, often used the metaphor of the Qanat to describe Persian culture: a hidden, underground stream of ancient wisdom that sustains life in a barren landscape, occasionally surfacing in the form of a masterpiece like the Shahnameh. Maybe – against all odds – after centuries of humiliation a new future for the Iranian peoples will emerge from the hidden underground.


[1] Plutarch, Parallel Lives, Caesar 63

[2] Clark, W. K. (2003). Winning modern wars: Iraq, terrorism, and the American empire. New York: PublicAffairs.

  • In this memoir, retired U.S. Army General Wesley Clark recounts a conversation he says occurred at the Pentagon in late 2001, shortly after the September 11 attacks. According to Clark, a senior officer showed him a memo outlining a proposed strategy of ”regime change operations” in seven countries over five years—starting with Iraq and continuing with Syria, Lebanon, Libya, Somalia, Sudan, and finally Iran. Clark presents the anecdote as evidence of the strategic thinking circulating in parts of the U.S. defence establishment in the early phase of the ”War on Terror,” though he himself later criticized the Iraq War and the broader interventionist strategy.

[3] Graham, L. (2025). Senate floor remarks on Iran policy. U.S. Senate.

  • Senator Graham has repeatedly argued that lasting stability in the Middle East requires confronting the Iranian regime and preventing it from achieving regional dominance. In congressional speeches and media appearances, he has advocated strong sanctions, potential military action, and support for Israel in confronting Iran. Commentators often classify Graham as one of the most prominent congressional ”Iran hawks.”

[4] Bolton, J. R. (2015). To stop Iran’s bomb, bomb Iran. The New York Times.

  • In this widely discussed op-ed, Bolton argued that diplomacy and sanctions were insufficient to prevent Iran from obtaining nuclear weapons and suggested that military strikes against Iranian nuclear facilities should be seriously considered. Bolton has long supported a strategy aimed at weakening or replacing the Iranian regime, and analysts often cite him as the clearest example of a Washington policy figure advocating regime change in Iran.

[5] Pompeo, M. (2018). After the deal: A new Iran strategy. U.S. Department of State.

  • As U.S. Secretary of State, Pompeo articulated the Trump administration’s ”maximum pressure” policy toward Iran, involving comprehensive economic sanctions and diplomatic isolation. While he stated that the official objective was to change Iranian behaviour rather than overthrow the government, many analysts argue that the strategy placed extraordinary pressure on the regime and strengthened the political position of hard-liners advocating regime change.

[6] Cotton, T. (2015). Letter to the leaders of the Islamic Republic of Iran. U.S. Senate.

  • Cotton gained prominence in the Iran debate through a controversial open letter warning that any nuclear agreement with the United States could be reversed by a future administration. His public positions emphasize strict sanctions, military deterrence, and skepticism toward diplomatic engagement with Tehran.

[7] Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut. (2025, December 4). Porträt eines Gelehrten: Djalal Khaleghi-Motlagh. Universität Hamburg.

  • Porträt eines Gelehrten: Djalal Khaleghi‑Motlagh

  • This announcement from the Asia-Africa Institute of the University of Hamburg presents a commemorative event honouring the Iranian scholar Djalal Khaleghi-Motlagh, noted for his critical scholarly edition of the Persian epic Šāhnāma. The event includes the premiere of a documentary film about his life and research. The page highlights Khaleghi-Motlagh’s contribution to Persian literary scholarship and illustrates the continuing academic engagement with Iranian studies within German universities.

[8] Walther, Horst, (2003), personal Web-site, Horst Walthers Shahnameh Dictionary

  • Horst Walthers Shahnameh(شاهنامِه)-dictionary

  • Strongly encouraged by Prof. Khaleghi-Motlagh I created this inverted glossary of Fritz Wolff in 1975. Fritz Wolff (1880-1943) was a German Shahnameh expert with Jewish roots. His opus inverted into a German to Persian sorting was meant to serve as a nucleus for a German to Persian dictionary. Here I it is published with some 25 years delay. It is a raw version with 21,937.

[9] Walther, Horst, (2003), personal Web-site, Die Große Rödelei - Tagebuch einer missratenen Iran – Fahrt

  • Die Große Rödelei

  • How did this work actually come about? Well, whenever I returned from a longer trip, I was confronted with the same inevitable question: "So, how was it?" and then: "It must have been fantastic, tell us about it!" In one of the many different senses of the word, it probably was fantastic, and so I talked and talked, showed pictures and presented souvenirs, and talked some more. But then, somewhere in the middle of it all, just when I had described the most impactful experiences, it struck me that I had been talking about the impact of them, not about what had actually moved me there. What could be done about that? One would have to—one would have to be on the road... yes, one would simply have to be there, right on the spot, typing everything fresh from the heart directly into the typewriter. And that's exactly what we did.

[10] Edmund Burke. (1790). Reflections on the Revolution in France. London: J. Dodsley.

  • In this influential critique of the early French Revolution, Burke argues that revolutions are rarely driven by a unified ideology or a single social interest. Rather, they emerge from the convergence of multiple grievances and aspirations among different groups. His analysis highlights how nobles seeking reform, bourgeois political actors, peasants resisting feudal obligations, and urban crowds motivated by economic distress could temporarily align in support of the revolutionary upheaval. Burke uses this observation to warn that such coalitions are inherently unstable because their participants expect fundamentally different outcomes from the revolution.

[11] Tocqueville, A. de. (1896/1851). Recollections (Souvenirs). London: Macmillan.

  • In his memoirs reflecting on the revolutionary and post-revolutionary political climate of France, Tocqueville observes that political alliances often arise not from common positive goals but from shared opposition to a common enemy. This insight helps explain how very different social groups—nobles, bourgeois reformers, peasants, and urban radicals—could temporarily unite behind the French Revolution despite fundamentally divergent expectations of its outcome.

[12] François Furet. (1978). Penser la Révolution française[Interpreting the French Revolution]. Paris: Gallimard. (English translation: Cambridge University Press, 1981).

  • In this landmark reinterpretation of the French Revolution, Furet argues that the revolutionary movement initially united actors with divergent political expectations and social interests. Rather than a single coherent revolutionary project, the Revolution functioned as a broad political coalition whose participants—bourgeois reformers, radical democrats, peasants, and urban militants—each projected their own vision of the future onto the revolutionary process. According to Furet, these incompatible expectations explain the rapid fragmentation of revolutionary politics and the escalation of conflict during the 1790s.

[13] Ervand Abrahamian. (1982). Iran Between Two Revolutions. Princeton University Press.

  • Abrahamian demonstrates that the Iranian Revolution was initially a broad anti-Shah coalition composed of religious networks, secular intellectuals, Marxist organizations, students, and bazaar merchants. Each group interpreted the revolutionary movement differently, expecting outcomes ranging from Islamic governance to socialist transformation or liberal democracy. This diversity of expectations explains the rapid political struggles that followed the fall of the Shah.

[14] The New York Times. (2026, February 28). Trump, the self-declared ”peace president,” goes to war seeking regime change. The New York Times.

  • https://www.nytimes.com/2026/02/28/us/politics/trump-peace-president-war.html

  • This news analysis examines the apparent contradiction between Donald Trump’s long-standing political branding as a ”peace president”—a leader who promised to end foreign conflicts—and his decision to initiate major military operations against Iran in February 2026. The article situates the conflict within Trump’s broader foreign-policy narrative, including earlier claims that he had ended several international disputes and deserved recognition as a peacemaker. It highlights the political, strategic, and rhetorical tensions between anti-war campaign promises and the realities of U.S. military engagement in the Middle East. The piece is useful as a primary journalistic source documenting contemporary debates about U.S. foreign policy and presidential war powers in 2026, particularly in the context of escalating tensions with Iran.

15] Zweiri, M. (2026, March 14). The Iranian moment: A leap into the unknown. Al Jazeera.

  • https://www.aljazeera.com/opinions/2026/3/14/the-iranian-moment-a-leap-into-the-unknown

  • In this opinion essay, political scientist Mahjoob Zweiri analyses the historical and geopolitical significance of the current crisis in Iran, arguing that the country may be approaching a third transformative political moment in its modern history. He contrasts earlier phases of Iranian state development—such as the Pahlavi monarchy and the Islamic Republic—with the uncertainties generated by the current regional conflict and internal pressures. The article situates these developments within broader debates about state identity, regional power dynamics, and Iran’s evolving relationship with the international order. As an expert commentary published in Al Jazeera’s opinion section, the piece provides interpretive analysis rather than neutral reporting but offers useful insight into Middle Eastern perspectives on the unfolding crisis.

2025-12-29

Die Gefahr geht von uns Menschen aus – nicht von der KI.

 

Jede technische Umwälzung enthüllt eine tiefere Wahrheit über uns selbst. Die Künstliche Intelligenz bildet da keine Ausnahme. In einem Interview, das am 12.11.2025 in Nature [1] veröffentlicht wurde, warnte kein Geringerer als Yoshua Bengio, einer der Pioniere auf diesem Gebiet, dass moderne KI Risiken für die gesamte Zivilisation bergen könnte:

"Wer in Zukunft hochentwickelte KIs kontrolliert, wird über enorme Macht verfügen. Diese Macht könnte zwar für die jeweilige Person von Vorteil sein, aber nicht für die meisten von uns. Demokratie bedeutet Machtteilung. Wenn die Macht in den Händen Weniger konzentriert ist, ist das keine Demokratie – das ist eine Diktatur.

Doch die Macht der KI in den falschen Händen birgt auch andere existenzielle Risiken. Es gibt Menschen, die aus ideologischen oder psychischen Gründen den roten Knopf drücken würden – eine KI also bitten würden, etwas Schreckliches zu tun, das den Tod von Milliarden von Menschen verursachen könnte, wie etwa die Freisetzung eines neuen, extrem potenten Virus oder sogar die Erzeugung von Bakterien, die alles tierische Leben auf diesem Planeten auslöschen könnten".

Bisher kreisten die Sorgen und Befürchtungen hauptsächlich um eine außer Kontrolle geratene Super-KI, die sich als letzte Erfindung der Menschheit erweisen und als der „großer Filter" wirken könnte – eine der Erklärungen des Fermi-Paradoxons [2] –, indem sie ihre Schöpfer eliminiert. Nick Bostroms Arbeit beispielsweise schärfte dieses Bild, indem sie das existenzielle Risiko als ernstzunehmende, wenn auch unsichere, Analysekategorie einführte [3]. Stephen Hawking machte diese Idee einem globalen Publikum anschaulich, indem er andeutete, dass „die Entwicklung einer voll entwickelten KI das Ende der Menschheit bedeuten könnte[4] . Der „KI-Pate" Geoffrey Hinton, einst skeptisch gegenüber extrem knappen Zeitplänen, hat seine eigenen Wahrscheinlichkeitseinschätzungen, dass KI in den kommenden Jahrzehnten katastrophale Folgen haben könnte, öffentlich korrigiert [5]Das prominenteste Signal der Bewegung der Vorsichtigen – der „Pausen"-Brief von 2023 – forderte ein überprüfbares Moratorium für die Entwicklung von Systemen, die leistungsfähiger als GPT-4 sind, um Zeit für Forschung und die Steuerung des Verhaltens einer KI zu gewinnen [6] .

Dennoch kann ich ihren Überlegungen nicht komplett folgen. 

Und anderen, allen voran Yann LeCun, geht es genauso. Er argumentiert, dass die Befürchtungen einer katastrophalen, unkontrollierten KI übertrieben seien, eher Science-Fiction als Wissenschaft und von lösbaren Sicherheits- und Missbrauchsproblemen ablenkten [7] . Seine Gegenargumente betonen, dass die aktuellen Systeme fragil, in ihren Fähigkeiten eingeschränkt und weit von autonomer Handlungsfähigkeit entfernt seien. LeCun mahnt, sich auf die realen, kurzfristigen Gefahren (Fehlinformationen, Voreingenommenheit, Sicherheit) zu konzentrieren und hält existenzielle Behauptungen für „absurd". Fortschritt, nicht Panik, werde die heutigen Risiken verringern [8]

Beide Lager sind sich in einem Punkt einig: Die Entwicklung der KI schreitet schnell voran, und die Politik muss Schritt halten.

KI-Systeme werden mit menschlicher Sprache, Bildern und Handlungen trainiert. Sie übernehmen unsere Vorurteile, Konflikte und Widersprüche . Wenn solche Systeme skaliert werden, verstärken sie unsere menschlichen Impulse – gute wie schlechte. Waffen verbreiten sich schneller als ethische Grundsätze. Die entscheidende Frage ist nicht, ob KI gefährlich sein könnte, sondern ob Menschen sie in wettbewerbsorientierten Umgebungen unethisch einsetzen werden . Dafür gibt es einige Präzedenzfälle in der Geschichte der Menschheit: Nukleartechnologie, Biowaffenforschung und psychologische Kriegsführung belegen, dass der Wettlauf um Fähigkeiten die Normenbildung überholt. Und so bezog sich Bostroms Katalog existenzieller Gefahren bei genauer Betrachtung nicht nur auf Maschinen, sondern auch auf menschliche Systeme unter Stress [9].

Es entsteht ein paradoxes Phänomen: Der Moment, in dem KI annähernd menschliches Niveau erreicht, könnte am gefährlichsten sein – nicht weil Maschinen gottgleich wären, sondern weil sie auf menschliche Art fehlbar sind und gleichzeitig unsere Möglichkeiten, Schaden anzurichten, verstärken. Sie beschleunigen Desinformation, Cyberangriffe und Biowaffendesign massiv. Doch es mangelt ihnen weiterhin an gesundem Menschenverstand und ethischen Werten.

Kurz gesagt: KI wird so intelligent – und so dumm – wie wir , aber um ein Vielfaches wirksamer, schneller und kostengünstiger. Es ist das Dilemma einer Menscheit mit steinzeitlichem Moralniveau mit Werkzeugen des Weltraumzeitalters in ihren Händen. 

Bengio warnt seit längerem vor dem Missbrauch autonomer „intelligenter Systeme" [10] . LeCuns Einwand – dass bessere KI die heutigen Schäden verringern wird – mag in gewissem Maße zutreffen, aber nur, wenn die Anreize und Schutzmaßnahmen für ihren Einsatz dem öffentlichen Interesse entsprechen [11]

Und hier setzen meine Zweifel an.

Bereits 2020 hatte ich über diese Risiken nachgedacht [12], die seither vielfach diskutiert wurden. Damals fragte ich mich: Könnte es nicht durchaus sein, dass eine real existierende Super-KI , sobald sie denn erschaffen sein wird und ein unabhängiges Leben führt, der Retter der Menschheit wird, anstatt ihr Untergang?

Rettet die KI am Ende die Menschheit vor sich selbst?

KI könnte:

  • Unsere größten Verzerrungen in der Regierungsführung (durch evidenzbasierte Politik, modellgeprüfte Gesetze) korrigieren.

  • Den wissenschaftlichen Fortschritt beschleunigen (Arzneimittelforschung, Klimamodellierung, Materialwissenschaften), um Zeit gegen andere existenzielle Risiken zu gewinnen.

  • Manipulationen und propagandistische Falschinformation in Echtzeit erkennen.

  • Kritische Infrastrukturen Stresstests unterziehen und robuste Konzepte entwickeln.

Dies sind keine bloßen Fantasien. Sie spiegeln die Ziele der UN und der EU wider, KI für die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung zu nutzen und gleichzeitig systemische Risiken zu mindern [13]. Ob KI jedoch einmal unser Erretter wird, hängt von AnreizenTransparenzdem Zugang für unabhängige Forschung und globaler Koordination ab – kurzum, von ihrer gesellschaftlichen Sozialisierung.

Dennoch könnte der gefährlichste Zeitpunkt erreicht sein, wenn KI so intelligent wird wie wir Menschen, was bedeutet: genauso dumm wie wir sind. Sie würde sich als mächtige Waffe in den Händen einer Menschheit erweisen, deren Moral sich seit der Steinzeit kaum weiterentwickelt hat, während die Technologie spektakuläre Fortschritte gemacht hat – was Yoshua Bengios' Position sehr nahe kommt.

Wissen können wir das zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nicht.

Die entscheidende Variable in diesem Szenario ist nicht das „Wesen der KI", sondern unsere Entscheidungen – was wir entwickeln, wie wir sie einsetzen und ob wir private Interessen mit öffentlichen Gütern in Einklang bringen können.

Die Gefahr geht eher von uns aus – und dort könnte auch die Lösung liegen.


[1] Castelvecchi, D., & Thompson, B. (12. November 2025). „Es lässt mich nachts nicht schlafen“: Ein Pionier des maschinellen Lernens über die Bedrohung der Menschheit durch KI . Nature .

[2] Walther, H. (November 2025). Das Fermi-Paradoxon und der Platz der Menschheit im Universum . Horst Walther (Blog) .

[3] Bostrom, N. (2013). Existenzielle Risiken: Eine interdisziplinäre Analyse (PDF).

[4] Sample, I. (2. Dezember 2014). Stephen Hawking: KI könnte das „schlimmste Ereignis in der Geschichte unserer Zivilisation“ sein . The Guardian .

[5]Laut dem „Paten der KI“ erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass diese Technologie die Menschheit in den nächsten 30 Jahren auslöschen wird. (27. Dezember 2024). The Guardian.

[6] Future of Life Institute. (2015). Stoppt die gigantischen KI-Experimente: Ein offener Brief

[7] Time. (2024). Yann LeCun über KI, AGI und die Zukunft: Interview .

[8] Siehe Punkt 7 oben

[9] Siehe Punkt 3 oben

[10] Siehe Punkt 1 oben

[11] Clark, M. (März 2025). Yann LeCun über AGI, Superintelligenz und die Frage, ob der Mensch die KI beherrschen wird . Business Insider .

[12] Walther, H. (14.01.2020) Die große KI-Kontroverse . LinkedIn Pulse .

[13] Hochrangiges Beratungsgremium des UN-Generalsekretärs für Künstliche Intelligenz. (2024). KI im Dienste der Menschheit steuern: Abschlussbericht (Abschlussbericht als großformatiges PDF). Vereinte Nationen.

The danger is us humans − not AI

Every technological revolution exposes a deeper truth about us. Artificial intelligence is no different. In an interview, published at 2025-11-12 in Nature [1], no less than Yoshua Bengio, one of the field’s pioneers, warned that modern AI may pose civilisation-level risks:

Whoever will control very advanced AIs in the future will have huge power. And they could use that power in ways that are good for them, maybe, but not for most of us. Democracy is about sharing power. If the power is concentrated in the hands of a few, that is not democracy — that is a dictatorship.

But there are other existential risks due to the power of AI in the wrong hands. There are people who, for ideological or mental health reasons, would press the red button — ask an AI to do something terrible that could cause the death of billions of people, like unleashing a new kind of extremely potent virus, or even mirror bacteria that could kill all animal life on this planet."

Previously, concerns and fears mainly revolved around super-AI gone rogue which might turn out to be humanities last invention and will act as the “great filter”, one of the explanations of the Fermi-Paradox [2], by eliminating its creators. Nick Bostrom’s work e.g. sharpened this picture by introducing existential risk as a serious, albeit uncertain, category of analysis [3]. Stephen Hawking made the idea vivid to a global audience, suggesting that “the development of full AI could spell the end of the human race" [4]. “AI-godfather” Geoffrey Hinton, once sceptical of extreme timelines, has publicly increased his own probability estimates that AI could drive catastrophic outcomes in coming decades [5]. The precautionary camp’s flagship—the 2023 “Pause” letter - called for a verifiable moratorium on training systems more powerful than GPT-4 to secure time for alignment research and governance [6].

Yet, I don’t completely buy their stories. 

And so do others, most notably Yann LeCun. He argues that catastrophic fears of rogue AI are overblown, more science fiction than science, and distract from tractable safety and misuse problems [7]. His counter-arguments insist that current systems are brittle, narrow and far from autonomous agency. LeCun urges attention to real near-term harms (misinformation, bias, safety), insisting existential claims are “preposterous” and that progress, not panic, will reduce today’s risks [8]

Both camps agree on one thing: AI is accelerating and policy must catch up.

AI systems are trained on human language, images and actions. They inherit our biases, conflicts and contradictions. When such systems scale, they amplify human impulses—good and bad. Weapons proliferate faster than ethics. The crux is not whether AI could be dangerous, but whether humans in competitive environments will deploy it dangerously. We have historical precedent: nuclear technology, bioweapons research, and information warfare all show that capability races outpace norm-building. Bostrom’s catalogue of existential hazards too was never only about machines; it was about human systems under stress [9].

A curious paradox arises: the moment AI is roughly human-level may be the most dangerous—not because machines are godlike, but because they are fallible in human ways while extending our reach. They turbo-charge disinformation, cyber-offence, and bio-design, yet still lack robust common sense and values. 

In short, AI becomes as clever - and as stupid - as we are, but massively faster and cheaper. It’s the Stone-Age morality / Space-Age tools problem. Bengio explicitly worries about misuse and deception long before fully autonomous "superintelligence" [10]. LeCun’s rebuttal—that better AI will reduce present-day harms—may be true on certain margins, but only if we succeed in  deploying incentives and guardrails that are aligned with the public interest [11] - which is doubtful.

As early as 2020 I had contemplated about these risks [12], which since then have been discussed widely. Back then I wondered: Couldn’t it well be that real a Super-AI, once created and enjoying an independent life, be the saviour, rather than the terminator of humanity?

Saving Humanity from itself in the end?

AI could:

  • Out-optimise our worst biases in governance (evidence-led policy, model-checked laws).

  • Accelerate science (drug discovery, climate modelling, materials), buying time against other existential risks.

  • Detect manipulations and information warfare in real-time.

  • Stress-test critical infrastructure and offer resilient designs.

These are not mere fantasies; they echo UN and EU governance aims to harness AI for Sustainable Development Goals while mitigating systemic risks [13]. Whether AI becomes saviour however hinges on incentives, transparency, access for independent researchers, and global coordination, in short on its socialisation.

Nevertheless, the most dangerous point in time could be, when AI becomes as intelligent as we humans, which means: as stupid as we are. It would serve as a powerful weapon in the hands of a humanity, whose morality hasn’t evolved as much since the stone age, while technology has done so  spectacularly – which comes close to Yoshua Bengios position.

Yet, we cannot know by now.

The decisive variable is not “AI’s essence”, but our choices—what we build, how we deploy it, and whether we can align private incentives with public goods.

The danger is us - and therefore, so could be the solution.


[1] Castelvecchi, D., & Thompson, B. (2025, November 12). ‘It keeps me awake at night’: machine-learning pioneer on AI’s threat to humanity. Nature.

[2] Walther, H. (2025, November). The Fermi paradox and humanity’s place in the universe. Horst Walther (Blog).

[3] Bostrom, N. (2013). Existential risks: An interdisciplinary analysis (PDF).

[4] Sample, I. (2014, December 2). Stephen Hawking: AI could be the ‘worst event in the history of our civilisation’. The Guardian.

[5] Godfather of AI raises odds of the technology wiping out humanity over next 30 years. (2024, December 27). The Guardian.

[6] Future of Life Institute. (2015). Pause giant AI experiments: An open letter

[7] Time. (2024). Yann LeCun on AI, AGI, and the future: Interview.

[8] See item 7 above

[9] See item 3 above

[10] See item 1 above

[11] Clark, M. (2025, March). Yann LeCun on AGI, superintelligence, and whether humans will be boss of AI. Business Insider.

[12] Walther, H. (2020-01-14) The Big AI controversy. LinkedIn Pulse.

[13] United Nations Secretary-General’s High-level Advisory Body on Artificial Intelligence. (2024). Governing AI for humanity: Final report (Final report large-format PDF). United Nations.