My near philosophical musings about the world in general its problems and possible ways out.

2024-04-30

Es wird politische Antworten geben

Wirkungen und Nebenwirkungen, die wir von der KI auf Jobs, Kultur und Gesellschaft erwarten können.

A drag holds a human child in Fantastic Planet (1973)

Künstliche Intelligenz − Sie ist (endlich) angekommen

Mit der Veröffentlichung von ChatGPT3 ist seit Ende des Jahres 2022 eine Form der der sogenannten künstlichen Intelligenz (KI) Teil des Lebens von Millionen Menschen in weiten Teilen der Welt geworden.

Lange hat es gedauert bis eine zunächst akademische Kuriosität zu einem alles beherrschenden Mega-Thema geworden ist.

Als die offizielle Geburtsstunde des Fachs KI gilt die legendäre Dartmouth-Konferenz im Jahr 1956. Hier prägte John McCarthy den Begriff "Künstliche Intelligenz". Zusammen mit Marvin Minsky, Claude Shannon und Nathan Rochester organisierte McCarthy die Konferenz. Er gilt damit als einer der Großväter einer Entwicklung, die heute die Gemüter vieler Menschen bewegt.

Dieser Erfolg war keineswegs gesichert. Von der Dartmouth Conference bis ChatGPT war es eine Geschichte des Auf und Ab, in der auf Höhen kleiner Erfolge gleich wieder Tiefen folgten, die sogenannten KI-Winter. Nach überzogenen Erwartungen, die schlicht nicht erfüllt werden konnten, reagierten die Märkte enttäuscht. In der Folge wurden die Finanzierungen dieses esoterischen Forschungszweigs gestrichen − man beschäftigte sich wieder mit handfesten, erfüllbaren Aufgaben.

 


Jetzt aber ist die KI im Mainstream angekommen. Sie ist allgegenwärtig, dominiert die Investitionsentscheidungen, wird zum einen als Heilsbringer einer Zukunft des Überflusses gefeiert und zum anderen als letzte Erfindung der Menschheit vor ihrem unaufhaltsamen Untergang gefürchtet.

Wieder haben wir es mit überzogenen Erwartungen zu tun. Die Welt der KI-Experten ist sich aber einig: einen dritten KI-Winter wird es nicht mehr geben. Der Geist ist jetzt aus der Flasche. Er lässt sich nicht mehr stoppen.

Aber können wir uns dessen wirklich so sicher sein? Könnten sich der enorme Datenhunger für das Training der KI-Modelle und / oder der horrende Energiebedarf, der damit, aber auch mit deren Nutzung einhergeht, größere Unfälle, schlicht wiederum überzogene Erwartungen oder andere, noch nicht vorhersehbare Ereignisse, nicht wieder bremsend und desillusionierend auswirken?

Ich halte das für möglich. Aber hier soll es um etwas anderes gehen.

Wir sind an der Schwelle einer Entwicklung angekommen, die die Welt in der wir arbeiten und leben nachhaltig verändern wird.

Dieses Statement war in den letzten Wochen und Monaten in dieser oder einer ähnlichen Formulierung schon häufiger zu hören. Wenn wir, bei aller gesunden Skepsis gegenüber Voraussagen, dieser Annahme einmal folgen, welche Folgewirkungen werden sich dann daraus für Jobs, Kultur und Gesellschaft ergeben?

Ein Blick auf die Geschichte lehrt und, dass die menschliche Entwicklung in Wellen verläuft. Keineswegs folgt sie einem gradlinigen Trend zu mehr, wie auch immer definiertem, “Fortschritt“. Nehmen wir hier aber der Einfachheit halber an, die Entwicklung der wenigen letzten Jahre ginge in Richtung und Geschwindigkeit so weiter, wie bisher oder gar noch schneller. Dann wird die KI wird unser Leben tatsächlich nachhaltig verändern.

Aber wie?

Darum sollten wir uns Gedanken machen.

Damit stellt sich eine Vielzahl von Fragen, die zu beantworten nicht leicht, vielleicht sogar unmöglich, ist, von deren Beantwortung jedoch unser Schicksal als Menschheit in ihrer Gänze abhängt.

Fragen wie …

  • Steht uns eine Zeit des Überflusses bevor, wie es euphorische Zukunftspropheten wie Peter Diamandis seit Jahrzehnten nicht müde werden, vorherzusagen? Oder verlieren wir erst unsere Arbeit, dann unseren Lebensinhalt?

  • Werden sich Mensch und Maschine die Arbeit gütlich aufteilen, sodass jede Partei das tut, wofür die am besten geeignet ist? Oder können die KI-Kollegen bald alles besser als wir und der menschliche Eingriff würde nur noch stören?

  • Wird eine neues Maschinenzeitalter anbrechen, eine Ebene höher, mächtiger und produktiver als heute? Oder werden sich die Maschinen zu unseren neuen Kollegen weiterentwickeln? Werden sie, eine Schöpfung nach unserem Ebenbild, ein Bewusstsein, eine eigene Meinung − einen Eigensinn haben?

  • Nehmen wir weiter an, die Entwicklung würde eruptiv und schnell in wenigen Epizentren unseres Planeten vor sich gehen. Werden wir für die Gesellschaften in den einzelnen Ländern dieser Erde und zwischen den Staaten die richtigen Lösungen für eine angemessene Teilhabe an den Früchten dieser Entwicklung finden?

  • Werden wir ausreichend Zeit haben, auf diese Veränderungen zu reagieren? Müssen wir sie vielleicht sogar als alternative Szenarien antizipieren? Oder werden wir, wie so oft in der Vergangenheit, die gesellschaftlichen Folgen erst bemerken, wenn sie nicht mehr zu leugnen sind und eine revolutionäre Welle wirtschaftliche, gesellschaftliche und damit politische Änderungen mit disruptiver Gewalt einfordert?

Vieles mag an dieser, von der KI getriebenen, Innovation neu, spezifisch und ganz anders als zuvor sein. Dennoch, wenn wir in die Zukunft schauen wollen, hilft oft bereits ein Blick in den Rückspiegel, auf vergangene wirtschaftliche Wellen. Oft werden diese zyklischen Wirtschaftsentwicklungen nach ihrem Namensgeber, dem sowjetischen Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew auch als Kondratjew-Zyklen bezeichnet.

Welche Ratschläge erhalten wir bei einem Blick in die Geschichte, wenn wir ihr drei simple Fragen stellen?

  • Welche technischen Innovationen in der Geschichte der Menschheit hatten gesellschaftliche und politische Auswirkungen?

  • Welche Auswirkungen waren das?

  • Wie lange hat es jeweils gedauert, bis diese Auswirkungen erkennbar wurden?

Wir sollten uns da bei der Gefahr bewusst sein, dass der Einfluss technischer Innovationen kurzfristig oft überschätzt, langfristig aber tendenziell unterschätzt wird.

Was lehrt uns die Rückschau?

Im Verlauf der Menschheitsgeschichte hat es eine Vielzahl Technischer Innovationen gegeben. Die wirtschaftlichen Auswirkungen für die bereits erwähnten bisher 5 Kondratjew-Zyklen sind vergleichsweise gut untersucht. Über die gesellschaftlichen und politischen Folgen herrscht deutlich weniger Konsens. Auch hatte es schon vor Beginn der Industrialisierung Innovationen gegeben, die bedeutende gesellschaftliche und politische Auswirkungen hatten.

Wiederum drei von ihnen will ich hier exemplarisch betrachten. Sie umfassen …

  • Die Druckerpresse
  • Die Dampfmaschine und
  • Das Internet

Die Druckerpresse und die Explosivkraft des Wissens für Alle

Johannes Gutenberg
Von Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert entwickelt, schaffte sie die Voraussetzung dafür, dass bisher kleinen Insider-Kreisen vorbehaltenes Wissen in großer Menge eine weite Verbreitung finden konnte.


Die Auswirkungen der Innovation “Druckerpresse“ wurden innerhalb von Jahrzehnten spürbar.

Begünstigt durch ein politisches Umfeld, in dem in der Folge vorausgegangener, katastrophaler Pestepidemien die weltliche Macht traditioneller Autoritäten geschwächt war, sahen wir als unmittelbare oder mittelbare Folgen weitreichende geistige und politische Bewegungen, wie …

  • Renaissance,
  • Humanismus,
  • Reformation,
  • Aufklärung

Dieser "Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit",wie es Immanuel Kant später einmal bezeichnen sollte, hatte neben den unbestreitbar positiven Effekten auch Nebenwirkungen, die Mitteleuropa in eine Katastrophe stürzen sollte, deren Folgen noch lange zu spüren waren.

Die neue Gedankenfreiheit rüttelte schließlich an göttlich empfundenen gesellschaftlichen Ordnungen. Gegenkräfte ließen nicht lange auf sich warten. In den schicksalhaften 30 Jahren zwischen Prager Fenstersturz und dem Westfälischen Frieden wurde Mitteleuropa weitgehend verwüstet. Dieser 30-jährige Krieg hat die Bevölkerung Mitteleuropas um etwa die Hälfte reduziert.

Die Dampfmaschine und der lange Schatten der Industriellen Revolution

James Watt
Verbunden mit dem Namen James Watt wurde die Dampfmaschine im 18. Jahrhundert entwickelt. Nach gängiger Lehre leitete sie damit die industrielle Revolution ein, den 1. Kondratjew-Zyklus.

Sie veränderte Arbeitsbedingungen und wirtschaftliche Strukturen nachhaltig, führte zu einer Welle der Urbanisierung. Die pro-Kopf-Einkommen in den USA beispielsweise verdoppelten sich während des 19 Jahrhunderts. Die Lebenserwartung in Großbritannien stieg von 40 auf 48, die Alphabetisierungsrate von 75% auf 97%.

Diese gesellschaftlichen Veränderungen wurden innerhalb weniger Generationen deutlich.

Aber auch diesmal hatten die wiederum unbestreitbar positiven Effekte ihre deutlichen Schattenseiten. Das infolge des Bevölkerungswachstums gestiegene Angebot preiswerter Arbeitskräfte wurde konsequent ausgenutzt. Soziale Ungleichheiten, Ausbeutung und die Entfremdung der Arbeiterklasse waren die Folge.

1867 publizierte Karl Marx Bd. I seines Hauptwerks “Das Kapital“. Er schaffte damit die theoretischen Grundlagen für Sozialismus und Kommunismus. Die Ursachen aber lagen in den durch eine Innovation ermöglichten gesellschaftlichen Spannungen und den dadurch freigesetzten politischen Kräften. Sie bewirkten Revolutionen, Gegenbewegungen und ideologische Konflikte, die noch heute spürbar sind.

Das Internet − die Infrastruktur für Kommunikation und Interaktion

Tim Berners-Lee
Seit den 1960er Jahren aus einem militärischen Bedarf heraus entwickelt und zivil zunächst im akademischen Bereich verwendet, hat das Internet nach Kondratjew einen 5. wirtschaftlichen Zyklus ausgelöst.

Es hat die Art und Weise, wie wir kommunizieren, Geschäfte machen und politische Bewegungen organisieren, tiefgreifend verändert.

Die Auswirkungen wurden relativ schnell, in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren, offensichtlich.

Per heute bietet es fast jedem Bürger den Zugang zum Wissen der Welt, zur Kommunikation mit Einzelpersonen, Interessengruppen und Unternehmen. Mehr noch als in der entwickelten Welt, hat es inzwischen einigen Milliarden Menschen in der sich noch entwickelnden Welt, wie in Indien oder China, die Teilnahme an gesicherten finanziellen Transaktionen und an der Interaktion mit Behörden und Unternehmen ermöglicht.

Die Kehrseite aber ist, dass es auch für Propaganda, Fake-News, Verschwörungstheorien, Hasstiraden verwendet wird. Zwar sind diese Bedrohungen für Gemeinwesen, deren Grundlage verlässliche Informationen sind, so alt wie die Menschheit. Neu aber ist die jetzt verfügbare Informationsmenge. Unsere mangelnde Vertrautheit mit einer gewissenhaften Quellenprüfung erweist sich hier als problematisch. Zunehmend überfordert die Fülle des Informationsangebots den einzelnen Bürger.

So reizt auch die Allgegenwart des Internets zur Überwachung und zur Manipulation durch Freund und Feind. Was einmal als der große und für offizielle Stellen nicht kontrollierbarer Freiraum begann, hat sich inzwischen zum bestüberwachten Kommunikations-Medium der Welt entwickelt. Staaten und Unternehmen, die einen nennenswerten Anteil der Internet-Infrastruktur betreiben haben dadurch eine enorme Macht über Staaten, Unternehmen und Bürger erhalten, die diese Infrastruktur nur nutzen. Wie zu erwarten, formieren sich auch hier wieder Gegenbewegungen. Deren Einfluss ist jedoch noch nicht absehbar. Das Rennen ist noch offen. Wir befinden uns mitten im Zentrum einer atemberaubenden Entwicklung.

Diese Innovationen zeigen, wie Technologie die sozialen und politischen Strukturen verändern kann, oft schneller, als Gesellschaften sich darauf vorbereiten (können).

Was bedeutet das für die Auswirkungen der KI?

Da wir uns bereits seit wenigen Jahren im Zeitalter der künstlichen Intelligenz befinden, habe ich anstandshalber zunächst auch die KI nach der Sicht auf ihre eigenen Belange befragt. Was also meint ChatGPT 4.0 dazu? − Geben wir dem Kollegen (ungeprompted) das Wort.

Die Frage war:

Wenn wir diese Erfahrungen auf die künstliche Intelligenz übertragen.
Was haben wir dann zu erwarten?

Die etwas ernüchternde Antwort ist im Folgenden zusammen mit meinen etwas flapsigen Kommentaren wiedergegeben:

  • Beim Übertragen dieser historischen Erfahrungen auf die künstliche Intelligenz (KI) können wir bedeutende gesellschaftliche und politische Veränderungen erwarten.

⇨ Ach, nee?

  • KI hat das Potenzial, Arbeitsmärkte durch Automatisierung umzugestalten, die Effizienz in vielen Sektoren zu steigern und die Art und Weise, wie wir Daten verarbeiten und Entscheidungen treffen, grundlegend zu verändern.

⇨ Dafür müssen wir nicht ChatGPT befragen

  • Die Auswirkungen könnten sowohl positive Aspekte wie verbesserte Lebensqualität und Gesundheitsversorgung als auch Herausforderungen wie Arbeitsplatzverluste und Datenschutzfragen umfassen.

⇨ Darauf wäre ich ja nie gekommen

  • Diese Veränderungen könnten relativ schnell sichtbar werden, da die Technologie sich rasch entwickelt und verbreitet.

⇨ Das stimmt wohl. Also, welche KI meinen wir denn nun?

Diese Antworten hätten wir auch spontan aus dem Mund eine mittelmäßigen Karrierepolitikers erhalten können. Vielleicht hätte sie auch der Lasch-O-Mat oder irgendein anderer Phrasengenerator liefern können. Da muss ich wohl, wieder frei nach Kant, den Mut haben, mich meines eigenen Verstandes zu bedienen.

ANI, AGI, ASI − KI ist nicht gleich KI

ANI - AGI − ASI, mit diesen drei Akronymen werden gern die Stufen einer erwarteten Entwicklung der künstlichen Intelligenz beschrieben. Dabei wird - Gegenkräfte unberücksichtigt - der folgende Verlauf erwartet.



Die drei aufgeführten Stufen seien im Folgenden kurz charakterisiert.

ANI − Artificial Narrow Intelligence

  • Auf spezifische Aufgaben hin trainierte Modelle, die darin aktuellen menschlichen Fähigkeiten bereits weit überlegen sein können.

  • Das ist die Position auf der die Entwicklung hier und jetzt angekommen ist. Ihr Einfluss wird bereits heute in Ansätzen spürbar, wird sich aber noch deutlich verstärken.

  • ANI wird Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig transformieren. Wir werden positiv wie negativ empfundene Wirkungen spüren, die denen der drei ausgewählten Innovationen gleichkommen, oder sie sogar noch übersteigen werden.

Schon auf dieser Stufe ist eine Technologiefolgenabschätzung eine fast unmögliche Aufgabe. Sie deswegen nicht anzugehen aber wäre ein sträfliches Versäumnis.

AGI − Artificial General Intelligence

  • Das ist der Zustand der populär als “Singularität“ bezeichnet wird. Dann werden Maschinen menschliches Niveau erreichen. Da kein Konsens darüber besteht, wie das genau zu definieren ist, füge ich hinzu "in allen intellektuellen und emotionalen Dimensionen".

  • Damit sollten sie das Niveau einer (seelenlosen) Maschine verlassen haben und zu einer neuen Lebensform mutiert sein, ein Schöpfungsakt also, bei dem wir ein Wesen nach unserem Ebenbild schaffen werden, falls das jemals möglich sein wird. Diese Wesen werden Bewusstsein haben, Rechte erhalten müssen & uns (leider) ähnlich sein.

  • Sie werden genauso klug sein wir ein durchschnittlicher Mensch, aber auch genauso dumm. Sie können dann unsere Partner sein, Assistenten oder Kollegen im Job − aber auch autonome Krieger. Und natürlich werden sie ihre eigene Weiterentwicklung auch selbst in die Hand nehmen, sich eigenständig reproduzieren können.

ASI − Artificial Super Intelligence

  • Eine ASI, vermutlich ein “Wesen“, steht per Definition weit über dem Niveau der menschlichen Intelligenz. Da wir kein Vorbild für solche Wesen haben, verzichte ich hier lieber auf eine weitere Beschreibung.

  • Völlig unklar ist auch, ob dieser Zustand grundsätzlich erreichbar ist. Ob er überhaupt wünschenswert ist, ist eine andere philosophische Frage. Einige anerkannte KI-Experten und erfolgreiche Buchautoren meinen, dass das nach oben offene ASI-Universum sehr schnell erreicht werden kann, sobald wir einmal auf dem AGI-Niveau angekommen sein werden. Dafür steht aber in der obigen Graphik der unschuldige Begriff "unknown breakthroughs". Es sind also noch fundamentale technische und vielleicht auch erkenntnistheoretische Fortschritte zu erreichen, deren Natur wir nicht einmal erahnen können, bevor überhaupt die AGI-Stufe erreicht werden kann.

  • Seit Jahrzehnten warnen prominente KI-Entwickler und Forscher davor, dass ihre eigenen Arbeiten diesen Homunkulus schaffen, der nach einem Heureka-Moment “It‘s alive, it’s alive!“ die Weltherrschaft übernehmen und uns alle vernichten oder zumindest derart nachlässig behandeln könnte, wie wir heute die uns umgebende Tierwelt der Wildnis.

    Ja, wenn diese Superwesen in der gleichen Weise sozialisiert sein werden, wie wir Menschen es im Verlauf unserer Evolution geworden sind, dann ist das eine valide Option, wenngleich keine sehr angenehme. Dieses Schreckensszenario ist natürlich reine Spekulation. Möglicherweise hat eine echte Superintelligenz aber auch ganz andere Prioritäten, Vielleicht wäre sie sogar die Rettung vor uns selbst.

ANI − Angespannt im Hier und Jetzt

Jobs − Werden wir alle arbeitslos werden?

Hören wir zunächst die Stimmen der anderen. Was sagen unsere anerkannten KI-Experten zu diesem Thema?

Raj Mukherjee

"Wir hatten es alles schon einmal.

Jede technologische Revolution hat zum Verlust von Arbeitsplätzen geführt.

Aber es entstehen neue Arbeitsplätze, und im Rahmen dieser KI-Revolution werden viele neue Arbeitsplätze entstehen."

Raj Mukherjee vertritt damit die allgemein vorherrschende Meinung. Nach diesem rosigen Zukunftsbild werden sich Menschen und Robots die Arbeit nach ihren Fähigkeiten aufteilen: interessante, erfüllende Aufgaben behalten wir Menschen uns vor. Alles ätzend Langweilige, Repetitive, Mechanische verbleibt bei den Bots.

Dieser Utopie sind allerdings spontan drei Caveats entgegen zu halten. Denn …

  • Schon heute hat die KI einen festen Platz in der Kreativ-Szene.

  • Gerade für einfache Aufgaben ist der Mensch einfach noch billiger zu haben.

  • Bei einigen “Bullshit Jobs“ mag man sich schlicht nicht eingestehen, dass das auch Maschinen leisten können. Hier muss noch ein Mensch “seinen Kopf hinhalten“.

Vielleicht wird die Entwicklung diesmal aber auch anders verlaufen.

Nach einer Analyse im Auftrag des IWF werden weltweit 40% der Jobs von KI “betroffen“ sein. In entwickelten Wirtschaften sollen es sogar rund 60% sein. Klassische Industriejobs werden sich danach durch den Einsatz von KI kaum ändern.

Akademiker und Büro-Angestellte im verarbeitenden Gewerbe aber werden von KI unterstützt werden. Dadurch werden weniger von ihnen benötigt werden. Andere Unternehmensaufgaben können komplett von KI übernommen werden.

Fundiertes und über jahrelanges Studium mühsam erworbenes Wissen ist dann keine Job-Garantie mehr. Solange die Schwelle zur AGI nicht überschritten wird, werden sicherlich an vielen Stellen unserer Wirtschaft und Verwaltung noch menschliche Arbeitskräfte benötigt werden. Es werden weniger sein als bisher. Dafür werden andererseits einige neue Stellen entstehen.

Nehmen wir aber an, dass AGI tatsächlich irgendwann einmal erreicht wird, dann wird es zwar noch etwas dauern. Aber irgendwann sind wir dann alle unsere Jobs los.

Inequality - Sie hat das Potential Gesellschaften zu sprengen

Hören wir zunächst die Stimmen der anderen. Was sagen unsere anerkannten KI-Experten zu diesem Thema?

Sam Altman


"Ich glaube, dass KI die größte Kraft für die wirtschaftliche Entfaltung sein wird.

Wir werden viel mehr Menschen reich werden sehen, als je zuvor."

Was wird aus den Anderen, stellt sich mir unwillkürlich die Frage, die “left behinds“, wie werden sie leben?

Ohne weitreichende Eingriffe in unser Lebens- und Wirtschaftsmodell wird die Anwendung der künstlichen Intelligenz vermutlich den ohnehin vorherrschenden Trend zu wirtschaftlicher Ungleichheit (Inequality) noch verstärken. Diese Ungleichheit wächst üblicherweise in politisch und wirtschaftlich ruhigen Zeiten an.

Sie kann ohne Intervention extreme Ausmaße annehmen und nur durch katastrophal einschneidende Ereignisse wie Seuchen, Kriege oder Revolutionen wieder reduziert werden. Dabei wächst die wirtschaftliche Ungleichheit innerhalb nationaler Gesellschaften wie auch unter den Nationen, wenn diese nicht mit Mitteln dagegen ankämpfen, die von überzeugten Markwirtschaftlern als unfair empfunden werden.

Extreme wirtschaftlicher Ungleichheit kann zu sozialen Unruhen und wirtschaftlicher Ineffizienz führen. Sie hat das Potential Gesellschaften zu sprengen. Wie bei früheren Innovationen wird es politische Antworten auf solche technik-induzierten Verwerfungen geben müssen.

Im Unterschied zu früher wird uns allerdings wenig Zeit zur Verfügung stehen, die Herausforderung zu adressieren. Wir haben sie noch nicht einmal allgemein als Gefahr erkannt.

Veränderungen in Kultur & Gesellschaft

"The future is here − it is just not equally distributed" wird der Science Fiction Autor William Gibson gerne zitiert. Das heißt, wenn wir wissen wollen, wie es in (naher) Zukunft bei uns aussehen wird, müssen wir uns nur umsehen. In einigen, wenigen avantgardistischen Ecken und Winkeln unserer Gesellschaft werden wir fündig werden und Anschauungsmaterial für einen Blick in unsere eigene Zukunft entdecken.

Yann LeCun, KI-Experte bei Meta sieht in der KI die Zukunft der Kommunikation: "Wir werden ständig mit diesen KI-Assistenten sprechen. Unsere gesamte digitale Kommunikation wird durch KI-Systeme vermittelt werden." Bleibt dann die ohnehin schon schwierige Kommunikation zwischen Menschen dabei auf der Strecke? Nun, sie wird in diesem Szenario zwangsläufig seltener stattfinden. Hoffentlich kommen wir dann nicht aus der Übung.

Scott Adams, der bekannte Autor der beliebten Dilbert-Cartoons sieht gar das Geschlechterverhältnis gestört. Aus seiner (männlichen) Perspektive werden sich Männer in Zukunft eher pflegeleichten digitalen Freundinnen zuwenden: “The girlfriend Singularity is here. Human women had a good run.“

Das mag uns noch reichlich weit hergeholt erscheinen. Dennoch unsere Interaktion wird sich verändern. Eher fragwürdige Angebote in diesem Kontext gibt es bereits. Offenbar steht uns eine Reise ins Unbekannte bevor.

Eine weitere Frage, mit der wir uns beschäftigen müssen ist die wie wir mit dem Verlust eines Berufs umgehen werden, der uns ausfüllt, stolz macht, aus dem wir unser Selbstwertgefühl beziehen. Ist ein Leben ohne Aufgabe sinnlos? Wird sinkender Selbstwert durch Job-Verlust zu einem Massenphänomen werden?

Das vieldiskutierte bedingungslose Grundeinkommen wird möglicherweise notwendig werden. Solange unsere gesellschaftliche Stellung aber berufszentriert ist, und ebenso wie unser Selbstwert darüber definiert wird, wird es das Problem des Jobverlusts jedoch nicht lösen.

In unserem Leben werden andere Werte Bedeutung erlangen müssen. Vielleicht sollten wir uns nach Existenzen in anderen, fremden Kulturen oder am Rande unserer eigenen Gesellschaften umsehen, für die Arbeit nie der Lebensmittelpunkt war und die dennoch in der Lage waren ein gutes Leben zu führen.

Wir werden den Sinn des Lebens neu definieren müssen.

Ausblick auf AGI & ASI - Welche Entwicklungen werden erwartet?

Hier betreten wir unbekanntes Terrain. Es beginnt das Gebiet der puren Spekulation. Diese haben bereits einige namhafte KI-Experten für mich unternommen. Lassen wir einmal vier von Ihnen zu Wort kommen.

Elon Musk


"Wir werden zum ersten Mal etwas haben, das intelligenter ist als der intelligenteste Mensch.

Es ist schwer zu sagen, wann genau das sein wird, aber es wird ein Punkt kommen, an dem keine Arbeit mehr nötig ist."

Yuval Noah Harari

"Möglicherweise sprechen wir über das Ende der menschlichen Geschichte - das Ende der vom Menschen beherrschten Periode."


Paul Christiano


"Ich denke, es besteht eine 10- bis 20-prozentige Chance, dass die KI die Macht übernimmt, wobei viele, die meisten Menschen sterben werden."

Geoffrey Hinton

Die Menschheit ist nur eine vorübergehende Phase der evolutionären Intelligenz.

Wird eine Artificial Super Intelligence (ASI) mit der Menschheit verfahren, wie wir heute mit der Tierwelt?

Ist sie gar für den aus dem Fermi-Paradox resultierenden "Großen Filter" verantwortlich, der bisher verhindert hat, dass Außerirdische mit uns in Kontakt traten (weil sie allesamt von ihrer eigenen KI bereits vorher ausgeschaltet worden sind).

Es stellen sich also spannende philosophische Fragen. Persönlich halte ich es eher mit Kai-Fu Lee, Buchautor, Ex-Google China Chef & Gründer des Start-ups 01.AI: "Die Singularität ist noch lange nicht unser Problem".

Aber wir müssen uns mit den unmittelbaren Folgen eines breiten Einsatzes künstlicher Intelligenz befassen, mit Vermögenskonzentrationen, möglicherweise Massenarbeitslosigkeit und mit dem Verlust eines natürlichen Selbstverständnisses, dass auf dem eigenen Schaffen von Werten beruhte.

Wenn wir tatsächlich an der Schwelle einer Entwicklung angekommen sind, die die Welt in der wir arbeiten und leben nachhaltig verändern wird, ist es jetzt an der Zeit sich Gedanken um die Folgen für Jobs, Kultur und Gesellschaft zu machen.

Wie im Kielwasser der großen Innovationen der Vergangenheit wird es politische Antworten auf die neuen wirtschaftlichen Konstellationen geben müssen.

Anders als früher wird uns allerdings nicht viel Zeit für eine angemessene Reaktion bleiben. Und es wird politische Antworten geben, ob wir jetzt handeln oder nicht. Es wäre daher gut, sich jetzt über das "wie" Gedanken zu machen, um wenigstens die Chance einer Steuerung der Entwicklung zu haben.

2024-03-18

Can We Still Afford Waging Wars?


"Anyone who has ever gazed into the glassy eyes of a soldier dying on the battlefield will think twice before starting a war."

These words are attributed to Otto von Bismarck. Given his political toughness, determination, and ability to enforce during his tenure as Prime Minister of Prussia and later as the first Chancellor of the German Empire, earning him the moniker "The Iron Chancellor," he was not known for sentimentality. Power politics was not an alien concept to him.

The current head of the Foreign Office, established by Bismarck, Foreign Minister Annalena Baerbock, who renamed the so-called Bismarck Room and removed a painting depicting the Chancellor, seems decidedly more bellicose. That our top diplomat saw Germany already at war with Russia could be dismissed as a slip of the tongue.

Yet, signals are mounting that we may already be on the brink of a pre-war era. At a closed security conference in November 2023, a former senior European official even questioned whether World War III might have already begun, noting that not all belligerents had entered World War II at the same time. The unspoken reference to the multinational conflict at our doorstep, which seems to have no end in sight yet harbours enormous escalation potential, was understood by all present.

The Enthusiasm for War

The political class's fervour for war across nearly all German parties and much of Europe is unmistakable.

On February 28, 2024, the newsletter Europe.Table reported a new strategy by the EU Commission, marking a "paradigm shift towards a war economy."

Shortly before, French President Emmanuel Macron stated that the deployment of Western ground troops to Ukraine could not be "excluded."

Outspoken hawks like Anton Hofreiter of the formerly pacifistic party "BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN," who supported the delivery of offensive weapons to Ukraine, are evident.

FDP defence politician Strack-Zimmermann expressed "astonishment" when the German Chancellor clearly rejected the delivery of Taurus cruise missiles to Ukraine, eliciting criticism from other parties.

Not just in Europe: In early 2023, Victoria Nuland, the third-highest U.S. diplomat, encouraged Ukrainian forces to continue attacking Russian military bases in Crimea, at the expense of Ukrainian and Russian populations. Even former U.S. President Donald Trump called her a warmonger, contributing to our closeness to a Third World War like never before.

It's noticeable that those advocating for further escalation of this proxy war have not experienced war themselves. They likely cannot imagine the horrors it entails, horrors that deeply scar all involved, burdening individuals for life and passing through generations.

Or, as Harald Kujat, a retired general of the German Air Force, former Inspector General of the Bundeswehr, and Chairman of the NATO Military Committee, describes the debates on weapons in Germany:

"There are people on German television with ten minutes of speaking time accusing the Chancellor of lying, who cannot tell a rifle from a cucumber."

The Lure of Wars

In 1911, Norman Angell, a Nobel Peace Prize laureate in 1933, published a ground-breaking book titled "The Great Illusion," arguing that war had become economically senseless. He believed that the interconnectedness of nations through trade and finance would prevent major conflicts.

His central thesis was that nations would not derive economic benefit from war, as it would disrupt global trade and prosperity.

Angell never declared war impossible, but his ideas resonated and influenced later discussions about war, peace, and conflict. His assumptions were based on a "chivalrous" treatment of defeated peoples, rooted in the Peace of Westphalia established in 1648, which lasted about 150 years. Apparently forgotten were the earlier, more archaic forms of war, where only one could survive, and genocide was a logical outcome.

Later, even Angell himself had doubts, and when 12 foreign ministers from Canada, the United States, and ten Western European countries signed the North Atlantic Treaty in Washington on April 4, 1949, founding NATO, Angell, by then knighted, supported the collective defence pact despite his pacifist background.

Wars seem to pay off, and as John Mearsheimer articulates in his widely cited book "The Tragedy of Great Power Politics," they are occasionally inevitable.

But is the damage not greater than the benefit?

And then there's the greatest of all technological threats. Martin Hellman, cryptography pioneer, co-inventor of the Diffie-Hellman algorithm, Turing Prize winner, and advocate for world peace, says: If we continue to wage wars, it's only a matter of time until nuclear bombs explode.

The "Mutually Assured Destruction" (MAD) doctrine, where superpowers possess enough nuclear arsenal to completely annihilate each other, was supposed to offer sufficient deterrence and lead to stability. The nuclear deterrence theory maintained

 a kind of balance of terror during the Cold War between the USA and the Soviet Union. Without the MAD threat, however, these weapons of mass destruction were recklessly used, as proven by the atomic bombings of Hiroshima and Nagasaki in August 1945, resulting in an immediate loss of about 200,000 lives.

MAD may have prevented nuclear wars, but wars continued to be waged below the nuclear threshold. The United States, protected by two large oceans and bordered by far weaker states to the north and south, last experienced war on its territory on December 7, 1941, with the Japanese attack on Pearl Harbor, Hawaii. Before that, it was during the War of 1812 between the USA and Great Britain and its colonies.

The temptation to wage wars is apparently great when one's own territory is unaffected. It's a cynical argument, but does the benefit outweigh the potential harm? At least for the arms industry, as evidenced by the United States, it seems to. U.S. arms manufacturers have the largest market share in the world. Forty companies from the United States are listed in the SIPRI list of the world's largest arms manufacturers, generating almost $300 billion in 2021, roughly half of the global revenue in the arms trade. For some stakeholders, wars thus pay off.

This also applies to wars that result in the annexation of territories promising strategic benefits, whether military or economic. Genocide is not a goal, at least not an avowed goal anymore, but a tolerated collateral damage. Ethnic cleansings as a result of wars continue. Whether it's our NATO partner Turkey in Syria, or its allied regime in Azerbaijan with the conquered Armenians, criticism is only expected from those who fall out of favor for other reasons. Wars still pay off if carefully dimensioned, camouflaged, justified, and conducted at the opportune moment.

But does this still hold true for larger conflicts, where an attacker can expect worldwide impairments or even damage on their own territory? We now rely on a vulnerable global infrastructure whose failure would end civilian life as we know it.

In February 2024, there was heated discussion about an anti-satellite space weapon that Russia allegedly developed, which could potentially destroy the low Earth orbit for everyone.

"If someone dares to detonate a nuclear weapon in the high atmosphere or even in space, it would be more or less the end of the usability of these global commons," said Major General Michael Traut, responsible for Germany's military space command, according to Politico Europe. "No one would survive such an action - no satellite, whether Chinese, Russian, American, or European." In such a case, satellites currently orbiting the Earth would turn into debris, creating dense fields of wreckage.

However, the civilian everyday life of the population on Earth, with telephones, computers, navigation, television, energy supply, and dependent services, in turn, depends on functioning satellites. Satellites thus constitute global, critical infrastructure. They are currently unprotected, perhaps even undefendable.

But what about critical infrastructure on Earth, i.e., the facilities, systems, services, and networks crucial for a society's functioning? They typically include:

  1. Energy supply: Power plants, electricity grids, oil and gas pipelines.

  2. Transportation: Airports, ports, railways, roads, and bridges.

  3. Communication: Telecommunication networks, internet infrastructure, satellite communication.

  4. Water and wastewater: Water treatment plants, sewage networks.

  5. Healthcare: Hospitals, emergency services, medical facilities.

  6. Finance: Banks, stock exchanges, payment processing infrastructure.

  7. Government facilities: Government offices, defence installations, data centres.

  8. Food and agriculture: Food production, warehouses, food distribution.

Apparently almost the entire infrastructure is to be considered as critical infrastructure. Its failure or impairment can have serious consequences.

Governments, businesses, and international organizations officially see the security and protection of critical infrastructure as a priority to ensure a society's well-being. This is already inadequately achieved in peacetime. We are far from comprehensive resilience, i.e., resistance to threats.

That the critical infrastructure of advanced industrial nations can still be effectively protected in a war scenario on their own territory is simply unimaginable. Our globally interconnected economy is easily vulnerable, our global supply chains sensitive and prone to disruption, our worldwide communication strands easy to interrupt.

Threats to the global supply chains we depend on are already diverse. They range from natural disasters to political instability to technical failures and pandemics. Some of the main threats are:

  1. Natural disasters like earthquakes, hurricanes, floods, and wildfires can block transport routes, damage infrastructure, and disrupt trade. Hurricanes like Katrina and Sandy, earthquakes like the Tōhoku earthquake in Japan, and wildfires in Australia and California have blocked transport routes, damaged infrastructure, and destroyed production facilities.

  2. Pandemics, health crises, disease outbreaks can lead to supply chain disruptions, as we recently experienced with the COVID-19 pandemic. It led to production shutdowns, factory closures, transport interruptions, labour shortages, and a huge increase in demand for certain products like medical equipment and household goods.

  3. Cyberattacks, whether criminal or politically motivated hacker attacks on information systems and logistics networks, can disrupt the operation of supply chains, cause data breaches, and compromise security.

  4. Political instability, local conflicts, terrorism, political unrest, and trade disputes can lead to border closures, sanctions, trade embargoes, and other restrictions.

So, the trade disputes between the USA and China and other countries led to tariff increases, trade embargoes, and uncertainties that affected international trade.

A recent attack on the German railway system severely disrupted the already fragile train traffic between Berlin and Hamburg.

On February 24, 2024, at least three undersea cables off the coast of Yemen were severed, disrupting worldwide internet and telephone connections. The cable Asia-Africa-Europe 1 (AAE1), also used by the German internet node operator DE-CIX, was cut. It is suspected that a cargo ship sunk by local Houthi rebels during wartime conflict severed the cable.

Conflicts are listed here only incidentally last. In reality, they can have the most significant impact. Even below the threshold of a large war, we thus have to accept massive economic losses and decreases in prosperity and quality of life, but also in human lives. The impairments in conflicts where one warring party can use clear military superiority remain limited, affecting the defeated or those uninvolved in the conflict or even taken as a price for victory.

The threshold to a large war can easily be crossed, whether intentionally or from an unforeseen "compulsion." Such a conflict with global implications has been looming for a quarter of a century; since China and the USA lost their common enemy with the collapse of the Soviet Union and the USA felt threatened by China in its role as a global hegemon.

This increasingly escalating conflict between the two countries already shows many signs of a Cold War. The parallels to the situation before World War I, when the then unchallenged world power England felt threatened by the rising, united Germany, are unmistakable. Just as easily as back then and without further conscious decisions, the "cold" war can become a "hot" war - the 3rd World War.

Even if this war, out of fear of mutual total annihilation, were fought exclusively with so-called "conventional" weapons, we must expect the collapse of entire economic spaces and civil society in larger geographical areas, associated with a very significant decrease in population. No one has yet explained how and for whom such a conflict could still "pay off."

The basic assumption that it would remain at "conventional" engagements could just as easily prove erroneous. Before a nuclear power admits defeat, it might indeed resort to the extreme, following the motto: "If we must go down, then please with a big bang. And then we'll take as many with us into our grave as we can."

In this context, Albert Einstein is often quoted as saying, "I know not with what weapons World War III will be fought, but World War IV will be fought with sticks and stones."

Can we really still afford waging wars?


Können wir uns Kriege noch leisten?

 


Jeder, der einmal einem auf dem Schlachtfeld sterbenden Soldaten in die glasigen Augen geschaut hat, denkt künftig zweimal nach, bevor er einen Krieg beginnt. “

Diese Worte werden Otto von Bismarck zugeschrieben. Aufgrund seiner politischen Härte, Entschlossenheit und Durchsetzungsfähigkeit während seiner Amtszeit als Ministerpräsident von Preußen und später als erster Reichskanzler des Deutschen Reiches erhielt er auch den Beinamen der "Eiserne Kanzler". Ihm kann mithin kein besonderer Hang zur Sentimentalität nachgesagt werden. Machtpolitik war ihm kein Fremdwort. 

Die heutige Hausherrin im Auswärtigen Amt, das von Bismarck gegründet wurde, Außenministerin Annalena Baerbock, die das sogenannte Bismarck-Zimmer umbenannt und ein den Reichskanzler darstellendes Gemälde abhängen ließ, gibt sich da deutlich kriegerischer. Dass unsere Top-Diplomatin etwas undiplomatisch Deutschland bereits im Krieg mit Russland sah, konnte noch als Versprecher abgetan werden.

Dennoch mehren sich die Signale, die darauf hindeuten, dass wir uns möglicherweise bereits wieder in einer Vorkriegszeit befinden. Auf einer nichtöffentlichen Sicherheitskonferenz im November 2023 hatte ein ehemaliger hoher Europa-Beamter gar die Frage gestellt, ob der dritte Weltkrieg möglicherweise bereits begonnen hätte. Denn auch in den zweiten Weltkrieg seien nicht alle Kriegsparteien gleichzeitig eingetreten. Der unausgesprochene Bezug auf den Multinationenkonflikt direkt vor unserer Haustür, für den niemand eine Hoffnung auf ein baldiges Ende hegt, der andererseits ein enormes Eskalationspotential hat, wurde von allen Anwesenden verstanden.

Die große Kriegsbegeisterung

Die Kriegs Begeisterung der politischen Klasse durch fast alle Parteien Deutschlands und großer Teile Europas ist unverkennbar. 

So vermeldete der Newsletter Europe.Table am 28. Februar 2024 eine neue Strategie der EU-Kommission, einen „Paradigmenwechsel hin zur Kriegswirtschaft“.

Kurz zuvor hatte der französische Präsident Emmanuel Macron erklärt, dass die Entsendung westlicher Bodentruppen in die Ukraine nicht "ausgeschlossen" werden könne. 

Ausgemachte Scharfmacher gibt es mit Anton Hofreiter sowohl in der ehemals pazifistisch orientierten Partei der „BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN“, der beispielsweise die Lieferung von Offensiv-Waffen and die Ukraine befürwortet

Auch die FDP-Verteidigungspolitikerin Strack-Zimmermann zeigt sich „fassungslos“, als der deutsche Bundeskanzler einer Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine eine klare Absage erteilt. Auch von anderen Parteien kommt Kritik

Natürlich nicht nur in Europa: Anfang 2023 ermunterte beispielsweise Victoria Nuland, die dritthöchste US-Diplomatin, die ukrainischen Streitkräfte dazu, weiterhin russische Militärstützpunkte auf der Krim anzugreifen - auf Kosten der ukrainischen und russischen Bevölkerung. Selbst der ehemalige US-Präsident Donald Trump nannte sie daraufhin eine Kriegstreiberin, die dazu beitrüge, dass wir einem Dritten Weltkrieg noch nie so nah wären, wie jetzt.

Es fällt auf, dass sich im Wesentlichen Personen für eine weitere Eskalation dieses Stellvertreterkriegs stark machen, die selber keinen Krieg erlebt haben. Sie können sich vermutlich keine Vorstellung von den damit einhergehenden Schrecken machen. Das sind Schrecken, die sich tief in die Seelen aller Betroffenen eingraben, diese Menschen ihr Leben lang nachhaltig belasten und über Generationen weitergegeben werden.

Oder, wie Harald Kujat, General a.D. der deutschen Luftwaffe, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzender des Nato-Militärausschusses die Debatten, die hierzulande über Waffen geführt werden, beschreibt:

"Da sind Leute im deutschen Fernsehen mit zehn Minuten Redezeit, die den Bundeskanzler der Lüge bezichtigen, die nicht mal ein Gewehr von einer Gurke unterscheiden können."

Auch ein weiteres Muster fällt ins Auge, das den meisten Kriegen zu eigen ist: Die Mehrheit der Deutschen lehnt Taurus-Lieferung an die Ukraine ab, schrieb die Die ZEIT am 7. März 2024.

Laut einer Umfrage sind danach 62 Prozent der Deutschen in Sorge, dass Deutschland durch die Lieferung von Taurus-Raketen direkt in den Krieg Russlands gegen die Ukraine hineingezogen werden könnte. 

Es ist ein schon oft beobachtetes Phänomen, das die Beteiligung an Kriegen, in den Völkern weniger populär war und ist als bei deren Führern. Intuitiv ist diese Zurückhaltung unmittelbar nachvollziehbar: Es ist schließlich der sprichwörtliche kleine Mann aus dem Volke, der dafür im Zweifel seine körperliche und mentale Gesundheit oder gar sein Leben einsetzen muss, oft das seiner Familie ebenso. Es sind nicht die Führer, die ihren Kopf hinhalten müssen.

Wie der angesehene amerikanische Politikwissenschaftler und international renommierte Experte für Internationale Beziehungen John Mearsheimer in seinem Buch "Why Leaders Lie: The Truth About Lying in International Politics" darlegt, belügen die gewählten Führer von Staaten ihr Volk oft, um es für eine Unterstützung eines Kriegseintritts zu gewinnen.

Danach sind Lügen ein integrales Element der internationalen Politik: Mearsheimer argumentiert, dass Lügen ein häufiges und notwendiges Mittel sind, das von politischen Führern verwendet wird, um ihre Ziele zu erreichen und die Interessen ihres Landes zu verteidigen. Er betont auch, dass Lügen oft als legitim angesehen werden, wenn sie im nationalen Interesse liegen.

Haben wir unsere Volksvertreter dafür gewählt, dass sie uns „zu unserem Besten“ belügen? Demokratie hatte ich mir einmal anders vorgestellt. Dass speziell in Krisenzeiten eine transparente Regierungsarbeit behindert und damit ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Volk und Volksvertreter beschädigt werden musste der Deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz unlängst erfahren, als er nach einem Bürgerdialog von NATO-Partnern des Geheimnisverrats bezichtigt wurde.

Lohnen sich Kriege eigentlich?

Im Jahr 1911 veröffentlichte Norman Angell, Friedensnobelpreisträger von 1933, ein bahnbrechendes Buch mit dem Titel "The Great Illusion". Darin vertrat er die Ansicht, dass Krieg wirtschaftlich sinnlos geworden sei. Er glaubte, dass die Verflechtung der Nationen durch Handel und Finanzen große Konflikte verhindern würde.

Seine zentrale These lautete, dass die Nationen keinen wirtschaftlichen Nutzen aus einem Krieg ziehen würden, da er den globalen Handel und Wohlstand stören würde. 

Angell ausdrücklich erklärte nie, dass Krieg unmöglich geworden sei. Seine Ideen trafen damals einen Nerv der Zeit und hatten einen starken Einfluss auf spätere Diskussionen über Krieg, Frieden und Konflikte. Seinen Argumenten lag die unausgesprochene fundamentale Annahme eines „ritterlichen“ Umgangs der Sieger mit den besiegten Völkern zugrunde. Diese Annahme hatte ihre Wurzeln in der Westfälische Friedensordnung, die im Jahr 1648 durch die beiden Friedensverträge von Münster und Osnabrück geschaffen wurde und etwa 150 Jahre lang Bestand hatte. Vergessen waren offenbar die früheren, archaischeren Formen des Kriegs von Volk gegen Volk, bei dem nur eines überleben konnte und der Genozid das logische Ergebnis war.

Später kamen dem idealistischen Pazifisten Norman Angell selber Zweifel und als 12 Außenminister aus Kanada, den Vereinigten Staaten und zehn westeuropäischen Staaten am 4. April 1949 in Washington zusammenkamen um den Nordatlantikvertrag zu unterzeichnen und damit die NATO zu gründen, unterstützte, der inzwischen zum Sir geadelte, Norman Angell trotz seines pazifistischen Hintergrunds den kollektiven Verteidigungspakt.

Kriege scheinen sich offenbar nach wie vor zu lohnen. Und wie wiederum John Mearsheimer in seinem vielzitierten Buch „The Tragedy of great Power Politics“ in seiner geschlossenen Logik der Großmachtpolitik schließt, sind sie sogar gelegentlich unvermeidlich.

Aber ist der Schaden nicht größer als der Nutzen?

Und dann ist da noch die größte aller technologischen Bedrohungen. Martin Hellman, Kryptografie-Koryphäe, Miterfinder des Diffie-Hellman-Algorithmus, Turing-Preisträger und Vorkämpfer für den Weltfrieden meint: Wenn wir weiterhin Kriege führen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Atombomben explodieren.

Dabei hieß es doch immer, dass die "Mutually Assured Destruction" (MAD), also die gegenseitig gesicherte Vernichtung, bei der Supermächte ein ausreichendes Arsenal an Atomwaffen besitzen, um sich gegenseitig vollständig zu vernichten, ausreichend Abschreckungspotential bieten würde, und zu Stabilität zu führen. Tastsächlich hatte die nukleare Abschreckungstheorie während des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion, zu einer Art Gleichgewicht des Schreckens geführt. Ohne die MAD-Drohung jedoch wurden diesen Massenvernichtungswaffen hingegen bedenkenlos eingesetzt, wie die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 beweisen, die zu einem unmittelbaren Verlust von etwa 200.000 Menschenleben führten.

MAD mag Atomkriege verhindert haben. Es wurden jedoch munter weiter Kriege geführt, halt unterhalb der Schwelle des Einsatzes von Nuklearwaffen. Allein die Vereinigten Staaten von Amerika haben angeblich seit ihrer Gründung am 4. Juli 1776 nur 13 Jahre ohne Krieg verbracht. Durch zwei große Ozeane geschützt und im Norden, wie im Süden von weit unterlegenen Staaten begrenzt, haben sie zum letzten Mal am 7. Dezember 1941 mit dem Angriff der japanischen Streitkräfte auf Pearl Harbor, Hawaii Krieg mit einem anderen Staat auf ihrem eigenen Staatsgebiet erlebt. Davor war es zum letzten Mal während des Kriegs von 1812 zwischen den USA und Großbritannien und seinen Kolonien.

Die Verlockung, Kriege zu führen ist offenbar dann groß, wenn das eigene Territorium davon nicht beeinträchtigt wird.  Es fällt schwer, so zynisch nüchtern zu argumentieren, aber überwiegt dann der Nutzen über den möglichen Schaden? Zumindest für die Waffenindustrie scheint das in dem oben angeführten Beispiel USA zuzutreffen. Rüstungskonzerne aus den USA haben den bei Weitem größten Weltmarktanteil. Vierzig Unternehmen aus den Vereinigten Staaten finden sich in der Sipri-Liste der weltgrößten Waffenhersteller. Zusammen erwirtschafteten sie 2021 fast 300 Milliarden US-Dollar, mithin etwa die Hälfte der weltweiten Umsätze im Waffengeschäft. Für einige Beteiligte lohnt es sich also.

Das gilt auch für Kriege, in deren Folge Gebiete annektiert werden, die strategischen Nutzen versprechen, sei es militärischer oder wirtschaftlicher Natur. Völkermord ist kein Ziel, zumindest kein erklärtes Ziel mehr, wohl aber ein tolerierter Kollateralschaden. Ethische Säuberungen als Ergebnis von Kriegen werden munter weiter betrieben. Ob es unser NATO-Partner Turkey in Syrien, oder dessen verbündetes Regime in Aserbaidschan mit den eroberten Armeniern betreibt, Tadel dafür muss nur befürchten, wer aus anderen Gründen in Ungnade fällt. Auch hier lohnen sich Kriege also noch, wenn sie sorgfältig dimensioniert, getarnt, gerechtfertigt und zum geeigneten Zeitpunkt durchgeführt werden.

Aber stimmt das auch noch für größere Konflikte, solche bei denen ein Angreifer mit weltweiten Beeinträchtigungen oder gar mit Schäden auf dem eigenen Territorium zu rechnen hat? Sind wir nicht inzwischen auf eine störanfällige globale Infrastruktur angewiesen, deren Ausfall dem zivilen, bürgerlichen Leben, wie wir es kennen ein Ende bereiten würde?

Im Februar 2024 gab es eine aufgeregte Diskussion über eine Anti-Satelliten-Weltraumwaffe, die Russland angeblich entwickelt, und die möglicherweise den erdnahen Orbit für alle zerstören könnte.

"Wenn es jemand wagt, eine Atomwaffe in der hohen Atmosphäre oder sogar im Weltraum zu zünden, wäre das mehr oder weniger das Ende der Nutzbarkeit dieser globalen Gemeinschaftsgüter", sagte dazu Michael Traut, der für das militärische Raumfahrtkommando Deutschlands zuständige Generalmajor, dazu laut Politico Europe. "Niemand würde eine solche Aktion überleben - kein Satellit, weder chinesisch noch russisch, weder amerikanisch noch europäisch." In einem solchen Fall würden Satelliten, die jetzt auf einer Umlaufbahn ihre Kreise um die Erde ziehen, zu Schrott werden. Es würden dichte Trümmerfelder entstehen. 

Jedoch hängt der bürgerliche Alltag der Bevölkerung auf der Erde mit Telefon, Computer, Navigation, Fernsehen, Energieversorgung und den davon abhängigen Diensten seinerseits von funktionierenden Satelliten ab. Satelliten zählen damit zur globalen, kritischen Infrastruktur. Sie sind aktuell ungeschützt, vielleicht auch gar nicht schützbar.

Aber wie sieht es mit der kritischen Infrastruktur auf der Erde aus, also mit den Einrichtungen, Systemen, Dienstleistungen und Netzwerken, die für das Funktionieren einer Gesellschaft von entscheidender Bedeutung – eben kritisch - sind. Typischerweise umfassen sie:

  1. Energieversorgung: Kraftwerke, Stromnetze, Öl- und Gasleitungen.

  2. Transportwesen: Flughäfen, Häfen, Eisenbahnen, Straßen und Brücken.

  3. Kommunikation: Telekommunikationsnetze, Internetinfrastruktur, Satellitenkommunikation.

  4. Wasserver- und Abwasserentsorgung: Wasseraufbereitungsanlagen, Kanalisationsnetze.

  5. Gesundheitswesen: Krankenhäuser, Notfalldienste, medizinische Versorgungseinrichtungen.

  6. Finanzwesen: Banken, Börsen, Zahlungsabwicklungsinfrastruktur.

  7. Regierungseinrichtungen: Regierungsbüros, Verteidigungsanlagen, Rechenzentren.

  8. Ernährung und Landwirtschaft: Lebensmittelproduktion, Lagerhäuser, Lebensmittelverteilung.

Kritisch ist offenbar fast die gesamte Infrastruktur. Ihr Ausfall oder eine Beeinträchtigung kann schwerwiegende Folgen haben.

Regierungen, Unternehmen und internationalen Organisationen sehen mithin offiziell Sicherung und der Schutz der kritischen Infrastruktur als vorrangig an, um das Wohlergehen einer Gesellschaft zu gewährleisten. Das gelingt schon in Friedenzeiten nur unzulänglich. Vor einer durchgehend hinlänglichen Resilienz, also Widerstandsfähigkeit gegenüber Bedrohungen sind wir weit entfernt. 

Dass die kritische Infrastruktur hochentwickelter Industrienationen in einem Kriegsszenarien auf eigenem Territorium noch wirksam zu schützen sein kann, ist schlicht nicht vorstellbar. Unsere global vernetzte Wirtschaft ist leicht verletzlich, unsere weltweiten Lieferketten sensibel und störanfällig, unsere weltweiten Kommunikationsstränge leicht zu unterbrechen.

Allein die Bedrohungen für die globalen Lieferketten, von denen wir so abhängig sind, sind bereits vielfältig. Sie reichen von Naturkatastrophen über politische Instabilität bis hin zu technischem Versagen und Pandemien. Einige der Hauptbedrohungen sind:

  1. Naturkatastrophen wie Erdbeben, Wirbelstürme, Überschwemmungen und Waldbrände können Transportwege blockieren, Infrastruktur beschädigen und den Handel beeinträchtigen. So haben Wirbelstürme wie Hurricane Katrina und Superstorm Sandy, Erdbeben wie das Tōhoku-Erdbeben in Japan und Waldbrände wie in Australien und Kalifornien Transportwege blockiert, Infrastruktur beschädigt und Produktionsanlagen zerstört.

  2. Pandemien, Gesundheitskrisen, Ausbrüche von Krankheiten können zu Unterbrechungen von Lieferketten führen, wie wir es mit der wie COVID-19 Pandemie vor Kurzem erst erlebt haben. Sie führte zu Produktionsausfällen, Werksschließungen, Transportunterbrechungen, Arbeitskräftemangel und einem enormen Anstieg der Nachfrage nach bestimmten Produkten wie medizinischer Ausrüstung und Haushaltswaren.

  3. Cyberangriffe, egal ob krimineller Natur oder als politisch motivierte Hackerangriffe auf Informationssysteme und Logistiknetzwerke können den Betrieb von Lieferketten stören, Datenlecks verursachen und die Sicherheit gefährden.

  4. Politische Instabilität, lokale Konflikte, Terrorismus, politische Unruhen und Handelsstreitigkeiten können zu Grenzschließungen, Sanktionen, Handelsembargos und anderen Einschränkungen führen. 

So führten die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie anderen Ländern zu Zollerhöhungen, Handelsembargos und Unsicherheiten, die den internationalen Handel beeinträchtigten.

Bei einem Anschlag auf die Deutsche Bahn waren zuletzt an drei Stellen im Hamburger Stadtgebiet Kabelschächte an Bahnstrecken in Brand gesetzt worden. Dazu tauchte dann auf einer linksradikalen Plattform ein Bekennerschreiben auf. Der Sabotageakt störte den ohnehin sehr fragilen Zugverkehr zwischen Berlin und Hamburg massiv.

Am 24. Februar 2024 wurden vor der Küste Jemens mindestens drei Unterseekabel gekappt, die für weltweite Internet- und Telefonverbindungen genutzt werden. Durchtrennt wurde etwa das Kabel Asia-Africa-Europe 1 (AAE1), das auch vom deutschen Internetknoten-Betreiber DE-CIX verwendet wird. Es wird vermutet, dass ein im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen von den lokalen Huthi-Rebellen versenktes Frachtschiff das Seekabel durchtrennt hat.

Konflikte stehen hier nur zufällig an letzter Stelle. Tatsächlich können sie die weitaus größten Auswirkungen haben. Bereits unterhalb der Schwelle eines großen Kriegs haben wir also massive wirtschaftliche und Verluste an Wohlstand und Lebensqualität, aber auch von Menschenleben hinzunehmen. Die Beeinträchtigungen in Konflikten, bei der eine Kriegspartei eine deutliche militärische Überlegenheit nutzen kann, begrenzt bleiben, den Besiegten oder am Konflikt Unbeteiligte treffen oder gar als Preis für den Sieg in Kauf genommen werden. 

Die Schwelle zu einem großen Krieg kann – ob mit Vorsatz oder aus einer unvorhergesehenen „Zwangslage“ heraus, auch leicht überschritten werden. Ein solcher Konflikt mit globalen Auswirkungen bahnt sich seit einem Vierteljahrhundert an; seit China und den USA mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion der gemeinsame Gegner abhanden gekommen war und sich die USA eher von China in ihrer Rolle als Welt-Hegemon bedroht sehen. 

Dieser sich zunehmend weiter verschärfende Konflikt zwischen den beiden Ländern weist bereits jetzt viele Anzeichen eines Kalten Krieges auf. Die Parallelen zur Situation vor dem ersten Weltkrieg, als sich die damals unangefochtene Weltmacht England durch das aufsteigende, geeinte Deutschland bedroht fühlte, sind unübersehbar. Ebenso leicht wie damals und ohne weitere bewusste Entscheidungen kann der „kalte“ Krieg zu einem „heißen“ Krieg werden – eben dem 3. Weltkrieg. 

Auch wenn dieser aus Furcht vor der wechselseitigen totalen Auslöschung ausschließlich mit sogenannte „konventionellen“ Waffen ausgetragen werden sollte, müssen wir mit dem Zusammenbruch ganzer Wirtschaftsräume und der Zivilgesellschaft größerer geographischer Bereiche rechnen, verbunden mit einem sehr deutlichen Rückgang der Bevölkerungszahl. Niemand hat bisher erklärt, wie und für wen sich ein solcher Konflikt noch „lohnen“ könnte.

Die Grundannahme aber, dass es dank MAD bei „konventionellen“ Waffengängen bliebe, könnte sich ebensoleicht als irrig herausstellen. Bevor sich eine Atommacht geschlagen gibt, wird sie möglicherweise eben doch zum Äußersten greifen, nach dem Motto: „Wenn wir schon untergehen müssen, dann bitte mit einem großen Knall. Und dann nehmen wir so viele mit in unser Grab, wie wir können.“

Dazu passend wird Albert Einstein gern mit dem Ausspruch zitiert: "Ich weiß nicht, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber der Vierte Weltkrieg wird mit Stöcken und Steinen ausgetragen."

Können wir uns Kriege also wirklich noch leisten?


2024-02-05

Artificial Intelligence vs. Human Stupidity

 

Nouriel Robini aka. “Mr. Doom” did it again – and again. Asked for his takeaways from this year’s World Economic Forum meeting in Davos he claimed that the world is facing mounting threats and already existing problems, but still heading to the wrong direction.

We must bear in mind that our world is dominated far more by human stupidity than by AI. The proliferation of megathreats – each an element in the broader “polycrisis” – confirms that our politics are too dysfunctional, and our policies too misguided, to address even the most serious and obvious risks to our future. These include climate change, which will have huge economic costs; failed states, which will make waves of climate refugees even larger; and recurrent, virulent pandemics that could be even more economically damaging than COVID-19.

Making matters worse, dangerous geopolitical rivalries are evolving into new cold wars – such as between the United States and China – and into potentially explosive hot wars, like those in Ukraine and the Middle East. Around the world, rising income and wealth inequality, partly driven by hyper-globalization and labour-saving technologies, have triggered a backlash against liberal democracy, creating opportunities for populist, autocratic, and violent political movements.

Unsustainable levels of private and public debt threaten to precipitate debt and financial crises, and we may yet see a return of inflation and stagflationary negative aggregate supply shocks. The broader trend globally is toward protectionism, de-globalization, de-coupling, and de-dollarization.

The dominant topic at the WEF, as expected, was artificial intelligence and its potential for both positive and negative impacts. But rather than perceiving AI as a useful tool to help solving the long list above, it was itself added to the list, whereas the list itself seemed to be accepted as a unalterable fate. 

Can’t we make good use of Artificial Intelligence to counter Human Stupidity?

In the following her lists a few of the scientific and technological domain where AI could unfold its potentially beneficial influence. All agreeable, however farfetched a few of them may be. He e.g. expresses hope that such utopian sources of energy supply like nuclear fusion reactors could become more science than fiction. 

In this context we should remind ourselves that any such reactor be it conventional or futuristic will just produce heat at first. That heat might subsequently be transformed to other forms and shapes of energy, electric, chemical and the like. If it is just that, we should not forget that we are already residing on one big reactor. There is no need to create a new one. It is just a few kilometres away of each consumer. Only those few kilometres are measured vertically: It our good old earth, which’s thin crust we are dwelling on. 

We have to admit that taking our backward drilling technologies tapping from that vast potential is still rather costly – but by far cheaper than any nuclear technology. In addition, it would be in steady supply, relatively safe and rather local.

Maybe this is a topic where AI could enlighten us further, providing a counterweight to our human stupidity.

Closing a Blog Post dating back January 2020 I once stated:

One idea, which crossed my mind recently, has not yet been discussed widely. It might well be one of those ‘other factors we have not even thought of yet’ determining our future direction. Couldn’t it well be that a Super-AI, once created and enjoying an independent life, be the saviour, rather than the terminator of humanity? Saving Humanity from itself in the end?

Some specially gifted humans usually only at the end of their lives, while summing up their life long experiences are endowed, with some insight, which we call wisdom. So why should it be beyond imagination that an artificial super-intelligence, after it has left all competition behind and won all battles, after it is the only one left and unchallenged, reaches a certain wisdom of old age and, very much like the overlords in Arthur C. Clarkes Childhood's End, orders the world in such a way that it will be able to live permanently in peace and prosperity - humanity and AI?

Will this then result in AW (Artificial Wisdom)?

Nouriel in a similar manner concludes – with some caveat however:

"These and many other technologies could change the world for the better, but only if we can manage their negative side effects, and only if they are used to resolve all the megathreats we face. One hopes that artificial intelligence someday will overcome human stupidity. But it will never get the chance if we destroy ourselves first."

A further elaboration on this exotic thought is due, however deserves a publication on its own. So, I may take it a a self-imposed obligation.


2024-01-12

Review: Underground Empire: How America Weaponized the World Economy

Underground Empire: How America Weaponized the World Economy Underground Empire: How America Weaponized the World Economy by Henry Farrell
My rating: 5 of 5 stars

I consider “Underground Empire: How America Weaponized the World Economy” by Henry Farrel and Abraham Newman to be a must-read for every politically interested citizen. I highly recommend reading it. This insightful contribution places great emphasis on providing evidence for what was previously the realm of assumptions and suspicions.

Sometimes governments have taken and are taking strange turns and acceding to our big brother's demands when previously they had vehemently refused to do so. Why are some countries desperately trying to de-dollarize when this still seems to be a futile endeavor? Why is China straining its vast resources to build a parallel grassroots economy while we appear to be operating in a free trade world order?

After reading all the chapters of the groundbreaking analysis, many seemingly unrelated pieces fall into place, forming a great picture of how our world is ordered by mainly invisible forces. This image shows great power politics (also known as real politics or offensive real politics) at its best - the pure essence of it.

I can fully recommend this well-researched, logically structured and clearly written book with only minor reservations. My slight hesitation concerns the non-analytical part: the final chapter offers recommendations on how the United States should deal with the apparatus it has built to dominate and control the global economy.

The proposals essentially amount to maintaining the entire machinery of economic and therefore political power, but only using it for noble purposes, such as getting the world to take action to avert climate catastrophe.

However, it is clear that this will not happen. Saul will not turn into Paul based on a recommendation alone. It is unlikely that the global hegemon, intoxicated with power, would voluntarily decide to undergo detoxification. The policies of the great powers always followed the same patterns everywhere and over the centuries.

This small concession to the American public (after all, both authors understandably want to keep their jobs as university professors) is forgivable and in no way detracts from the immense value of this book.

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Review: Spin Dictators: The Changing Face of Tyranny in the 21st Century

Spin Dictators: The Changing Face of Tyranny in the 21st Century Spin Dictators: The Changing Face of Tyranny in the 21st Century by Sergei Guriev
My rating: 5 of 5 stars

Sergei Guriev’s “Spin Dictators” is an important and eye-opening contribution to the current political discourse. With great detail and a wealth of examples, he proves what previously seemed to me to be more of a plausible assumption, namely that dictators can also be elected "democratically", that in many cases no (brutal) violence is needed to officially rise up the popularity scale, eliminate one's rivals and still maintain good relations with real or supposedly liberal democracies.

Sergei Guriev has thus done a great service to political discourse. Nevertheless, he has not only answered questions in his work. He has also raised new questions, or at least awakened them in me: Aren't these tools used by spin dictators also used in democracies, so that a party-duopoly has no new intruders to fear? In this way, a few incumbent families that have ruled for generations can take turns in exercising power without being effectively disturbed in their game.

Is it not possible to create an inverse democracy in this way, which looks very much like a pure liberal democracy from the textbook, except that here it is not really the people who determine the government, but the alternating governments that form a suitable people. They would certainly have the tools to do so. So, do spin democracies also exist? Careful observation of the strange events on the other side of the Atlantic can certainly give rise to such suspicions.

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