My near philosophical musings about the world in general its problems and possible ways out.

2026-10-09

Trixies Fluch

Trixie Trulla killt Dicke Dörte · Kapitel 4

Trixies Fluch


Trixie nahm Napoleon vorläufig bei sich auf. Die Polizei hatte nichts dagegen. Frau Knobloch umso mehr.

„Der Täter bemächtigt sich des einzigen Zeugen“, sagte sie am Gartenzaun.

„Napoleon ist kein Zeuge“, wandte Herr Yilmaz ein.

„Das wissen Sie doch gar nicht.“

„Er kann nicht aussagen.“

„Gerade deshalb ist seine Glaubwürdigkeit noch unbeschädigt.“

Trixie hörte nichts davon. Sie saß in ihrer Küche und betrachtete den schwarzen Hund, der den Kopf auf die Vorderpfoten gelegt hatte. Seit dem Morgen erinnerte sie sich an einen Satz, den sie lieber vergessen hätte.

Es war nicht die öffentlich bekannt gewordene Drohung. Die hatte sie lachend ausgesprochen, nachdem Dörte ihr bei Kaffee und gekauftem Streuselkuchen den Preis aus der Nase gezogen hatte. „Aber kein Wort“, hatte Trixie gesagt. „Sonst bringe ich dich um.“ Dörte hatte sich an die Brust gefasst, „Bei meiner Ehre“ erklärt und vermutlich noch vor Erreichen des eigenen Gartentors zwei Menschen angerufen.

Nein, Trixie dachte an etwas anderes.

Am Abend vor Dörtes Tod hatte sie erfahren, wie weit das Geheimnis gelangt war. Ein völlig Fremder hatte sie vor dem Supermarkt angesprochen.

„Na, für eine Million hätten Sie aber auch ein Dach erwarten dürfen“, hatte er gesagt.

Trixie war nach Hause gegangen. Im Flur war ihr eine Fliese entgegengekommen. Nicht bildlich. Sie hatte sich unter ihrem Fuß gelöst und war auf die andere Seite des Raumes gerutscht.

Da hatte Trixie, mit einer Einkaufstasche in jeder Hand und einer Lauchstange unter dem Arm, in die leere Diele gerufen:

„Dörte, der Teufel soll dich holen!“

In derselben Nacht war Dörte gestorben.

Ein vernünftiger Mensch hätte darin keinen Zusammenhang gesehen. Trixie hielt sich im Allgemeinen für vernünftig. Allerdings hatte sie als Kind eine Tante besessen, die durch bloßes Missfallen Radios zum Verstummen bringen konnte. Jedenfalls hatte die Tante das behauptet. Die Radios stammten aus den sechziger Jahren und verstummten auch ohne ihr Zutun häufig. Trotzdem war in Trixies Familie der Verdacht geblieben, manche Wünsche könnten eine gewisse operative Kraft entfalten.

Napoleon hob den Kopf.

„Ich habe es nicht so gemeint“, sagte Trixie.

Der Hund sah sie an.

„Natürlich war ich wütend. Aber Wut ist doch keine Bestellung.“

Napoleon seufzte.

Trixie stand auf, schloss die Küchentür, zog die Gardinen zu und öffnete im Internet eine Seite über den Fluch des Tutanchamun. Nach zwanzig Minuten war ihr klar, dass es zahlreiche rationale Erklärungen gab. Nach vierzig Minuten war sie überzeugt, dass rationale Erklärungen lediglich die bevorzugte Tarnung übernatürlicher Vorgänge seien.

Um dreizehn Uhr klingelte Kommissarin Martens.

„Frau Trullmann?“

„Trullner“, sagte Trixie. „Beatrix Trullner.“

Damit war nebenbei geklärt, woher „Trixie Trulla“ stammte. Die Nachbarschaft hatte ihren Namen nicht erfunden. Sie hatte ihn nur so lange bearbeitet, bis er eine Meinung enthielt.

Martens stellte Fragen zum Hauskauf, zum Gespräch mit Dörte und zur Drohung. Trixie beantwortete alles wahrheitsgemäß, bis auf die Sache mit dem Teufel. Darüber schwieg sie.

Nicht, weil sie sich für schuldig hielt.

Nur weil sie befürchtete, es zu sein.

Fortsetzung folgt …

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