My near philosophical musings about the world in general its problems and possible ways out.

2026-10-02

Die Verschwiegenheitsgemeinschaft

Trixie Trulla killt Dicke Dörte · Kapitel 3

Kriminalhauptkommissarin Ada Martens traf um sieben Uhr zwölf ein. Sie war mittelgroß, trug einen dunkelblauen Mantel und besaß die seltene Gabe, einem Menschen zuzuhören, ohne ihm durch freundliches Nicken versehentlich recht zu geben.

Diese Eigenschaft wurde im Viertel zunächst als Kälte missverstanden.

Martens ließ den Bereich absperren. Ein Rechtsmediziner beugte sich über Dörte. Napoleon musste weggeführt werden, was keinem der Beamten gelang. Erst als Trixie leise „Napoleon, komm“ sagte, erhob sich das Tier, ging zu ihr und setzte sich an ihre linke Seite.

Ein hörbares Einatmen ging durch die Reihen.

„Der gehorcht ihr!“, flüsterte Frau Söntgen.

„Hunde vergessen nie“, antwortete Frau Knobloch mit einer Bestimmtheit, die sonst Jahreszahlen vorbehalten war.

„Oder sie kennen ihren Täter“, sagte Herr Pahlke.

Martens drehte sich um. Drei Köpfe verschwanden hinter einer Hecke.

An Dörtes Hinterkopf fand sich eine blutende Verletzung. Auf ihrer rechten Hand lagen oberflächliche Kratzspuren. Der Mantel war an der Schulter eingerissen. Neben ihr lag eine zerbrochene Lesebrille, obwohl Dörte beim Gehen nie gelesen hatte. Etwas weiter entfernt fand ein Beamter eine kleine silberne Feder, wie sie zu einem mechanischen Gerät gehören mochte, sowie ein Stück roten Kunststoffs.

Napoleons Leine war nicht an seinem Halsband befestigt. Sie lag in einer lockeren Schlinge um einen städtischen Begrenzungspfosten, einen jener niedrigen Metallbügel, die Autofahrer daran hindern sollen, den Rasen zu beschädigen, und Fußgänger dazu einladen, sich selbst zu beschädigen.

„Unfall?“, fragte der junge Streifenbeamte.

Der Rechtsmediziner hob eine Schulter. „Möglich.“

Dieses Wort gelangte nicht bis hinter die Hecke.

Dort wurde bereits die bedeutendere Frage verhandelt: Wer würde der Polizei von Trixies Drohung erzählen?

Alle wussten davon. Niemand konnte erklären, woher.

Frau Knobloch hatte es von Frau Söntgen erfahren, die es von ihrem Mann wusste. Herr Söntgen hatte es angeblich beim Bäcker aufgeschnappt. Der Bäcker bestritt das und verwies auf den Apotheker. Der Apotheker berief sich auf seine Schweigepflicht, was als Eingeständnis gewertet wurde. Herr Pahlke hatte die Information „aus zuverlässiger Quelle“, womit er in der Regel seine Frau meinte. Diese wiederum hatte sie von Dörte selbst, allerdings ausdrücklich unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit.

Es war also niemand verantwortlich.

Verantwortung ist im bürgerlichen Leben ein Gegenstand, der beim Herumreichen auffallend schnell an Gewicht verliert.

Um zehn Uhr begann Kommissarin Martens mit den Befragungen. Um zehn Uhr siebenunddreißig verlor Herr Söntgen die Nerven.

„Sie hat ihr gedroht!“, stieß er hervor.

„Wer wem?“

„Trixie der Dörte. Sie werde sie umbringen, wenn sie den Kaufpreis weitererzähle.“

„Waren Sie dabei?“

„Nein.“

„Wer war dabei?“

„Dörte und Trixie.“

„Und woher wissen Sie es?“

Herr Söntgen schwieg. Es war nicht das Schweigen eines Mannes, der ein Geheimnis hütet. Es war das Schweigen eines Mannes, der gerade entdeckt, dass die logische Struktur seiner Aussage auf ihn selbst zurückweist.

„Es ist allgemein bekannt“, sagte er schließlich.

„Dann war es offenbar keine besonders wirksame Drohung.“

Martens notierte etwas.

Herr Söntgen versuchte, auf den Zettel zu sehen. „Schreiben Sie jetzt ihren Namen auf?“

„Nein. Ihren.“

Noch vor dem Mittagessen wusste das Viertel, Trixie stehe auf einer geheimen Liste der Polizei.

Das stimmte sogar.

Auf derselben Liste standen allerdings auch Napoleon, Bodo Beutlin, vierzehn Nachbarn, zwei Paketboten, der Bäckerfahrer, ein bislang unbekannter Radfahrer und das Wetter.

Fortsetzung folgt …

The Fellowship of Confidentiality

Trixie Trulla Kills Big Dörte · Chapter 3


Detective Chief Inspector Ada Martens arrived at twelve minutes past seven. She was of medium height, wore a dark-blue coat and possessed the rare gift of listening to a person without accidentally agreeing with them by nodding encouragingly.

At first, the neighbourhood mistook this quality for coldness.

Martens had the area cordoned off. A pathologist bent over Dörte. Napoleon had to be led away, a task none of the officers managed. Only when Trixie quietly said, “Napoleon, come,” did the animal rise, walk over and sit at her left side.

An audible intake of breath passed through the ranks.

“He obeys her!” Frau Söntgen whispered.

“Dogs never forget,” Frau Knobloch replied with the certainty she normally reserved for historical dates.

“Or they know their killer,” said Herr Pahlke.

Martens turned round. Three heads vanished behind a hedge.

Dörte had a bleeding wound at the back of her head. There were superficial scratches on her right hand, and her coat was torn at the shoulder. Beside her lay a broken pair of reading glasses, although Dörte had never read while walking. A little farther away, an officer found a small silver spring of the sort that might belong to a mechanical device, and a fragment of red plastic.

Napoleon’s lead was not attached to his collar. It lay in a loose loop around a municipal boundary post, one of those low metal fixtures intended to prevent motorists from damaging the grass and to invite pedestrians to damage themselves.

“Accident?” asked the young constable.

The pathologist lifted one shoulder. “Possible.”

That word did not reach the far side of the hedge.

There, the more important question was already being debated: who would tell the police about Trixie’s threat?

Everyone knew about it. Nobody could explain how.

Frau Knobloch had heard it from Frau Söntgen, who knew it from her husband. Herr Söntgen had supposedly picked it up at the bakery. The baker denied this and referred them to the pharmacist. The pharmacist invoked professional confidentiality, which was interpreted as an admission. Herr Pahlke had received the information “from a reliable source”, by which he generally meant his wife. She, in turn, had heard it from Dörte herself, though expressly under the seal of absolute secrecy.

Thus nobody was responsible.

Responsibility is an object which, in respectable life, becomes strikingly lighter as it is passed around.

At ten o’clock, Inspector Martens began her interviews. At ten thirty-seven, Herr Söntgen lost his nerve.

“She threatened her!” he blurted.

“Who threatened whom?”

“Trixie threatened Dörte. Said she would kill her if she told anyone the purchase price.”

“Were you there?”

“No.”

“Who was there?”

“Dörte and Trixie.”

“Then how do you know?”

Herr Söntgen fell silent. It was not the silence of a man guarding a secret. It was the silence of a man who has just discovered that the logical structure of his statement points back towards himself.

“It’s common knowledge,” he said at last.

“Then it was evidently not a particularly effective threat.”

Martens wrote something down.

Herr Söntgen tried to see the page. “Are you writing down her name?”

“No. Yours.”

Before lunch, the neighbourhood knew that Trixie’s name appeared on a secret police list.

This was even true.

The same list also contained Napoleon, Bodo Beutlin, fourteen neighbours, two delivery drivers, the bakery driver, a cyclist whose identity was not yet known, and the weather.

To be continued …