Trixie Trulla killt Dicke Dörte · Kapitel 8
Napoleon war ein schwarzer Russischer Terrier von fast sechzig Kilogramm Gewicht. Er verfügte über einen gewaltigen Kopf, schweigsame Würde und Pfoten, die auf frisch gewischten Fliesen den Abdruck kleiner Bären hinterließen.
Bei Dürrenmatt begleitet ein riesiger schwarzer Hund mit schwefelgelben Augen einen rätselhaften Prediger. Allein diese literarische Vorbelastung hätte in den Augen Frau Knoblochs für eine vorläufige Festnahme genügt.
Hinzu kam, dass an Dörtes Mantel Hundehaare gefunden worden waren.
Schwarze.
„Er hat sie angefallen“, sagte Herr Pahlke.
„Er lebte mit ihr“, sagte Herr Yilmaz. „Natürlich sind Haare an ihrem Mantel.“
„Dann hat er die Tat lange vorbereitet.“
Trixie hingegen beobachtete etwas, das ihr Unbehagen bereitete. Sobald sie mit Napoleon an der Fundstelle vorbeikam, blieb er stehen. Er zog zum Begrenzungspfosten, schnupperte am Metall und stieß mit der Nase gegen den Boden. Dann sah er nach oben in die Krone einer alten Linde.
Beim dritten Mal folgte Trixie seinem Blick.
Zwischen den Ästen hing ein rotes Band.
Sie rief Kommissarin Martens an.
Die Spurensicherung barg das Band. Es war ein Rest jener flatternden Kunststoffbänder, mit denen ein Bauunternehmen wenige Tage zuvor einen offenen Container vor Trixies Haus abgesperrt hatte. Der Container war in der Nacht vor Dörtes Tod abgeholt worden. Offenbar hatte sich ein Stück des Bandes gelöst und in der Linde verfangen.
„Ist das die rote Kunststoffspur?“, fragte Trixie.
„Vielleicht.“
„Und die Feder?“
„Vielleicht gehört sie zu einem Gegenstand, der dort beschädigt wurde.“
„Zu einer Waffe?“
„Zu einer Wäscheklammer wäre ebenfalls möglich.“
Trixie sah enttäuscht aus. Selbst Beschuldigte wünschen sich von einer Mordermittlung eine gewisse ästhetische Konsequenz.
Napoleon ging inzwischen im Haus auf und ab. Immer wieder blieb er vor einem alten Sekretär stehen, den Trixie aus Dörtes Wohnung hatte holen lassen. Dörtes Nichte lebte in Kanada und hatte telefonisch gebeten, persönliche Papiere vor neugierigen Händen zu sichern. Dass Trixies Hände in der Nachbarschaft als die neugierigsten galten, wusste die Nichte nicht.
Der Hund kratzte an der untersten Schublade.
Trixie öffnete sie. Darin lagen alte Programme der „Blauen Stunde“, Fotografien, Briefe und ein abgegriffenes Notizbuch. Unter dem Papier war nichts.
Napoleon kratzte weiter.
„Da ist nichts“, sagte Trixie.
Er setzte sich.
Sie zog die Schublade ganz heraus. An ihrer Unterseite war mit Klebeband ein flacher Umschlag befestigt.
Er enthielt Kopien alter Bauabrechnungen, ein Gutachten über mangelhafte Fundamente und einen Brief von Viktor Voss. Außerdem lag darin ein aktueller Zettel:
Wenn mir etwas passiert, hat es vielleicht mit dem Haus gegenüber zu tun. Nicht mit Trixie. Mit dem Haus.
Trixie setzte sich auf den Boden.
Napoleon legte eine Pfote auf ihr Knie.
„Du bist ein guter Hund“, sagte sie.
In diesem Augenblick fotografierte Frau Söntgen durch einen Spalt im Gartenzaun, wie Trixie einen geheimen Umschlag in der Hand hielt.
Das Foto trug in der Chatgruppe später die Bildunterschrift: TÄTERIN VERNICHTET BEWEISE.


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